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Reha-Kolumne (I)

27. Januar 2010

Vom Workaholic zum Aussteiger ?!?

Tja, nun bin ich zwar noch nicht in “meiner Anstalt”, stehe aber davor. Bevor ich dort rein gehe, ein Blick zurück: Arbeit. Knapp drei Jahrzehnte waren das wohl im Schnitt 70 Std. in der Woche. Dienst, Familie (Pflege des behinderten Sohnes), Nebenberufliches, Ehrenamtliches. Aber die beiden letzten Punkte waren freiwillig, hätten nicht sein müssen, ich will ich mich nicht beklagen. Im Gegenteil, ich habe es gerne gemacht, es hat auch “was” eingebracht. Nicht zuletzt deswegen bin ich viel rum gekommen, habe viel gesehen, erlebt, erfahren. Sex, Drugs an Rock ‘n’ Roll.
“Das reicht für zwei Leben”, meinte mein Arzt, der mich über 20 Jahre kennt. Punkt. Nun ist “der Tank leer”, meinte er, “zuviel Vollgas gegeben und vergessen nachzutanken”. Na ja, er hat sicherlich Recht, ich merke es ja selbst, dass ich momentan meilenweit von meiner alten Leistungsfähigkeit entfernt bin. Ob das nur ein sog. Burnout-Syndrom ist, oder verbunden mit Überlastungsdepressionen, weiß ich nicht. Der eine Arzt meint ja, der andere nein. Medikamente gegen die vermeintlichen Depressionen haben nichts bewirkt, außer dass ich mich noch mehr müde gefühlt habe. Selbst fühle ich mich aber nicht depressiv, eher im Gegenteil. Ich sehe es so: alle netten Sprüche, schönen Phrasen und hären Absichten nützen nichts, wenn am Ende nichts bei rum kommt. Als Fußballer weiß ich: am Ende zählt nur das Ergebnis. Wer erinnert sich noch, dass die Bayern im Champions-League-Endspiel gegen ManU bis zwei Minuten vor Schluss 1:0 geführt und 88 Minuten schön und besser gespielt haben? Fakt ist, dass sie 1:2 verloren haben! ManU ist auf dem Pokal eingraviert, nicht Bayern!
Entscheidungen sind dafür da, dass sie getroffen werden. Besser man trifft sie selbst als dass irgendwann andere sie für einen treffen. Ich will nicht zu denen gehören, die zwar gute Ratschläge geben (können), aber nicht in der Lage sind, sie selbst umzusetzen. Auch wenn es nicht einfach ist, bestimmt nicht. Das hat sehr viel mit Loslassen zu tun. Ja, und diese Weichen habe ich in den letzten Tagen gestellt: Mein Haus steht bei einem Makler zur Vermietung, selbst sehe ich mich nicht mehr in den Dienst zurück kehren, sondern ab dann irgendwann in diesem Jahr oben unweit der See in einer schönen Wohnung leben. Ich weiß nicht, ob das dann schon “das Ziel” ist, glaube eher weniger, aber bestimmt ein wichtiges Etappenziel. Was dann kommt, vielleicht mal später Ausland, vielleicht Südspanien? Wer weiß, erstmal gilt es “mein Etappenziel” zu erreichen und aufzutanken. Sicherlich fällt es mir nicht leicht, das Haus, was ich selbst gebaut habe, den Ort, in dem ich geboren wurde, Bürgermeister war und mit geprägt habe, zu verlassen. Aber, s. o., man muss auch loslassen können!
Meine Tochter glaubt, dass es mir “da oben”, wenn hier alles geregelt ist, wieder besser gehen wird (ich hoffe es). Und ich weiß, dass rheumatische Beschwerden (Morbus Bechterew) auch durch seelische Belastungen negativ beeinflusst werden können. Deshalb habe ich meinem Arzt vorgeschlagen, statt zum fünften Mal in 10 Jahren in eine Rheuma- doch besser mal in eine Psychotherapeutischen-Klinik zu fahren. Vielleicht hilft’s. So, das war noch einmal ein Blick zurück. Habe noch ein paar Sachen zu erledigen und dann werde ich in “meine Anstalt” eintreten, die Curtius-Klinik in Malente, in der schönen Holsteinischen Schweiz direkt am Kellersee gelegen.
Demnächst mehr in meiner Reha-Kolumne:
Neues aus der Anstalt
– Vom Workaholic zum Aussteiger ?!?

^.^

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15 Kommentare leave one →
  1. Wolken permalink
    27. Januar 2010 08:45

    Moin Moin Sven dann wünsch ich dir viel Erfolg ,wie sagt man immer so schön Kopf hoch und durch .Auch das Austeigerleben hat seine Vorzüge !!es grüßt dich der Klaus

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  2. sven permalink
    27. Januar 2010 08:51

    Danke Klaus. Ja, so langsam gewöhne ich mich an den Gedanken 😉 Und der schlechteste ist das nicht 😉 Man kann halt nicht alles haben und irgendwann muss man sich für eine Richtung entscheiden. Das habe ich nun getan!Auf alle Fälle lesen wir uns hier wieder – und wer weiß, vllt. trinken wir "oben" ja irgendwann mal ’nen Köm in irgendeiner Hafenkneipe *lach*

