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„Wir berichten, bevor wir recherchieren!“

17. Mai 2014

Postillion-Logo-575

“Wir berichten, bevor wir recherchieren”  ist das Motto von „Postillon“-Gründer Stefan Sichermann. “Der Postillon macht reine Nachrichtensatire. Dadurch fallen einerseits viele klassische Werkzeuge der Satire vom Cartoon bis hin zur Schmähschrift weg, andererseits eröffnet das auch viele neue Möglichkeiten der subtilen Kritik beziehungsweise des sinnentleerten Blödsinns.”  (aus NDR-Interview)

Seit drei Wochen gibt es die “Postillion24-Nachrichten” auch im Fernsehen, jeweils samstags um 00:00 Uhr im NDR. Mitternacht? Genau! Prime Time für Satirefans 😉 Man kann am Samstag ja ausschlafen. Nicht? Dann hilft u. a. YouTube (Bilder sind verlinkt):

Postillion24-575

Aktuell; eine Eilmeldung von gestern:

Aus Angst vor Verwechslung: N24 geht juristisch gegen Postillon24 vor

Wer, wie, was ist N24 überhaupt?

Ich finde den Postillion / Postillion24 gut und kann nur eine Empfehlung aussprechen. Oft genug habe ich allerdings das Gefühl, dass auch auf angeblich seriösen Seiten erst berichtet, und dann vielleicht auch noch mal recherchiert wird. Und dass ist dann nicht nur unseriöser Journalismus, sondern Dummheit, Fehltritte als „vierten Gewalt im Staate“ – und keine Satire.

Nr. 280 ^.^

5 Kommentare leave one →
  1. 17. Mai 2014 11:49

    Moin moin Svenni..
    ja, wenn die 4.te Gewalt Ihre Arbeit nicht richtig macht, haben die andern 3 Gewalten leichtes Spiel..:-(

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    • 18. Mai 2014 17:36

      Hallo Peter,
      ja, stimmt, aber manchmal fehlt mir die Sachlichkeit. Oder, oder, oder! Das ist noch mal so ein Thema für sich. Nebenbei bin ich da schon ein bisschen am Sammeln. Stichwort: bayerische Justiz.
      Mal sehen, ob aus dem Artikel was wird, der läuft ja nicht weg.
      Heute hat es hier am Nachmittag wieder angefangen zu regnen, deshalb sitz ich auch am PC – und will erst einmal „aufarbeiten“ 😉
      Bis demnächst!

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      • 18. Mai 2014 20:15

        Na, Du bist aber fleissig am „aufarbeiten“ – danke für die zahlreichen und langen Kommentare bei mir.
        Bei Regen ist Blogsurfen eine gute Alternative zum realen „Wasserbretttreten“. Da bin ich mal gespannt, was Du da wieder ausgräbst. Ach, da hat die Schweiz heute gegen den Mindestlohn gestimmt. 18,00 € wären zu hoch. Da möchte man Arbeitnehmer in der Schweiz sein…

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  2. 19. Mai 2014 09:23

    dazu heute bei g+ gefunden – eine Statement der Tagesschau:
    Es gibt kaum ein Thema, zu dem wir so viel Feedback bekommen haben, wie zur Lage in der Ukraine. Dabei gibt es viele kritische Anmerkungen zu unserer Berichterstattung, die manchem Nutzer zu kritisch gegenüber der Position Russlands erscheint. Ich möchte gar nicht spekulieren, ob es sich dabei um eine Kampagne handelt und wer potenzielle Initiatoren sein könnten. Die Kritik ist da und wir setzten uns mit ihr auseinander.

    Lassen Sie mich drei allgemeine Bemerkungen vorwegschicken.

    1. Ich ziehe den Hut vor den Korrespondentinnen und Korrespondenten, die in dieser revolutionären Situation versucht haben, ein klaren journalistischen Kurs zu halten in einer Zeit, in der es kaum gesicherte Erkenntnisse und keine unabhängigen Quellen gab. Und das unter äußerst schwierigen Bedingungen wie persönlicher Bedrohung, Schlafmangel und Kälte.

