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Bunte Republik Deutschland

28. März 2011

Während der letzten Tage des Herumtreibens ohne große Mediennutzung habe ich beizeiten gesagt: „Sonntag, 18.00 Uhr, will ich aber vor dem Fernseher sitzen.“ Ich wollte wissen ob ich Recht behalte, ob die Schwaben quasi bundesdeutsche Geschichte schreiben und erstmalig einen Grünen zum Ministerpräsidenten wählen.

In der Tat, die politische Farbskala in dieser unser Bunten Republik Deutschland muss neu sortiert werden, eine weitere Variante ist hinzugekommen: Grün-Rot! Man beachte die Reihenfolge. Wer hätte das geahnt, als 1985 ein gewisser Joseph Martin Fischer in Hessen „Turnschuh-Minister“ wurde?

Sicherlich hat das Thema „Japan“ die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beeinflusst. Aber die Gewinne bei den Grünen und die Verluste von Schwarz-Gelb allein darauf zurück zuführen, wird der Sache und dem Wählervotum nicht gerecht. Außerdem hat es Verluste für die Bundes-Koalition in diesem Jahr auch schon in Hamburg und in Sachsen-Anhalt gegeben. Es ist klug, Fehler auch bei sich selbst zu suchen ….

Gewonnen hat die Demokratie und die Erkenntnis, dass die „Partei der Nicht-Wähler“, Logo: weißes Kreuz auf weißem Grund, durchaus das Zeug zum Königsmacher hat. Oder zum Königsmörder. Auch ein sog. „Nicht-Wähler“ wählt gewissermaßen mit – und erst recht, wenn sein Kreuz plötzlich sichtbar auch auf einem Stimmzettel mitgezählt wird. Ein Blick auf die Wählerwanderschaft spricht Bände. So haben die Grünen an diesem Wahlsonntag ihren enormen Stimmenzuwachs zu einem großen Teil den „Nicht-Wählern“ zu verdanken und viele CDU-Stammwähler sind in Baden-Württemberg, wie zuvor auch in Hamburg, zuhause geblieben.

Hat sich unser Parteiengefüge nach diesem denkwürdigen 27. März 2011 grundlegend verändert? Ich weiß es nicht. Aus der Sicht eines Norddeutschen mag „der Osten“ per se nach wie vor als „links“ und alles südlich des „Weißwurstäquators“ als konservativ gelten. Das kann man pi mal Daumen auch auf die dort jeweils handelnden Politiker, egal welcher Couleur, übertragen – bzw. ein Politiker muss so sein, um gewählt zu werden. Nur als Linker geht man nicht als konservativ durch, als Grüner schon. Siehe Winfried Kretschmann.

CDU, FDP – sie gehen mit ihrem Schlingerkurs und damit zusammenhängendem Identitätsverlust schweren Zeiten entgegen. Können Merkel, Westerwelle & Co. so bis 2013 gegen größer werdenden Widerstand aus dem Bundesrat weiter regieren? Kanzler Schröder hat 2005 nach der vernichtenden Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen Neuwahlen ausgerufen. Aber genützt hat es der SPD bis heute nichts. Im Gegenteil, egal was passiert, die „Dezimalsozikraten“ können davon nicht profitieren und dümpeln bundesweit unterhalb von 30 Prozent herum. In vier Bundesländern sind sie nur noch dritte Kraft, in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hinter der CDU und den Linken, in Baden-Württemberg jetzt hinter der CDU und den Grünen. Und die FDP, der „Wurmfortsatz“ der CDU? Wer braucht die noch? Ich nicht! Bleiben die Linken. Im Osten könnten sie drei Ministerpräsidenten stellen, wenn die SPD wie jetzt bei den Grünen bereit wäre, die Rolle des Juniorpartners einzunehmen. So bleiben sie, was sie wohl auch am besten können: Berufsoppositionelle.

Schauen wir mal, was in diesem Jahr noch so kommt: Drei Länderwahlen stehen noch aus – am 22. Mai wird in Bremen, am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern und am 18. September in Berlin gewählt.

Gespannt bin ich, ob und wie insbesondere in Baden-Württemberg die Wahlversprechen eingelöst werden. Oder ob man sich beim Versprechen mal wieder versprochen hat. Knackpunkte gibt es genug, ich sage nur: STUTTGART 21 ….

Wen es interessiert, ein Beitrag von 2009 (bzw. 2008):  KLICK

^.^

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7 Kommentare leave one →
  1. 29. März 2011 05:03

    Wofür so ein Tsunami doch alles „gut“ sein kann 🙂
    der Mensch denkt und die Erde „Natur“ lenkt
    es grüßt den kleinen Rumtreiber ,der Klaus

    Gefällt mir

    • 29. März 2011 08:53

      Moin Klaus,
      ja, den Spruch „der Mensch denkt, die Natur lenkt“ kenne ich schon von meinem Großvater, und der wohl von seinen … – also hat man schon ganz, ganz früh gewusst, dass die Natur macht was sie will.
      Nur Oma als eifrige sonntägliche Kirchgängerin hat „Gott“ statt „Natur“ gesagt, aber letztendlich das gleiche.

      Irgendwo habe ich gestern gelesen, dass du eine Woche weg willst musst darfst kannst.
      Wünsche dir schöne Tage und übertreibe es am Freitag nicht 😉 Du verstehst?

      Und wer ist hier der „Herumtreiber“? Du oder ich? und „klein“ – bei 183 ??

      Wünsche dir schöne Tage, bis später, viele Grüße vom Sven

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      • 29. März 2011 16:45

        Hallo Großer ,ja ich fahre am Donnerstag zum Zelten ,mir etwas den Wind um die Ohren wehen lassen ,leider klappt es nicht bis ans Meer ,so muß ich zur Zeit mit einem kleinem See hier in der Nähe vorlieb nehmen . Hoffe nur das das Wetter so bleibt .
        Lieben Gruß vom Klaus

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  2. 29. März 2011 12:59

    Ich sehe Herrn Kretschmann durchaus als (öku)konservativ an.
    Er denkt nach, bevor er spricht und sieht den Kirchgang
    nicht als verlängerten Wahlkampf, er hat das Machbare
    im Auge, das wurde und wird im Südwesten anerkannt.
    Er braucht warscheinlich ne Portion Zähigkeit und Geduld,
    aber diese Eigenschaften traue ich ihm zu und wenn er
    seine Entscheidungen erklärt, plausibel rüberbringt,
    wird er keine Schwierigkeiten bei seinen Wählern bekommen,
    ganz anders vielleicht bei seinen eigenen grünen oder roten „Freunden“.

    Ich wünsche ihm eine Engelsgeduld und alles Gute

    und Dir noch einen wunderbaren Sonnentag.
    Knuddelbussi****

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