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  3. Doctor H. permalink
    27. Januar 2010 09:05

    ach die Ecke kenn ich von stundenlangen und Kilometerlangen Märschen. War ja in Glückstadt bei der Marine zur Grundausbildung, dann Führerscheinausbildung in Großenbrode und dann den Rest des Wehrdienstes in Plön in der Unteroffiziersschule. Die Holsteinsche Schweiz ist schön – wenn man nicht grade in Kampfmontur 20 Kilo Gepäck und einem MG auf der Schulter bei 30 Grad Hitze dort längs marschiert… ^^

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  4. sven permalink
    27. Januar 2010 09:23

    Jau Doc, die ganze Ecke dort ist schön, und Timmendorf – Malente sind man gerade knapp über 30 KM. Von der Gegend her sehr viel schöner als z.B. hier Peine, wo ich noch nie alt werden wollte, das habe ich schon immer gesagt. War bisher sowas wie eine "Zweckehe" die nun wohl geschieden wird – *lach*

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  5. Tina permalink
    27. Januar 2010 10:13

    Moin Sven, sie werden dich dort verwöhnen, so wie man es von den Menschen dort gewohnt ist!Malente kenne ich auch noch, klaro :-)Lg Tina

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  6. Wolken permalink
    27. Januar 2010 11:09

    das waere ine gute Idee ,Sven ,ich komme sicher diesen Sommer einmal nach Hamburg .@Doc in Großenbrode ?? kennst du dort denn noch den Westernsaloon ? dort hab ich früher einmal Platten aufgelegt und in der Strandperle gekocht .Muß so 1976 / 77 gewesen sein lg vom Klaus

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  7. MoonLightShadow V permalink
    28. Januar 2010 20:23

    Hi, lieber Sven!ich wünsche dir alles alles gute und viel Erfolg und eine gute Zeit…. auf daß die Richtung und der Weg immer klarer werden!lg Vera

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  8. Elke permalink
    29. Januar 2010 00:26

    Lieber Sven, dann wird es also jetzt ernst. Es ist gut dort Veränderungen zu machen wo der Weg festgefahren ist und neue Wege zu gehen. Wie sag ich immer so schön; "Im Auftrag der Gesundheit" :-)… ich wünsche Dir viel Erfolg und somit gute Erholung. Melde Dich mal zwischendurch… herzliche Grüße Elke

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  9. Dreamer permalink
    31. Januar 2010 21:35

    Na dann bin ich ja mal gepsannt wie es weiter geht. Ich denke, deine Entscheidungen sind richtig und ich hoffe, daß alles so klappt wie du dir das jetzt vorstellst. Ich wünsche dir das jedenfalls. Viel Glück und melde dich mal aus der Reha. Viele liebe Grüße, Doris

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    • 26. Oktober 2012 22:04

      Hach,
      jetzt antworte ich schon auf meinen eigenen Kommentar. Das ist nun fast 3 Jahre her und ich stelle fest, daß ich damals richtig gedacht habe.
      Interessant, du solltest öfters mal für ein Feedback auf alte Artikel in deinen aktuellen Artikeln verweisen.

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      • 27. Oktober 2012 09:22

        Stimmt. Und mal so zurückblickend nachzulesen kann schon interessant sein. Als langjähriger Tagebuchschreiber mache ich das manchmal. Oh oh, das sind dann manchmal Momente wo ich heute nicht mehr glaube, dass ich das damals geschrieben habe ^^

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  10. ICH permalink
    31. Januar 2010 21:37

    Hmmmm … dein Blog stimmt mich sehr nachdenklich. In meiner Branche bin ich auch so ein kleiner Workaholic. Vielleicht sollte ich doch besser auf mich achten und hin und wieder mal kürzer treten. Aber du weißt ja bestimmt selber, wie das ist. Bei jemandem, der mit seinem Beruf sehr verbunden ist, ihn abgöttisch liebt, fällt das verdammt schwer. Wünsche dir für deine weitere Zukunft alles Gute. Du wirst deinen Weg gehen.

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  11. Nimue permalink
    1. Februar 2010 17:40

    Hallo Sven!Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute und auch eine sehr schöne Zeit. Was das "Auswandern" betrifft, so habe ich das gerade hinter mir. Zwar nur innerhalb Deutschlands, aber es war für mich ein sehr großer Schritt, der mir geholfen hat ausgeglichener zu sein. No risk, no fun. Wenn Du sowieso davon ausgehst, dass Du nach dem Aufenthalt nicht wieder arbeiten gehst, dann ist so ein Umzug doch kein Problem. Sollte es Dir nicht gefallen, kannst Du immer wieder zurück. Ich drücke Dir die Daumen und sage gute Besserung!Liebe GrüßeNimue

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  12. Katjas permalink
    2. Februar 2010 14:27

    Hallo Sven!Nun hast Du doch schon einige entscheidende Schritte eingeleitet! Glückwunsch! Ganz viel Daumen – drücken, dass Du Dich wiederfindest und eine gewisse Stabilität bekommst. Auf jeden Fall die, die Du brauchst!Damit Du das alles ein wenig mit Humor sehen kannst – noch mehr vielleicht 😉 Ein Buchtipp an dem ich auch gerade sitzte:Manfred LützIRRE! Wir behandeln die falschenUnser Problem sind die NormalenGütersloher VerlagshausISBN – 978-3-579-06879-4Mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen ;-)Alles Liebe und Gute in "Deiner Anstalt"Bin schon neugierig auf Deine Berichte! Vielleicht entscheide ich mich dann ja auch endlich mal zu einer Mutter – Kind – Kur, zu der mich mein Hausarzt schon seit Jahren drängt :-SGvlG Katja

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Trackbacks

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