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Wahr aber fair … Doppelmoral

25. April 2013

Wenn die eine Realität auf die andere Realität trifft.

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Blättern wir heutzutage durch die Zeitungen, dann lesen wir von Steuerhinterziehungen im großen Stil, von über 47.000 Selbstanzeigen seit 2010 und dadurch erfolgten Einnahmen von über 2 Milliarden Euro. Im Bundestag wird über die Dunkelziffer spekuliert, die Straffreiheit von sich selbst anzeigenden Steuerbetrügern kritisiert, von einer „Oberschichten-Kriminalität“ gesprochen und dass dem „Normalbürger die Steuer bereits vom Lohn abgezogen wird, bevor er das Geld auf dem Konto hat“ – ohne dass er eine Wahl hat. Dazu all die steuersenkenden, angeblich legalen, Steuertricks der Wirtschaft über ausländische Briefkastenfirmen, usw. usw.. Offshore-Leaks und die Selbstanzeige des Steuerbetrügers Hoeneß geben dem Thema zurzeit eine besondere Brisanz … und ein Gesicht. Ist das alles fair? Nein, aber wahr, die eine Realität.

Auch unser Bundespräsident hat sich die Tage dazu zu Wort gemeldet:  „Zu einer funktionierenden Demokratie gehört die Bereitschaft aller, etwas dazu beizutragen. Wir können nicht wählen, ob wir Steuern zahlen, jedenfalls nicht legal. Es gehört zur Verantwortung mündiger Bürger, Pflichten und Gesetze zu akzeptieren.“  Soweit die Theorie.

Und die Praxis? Auch das können wir lesen: Mindestlöhne werden unterlaufen, Schwarzarbeit ist an der Tagesordnung und so oder so gehen dem Staat immense Einnahmen verloren – oder macht Berufstätige zu „Aufstockern“, die „Hartz IV“ vom Staat, also von unseren Steuern erhalten, obwohl das bei einem ordentlichen Lohn oder Anrechnung der Einnahmen aus Schwarzarbeit nicht sein dürfte. Ist das analog zur „Oberschichten-Kriminalität“ eine „Unterschichten-Kriminalität“? Ist das alles fair? Nein, aber wahr, die andere Realität.

Und wir selbst? Sie, du, ich? Wer von uns hat nicht auch schon einmal bei einer Handwerksleistung „auf die Rechnung verzichtet“, eine Dienstleistung gegen „ein kleines Entgelt bar auf die Hand“ in Anspruch genommen? Oder in der Steuererklärung „etwas vergessen“? Bitte, wer? Ist das fair gegenüber denen, die sich ganz korrekt verhalten? Nein, aber auch das ist wahr, die Realität. Ich merke an und gestehe: in dem Sinne war ich auch nicht immer fair.

Ist das schlimm? „Ein paar Euros, das machen doch alle!“. Und Schwarzarbeit ist doch auch ein Wirtschaftsfaktor, „die Hälfte aller Baumärkte müsste ohne Schwarzarbeiter schließen“. Egal ob das so stimmt oder nicht, nur weil viele etwas Illegales tun, ist es nicht automatisch legal. Selbst nicht, wenn es alle täten, wobei sich dann die Frage aufdrängen würde, ob man in dem Fall nicht die Gesetzeslage der Realität anpassen könnte …. Es geht auch nicht darum, ob „ein paar Euros“ weniger schlimm sind, sondern um den Tatbestand als solchen. Das erfährt auch gerade Ex-Bundespräsident Wulff mit der Bestechlichkeits-Anklage gegen sich, eben „wegen ein paar Euros“.

Nein, es gilt der Gauck-Spruch: „Es gehört zur Verantwortung mündiger Bürger, Pflichten und Gesetze zu akzeptieren.“ Und an alle Doppelmoralisten:  „Nehmt euch Uli Hoeneß als Negativ-Beispiel und schaut euch an, was passieren kann, wenn man im Glashaus sitzend anfängt mit Steinen zu schmeißen.“  Denn es gibt kein „gutes“ und kein „schlechtes illegales Handeln“, es ist eine Frage des Prinzips, nicht eine von der Höhe des Betrages. Trotzdem bin ich enttäuscht von Uli Hoeneß, weil ich ihn als ein Vorbild dafür gesehen habe, dass man ganz legal erfolgreich sein kann.

