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Ukraine, Putin, Krim – und die allgemeinen Wirtschaftsinteressen

31. März 2014

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IKEA hat nicht nur in Lübeck neu gebaut, der größte Wachstumsmarkt für den multinationalen Einrichtungskonzern ist Russland. Wird trotz Sanktionen gegen Putin & Co. nicht nur für IKEA Russland ein wichtiger Wirtschaftsmarkt bleiben?

Die Berichterstattung in den letzten Wochen mag den Eindruck erwecken, dass mit dem gestürzten ukrainischen Präsidenten Janukowytsch ein Diktator aus dem Land gejagt wurde und nun die „Guten“ in Kiew regieren. Putin ist fortan ein „Brutalinski“, der sich völkerrechtswidrig die Krim einverleibt hat. Nicht nur unsere Regierung ruft nach Sanktionen! Die Russen müssen merken, dass das so nicht geht! Punkt.

Das so in Kurzform. Letztendlich ist es für mich aber nur das Ergebnis des medialen Tenors zu diesem Thema.

Ich habe dazu ein paar Fragen, mit einem Angebot an nachzulesenden Antworten *) Aber vielleicht ist das auch alles ganz anders zu sehen:

  1. Ist Janukowytsch demokratisch zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden, als er im Februar 2010 die Stichwahl gegen die Tymoschenko gewann? *1)
  2. Janukowytsch war den Russen zugewandt, Tymoschenko eher dem Westen, weshalb sie auch entsprechend hofiert wurde. Sagt man ihr heute nicht nach, sie „denkt radikal und nationalistisch“ und titelt ntv deshalb: „Wie wird die CDU Timoschenko wieder los?“? *2)
  3. Sitzen in der aktuellen ukrainischen Übergangsregierung nicht auch Faschisten und unterstützt Deutschland nicht deshalb auch die Falschen? *3)
  4. Sollten wir versuchen die Situation der Russen zu verstehen, so wie Altkanzler Helmut Schmidt „Putin in Schutz nimmt“, … *4)
  5. … oder tragen die „Putin-Versteher“ zur Eskalation der Krise bei, wie Joschka Fischer meint? *5)
  6. Ist ein Vergleich von Putin mit Hitler in Bezug auf die 1938 von Nazi-Deutschland teilweise annektierte Tschechoslowakei angebracht, so wie sich Wolfgang Schäuble geäußert hat? *6)
  7. Ist es in Ordnung, wenn die Wirtschaft weiter mit Russland handeln will, statt wirtschaftliche Sanktionen zu befürworten? *7)
  8. Wurde in unseren Medien tatsächlich immer ausgewogen und möglichst objektiv berichtet? *8)

Die Mehrheit von uns Deutschen sieht zumindest das mit den Sanktionen etwas anders als unsere Regierung und scheint auch ein gewisses Verständnis für Putin aufzubringen. *9)

Persönlich bin ich mit mir uneins. Einerseits gilt es aus der Geschichte seine Lehren zu ziehen, anderseits wurde und wird auch mit vielerlei Maß gemessen. Egal ob nun Russland, oder die USA, Europa – immer so, wie es gerade den eigenen Interessen zugute kommt. Und das ist für mich letztendlich die Frage, der alle anderen Fragen unterzuordnen sind: Wer hat welche Motivation was zu erreichen? Ich weiß es nicht. Aber die Zukunft wird es uns zeigen. Hoffentlich ohne Blutvergießen!

Dieser Artikel ist nach ausführlichen Diskussionen mit meinem Blog-Freund Peter entstanden. Was Peter zu dem Thema meint, könnt ihr hier lesen –> KLICK

Nr. 273 ^.^

11 Kommentare leave one →
  1. 31. März 2014 21:59

    Ja, wenn 2 das gleiche tun, ist es noch lange nicht das selbe.
    Hillary Clinton hatte Putin ja auch schon mit Hitler verglichen. Bei Schäuble sind das wohl schon Anzeichen von Altersstarsinn. Ich sehe das was Putin getan hat als grenzwertig, aber immer noch legitim an. Er hat seine militärischen Einrichtungen geschützt und die Bewohner der Krim, die zu über 90% prorussisch sind durch eine Volksabstimmung an Russland angeschlossen. Dadurch hat er Sie quasi unter den Schutz von Russland gestellt – Übergriffe der ukrainischen Neonazis dürften damit unterbunden werden, da man sich sicher nicht auf eine militärische Intervention mit Putin einlassen wird. Dass er damit auch seine Gasleitungen sichert ist natürlich erfreulicher Nebeneffekt.

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    • 1. April 2014 06:32

      Moin Peter,
      ja, eine durchaus zu teilende Sichtweise.
      Geschichtlich ist anzumerken, dass am 8. April 1783 die Krim formell von Katharina II. „von nun an und für alle Zeiten“ als russisch deklariert wurde. Erst nachdem der Ukrainer Nikita Chruschtschow sowjetischer Parteichef geworden war, wurde die Krim 1954 an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angegliedert. Das haben die Russen seitdem als Fehler bezeichnet und Wladimir Putin hat den jetzt korrigiert. Und Fakt ist, dass auf der Krim immer noch rund 60% Russen leben. Und die wollten nun zurück …. Kann man das unter den gegebenen Umständen verdenken?

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      • 1. April 2014 07:08

        kannste wieder nicht schlafen.. ^^
        Ja, ich hätte auch bedenken, wenn ich auf der Krim leben würde – bei den Leuten die in der Ukraine momentan an der Macht sind.
        Der Vergleich mit Hitler hinkt ja auch dergestalt, dass bei dem von vornherein die Absicht bestand einen Eroberungsfeldzug zu machen. Das kann man Putin nun wirklich nicht unterstellen.
        Das Geschrei ist doch nur deshalb groß, weil das schöne Erdgas jetzt in den Händen Russlands ist.
        Wie hat es Egon Bahr im Jahre 1996 auf den Punkt gebracht?
        „Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl waren alle Bundeskanzler inoffizielle Mitarbeiter des CIA.“
        und eines seiner neuesten Zitate aus 2013:
        „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ ^^
        So und jetzt mach ich mir erst mal ’nen Kaffee..

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  2. 6. April 2014 21:02

    Ich glaube folgendes:
    Putin konnte und wollte auf die Krim nicht verzichten, also hat er getan, was er für richtig hielt, die Krim wieder Russland angegliedert.
    Der Westen konnte und wollte das so nicht hinnehmen, also hat er mit dem Säbel gerasselt und halbherzig Sanktionen verhängt.
    Die Wirtschaft kann und will auf ihre Geschäfte nicht verzichten, also werden weiter welche gemacht.
    Das war es. Mehr wird nicht passieren. Außer, daß in den neuen Atlanten mit der Krim eine neue Fläche gestrichelt dargestellt wird.

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    • 7. April 2014 13:03

      ich hoffe Du hast Recht. Fände ich echt doof, wenn meine ganzen schicken Luxus-Anschaffungen durch so eine blöde zufällig auf den Pott runter knallende A-Bombe verstrahlt würden. Da schmeckt doch der Kaffee nicht mehr, manno.. ^^

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      • 7. April 2014 20:35

        Moin,
        auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass in der Ukraine nichts mehr „passiert“, den Worst Case vermag ich mir aber auch nicht vorzustellen. Und Peter, wenn bei dir der Kaffee nicht mehr schmeckt, dann bei Putin & Co auch der Kaviar nicht. Und das wollen die auch nicht. Glaube ich. Hoffe ich. ^^

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