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Nach dem grandiosen Hinspiel-Sieg der Bayern am Dienstag mit 4:0 gegen Barcelona gilt nun folgendes:  „Die Bayern steht mit einem Fuß im Finale, ihr Präsident Uli Hoeneß mit einem Fuß im Gefängnis“.  Und nach dem ebenso grandiosen Sieg des BVB gestern über Madrid (4:1), dazu der Götze-Wechsel vom BVB zu den Bayern, reden nun alle vom innerdeutschen Champions-League-Finale am 25. Mai im Wembley-Stadion – und nicht mehr so viel über Hoeneß. Es mag ihm wohl sehr recht sein, in diesem Fall, wenn die eine Realität auf die andere Realität trifft ….

^.^

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9 Kommentare leave one →
  1. 25. April 2013 18:48

    Fußball- Hoeneß – Geld – …. kommentarlos.
    Manche bekommen nie genug oder Wein saufen und Wasser predigen … mochte ich noch nie. Gerade einen anderen Artikel gelesen – Rentenlücke wird um 2030 bei … ich darf nicht daran denken! Rente macht dann ca. 45% des Durchschnittseinkommens (von irgendwas) aus. Aber nur wenn durchgehende Erwerbsbiografien. Pech, wer genug Auszeiten nehmen durfte … Studium, Arbeitslosigkeit, Kinder usw. Vorteil – für die lohnen sich kaum Konten in der Schweiz 😉

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  2. 25. April 2013 19:31

    Hoeneß, neiiin, kein Kommentar. Wie lokielie sagt: „Wein saufen und Wasser predigen.“ Genau.
    Nach deinem Artikel sind wir eigentlich fast alle irgendwo Steuerhinterziehen – und damit kriminell? Ganz so sehe ich es nicht, obwohl wer etwas tut, was nicht legal ist, der kann sich strafbar machen. Das stimmt schon. Und irgendwo hat Gauck natürlich auch Recht.
    Egal. Wenn ich mal wieder einen Handwerker brauche weil der Abfluss verstopft ist, dann hole ich wieder den Nachbarn und gebe ihm 10 Euro. Auch wenn das Schwarzarbeit sein sollte. Mir egal #grins#
    Und die beiden letzten Fußballabende waren doch einfach nur toll. BVB gegen Bayern im Championsleaguefinale. Ich hätte nicht gedacht, daß ich das noch mal erlebe #lach#
    Liebe Grüße, was macht dein Sohn, ruf mal an

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  3. 26. April 2013 05:22

    „Die Großen fängt man – die Kleinen hängt man“..
    In unserem wunderschönen „Demokratie“, die schon seit längerem keine mehr ist sondern ein neu entstandener Feudalismus, indem die Reichen raffen und raffen – auf Kosten des Arbeitnehmers (nennen wir Ihn mal witzigerweise Bürger), sind ja auch die Strafen für die Herrscherklasse ganz anders. Vor Gott und dem Gericht sind alle Menschen gleich? Dank der Möglichkeit der Selbstanzeige und wenn man dann noch eine Person des öffentlichen Lebens ist – wird man den Knast nur von Außen sehen.
    Letztens noch einen Podcast „neues aus der Anstalt“ gesehen – ungefähr ab Minute 34: Eine Szene mit Pelzig – Thema Deutsche Bank und deren 1800 Tochterunternehmen – Es gibt kein Unternehmensstraf-Recht. Nur Bußgelder. Und Fazit: „Der Beschiss am kleinen Mann ist nie symbolisch, sondern immer ganz konkret“..
    Genau!
    Zahl mal keine GEZ dann wird sich der ganze Staatsapparat mit dir anlegen bis hin zum Gerichtsvollzieher, der die Gebühren eintreiben will. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder Bürger so denken würde – die breite Masse muss auf Spur gehalten werden….

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  4. Marie permalink
    21. Mai 2013 10:36

    alles wird gut

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