    2. Alle beteiligten Konfliktparteien haben die ganz große Propagandamaschine angeworfen, haben für sie nützliche Informationen gestreut, manchmal die Fakten verbogen, ignoriert oder verdreht. Die offenkundigen Fälle versuchen wir zu transparent zu machen.

    3. Sowohl die EU und die NATO als auch Russland haben an einigen Stellen Recht. Russland fühlt sich verschaukelt, weil die NATO in den letzten 20 Jahren entgegen aller früheren Zusagen ein Land nach dem anderen arrondiert hat und den Russen immer näher auf die Pelle gerückt ist. Und beim Versuch der EU auch noch die Ukraine einzugemeinden werden die Russen sogar als Aggressor dargestellt. EU und NATO verweisen hingegen darauf, dass sich all die Staaten in Osteuropa freiwillig und ohne jeden Druck dem westlichen Bündnis angeschlossen haben. Diese Chance solle man auch einer souveränen Ukraine einräumen. Kein einziges Land habe bislang diese Entscheidung bereut bzw. das Bündnis wieder verlassen.

    In der ersten Phase – nennen wir sie die Schlacht um den Maidan in Kiew – haben wir uns nicht auf eine Seite geschlagen, aber sehr stark die damalige Opposition in den Blick genommen und deren Perspektive beleuchtet. Das halte ich journalistisch für vertretbar, so wie wir in jedem anderen Land eine Protestbewegung in den Blick nehmen, auch wenn sie sich gegen eine demokratisch gewählte Regierung wendet. Übrigens war die Regierung Janukowitsch unstreitig demokratisch legitimiert. Es kommt darauf an, dass wir Journalisten eine inhaltliche Distanz zu den Konfliktparteien wahren und uns nicht von Affekten leiten lassen, auch nicht wenn einen das Mitleid mit Demonstranten packt, die von der Polizei zusammengeknüppelt werden. Dass wir solchen Einsätze dann zeigen, ist für mich keine Frage von Parteilichkeit, sondern schlicht und ergreifend unsere Aufgabe. Zugleich ist es ein Gebot journalistischer Sorgfalt, dass wir recherchieren, wer auf dem Maidan auf wen geschossen hat und ggf. sagen, dass es nicht klar ist, wer es war.

    Die zweite Phase betrifft vor allem die Ereignisse auf der Krim, die dann zum Anschluss an Russland geführt haben. Hier haben wir kritisch über die Besetzungen durch uniformierte Kräfte unbekannter Herkunft berichtet. Auch diesen Focus halte ich für gerechtfertigt. Denn die Verschiebung von Grenzen und die Loslösung eines Landesteils ohne Zustimmung der Regierung eines Staates bedeuten eindeutig einen Bruch des Völkerrechts und sind insofern eine Abweichung von der Norm, die eindeutig Nachrichtenwert hat. Mag sein, dass man diese Sichtweise zu legalistisch findet, aber sie ist journalistisch begründbar und bedeutet keine automatische Parteinahme gegen Russland. Eine völlig andere Frage ist, inwieweit die Kiewer Übergangsregierung zu dieser Zeit in dieser Region überhaupt noch als legitime Regierung anzusehen war. Deshalb war es wichtig, dass wir stets auch die prorussische Stimmung auf der Krim wiedergespiegelt haben.

    Viele Diskussionen hat es zu dieser Zeit über die Militärbeobachter gegeben und die Frage, ob sie nun ein OSZE-Mandat hatten oder nicht. Man kann die Frage bejahen und verneinen – beides mit guten Gründen. Mir ist klar, dass es keine offizielle OSZE-Mission war, aber es war ein Einsatz von Militärbeobachtern auf der Basis des Wiener Dokuments, das von allen OSZE-Staaten gemeinsam beschlossen wurde. Wir haben sie deshalb OSZE-Militärbeobachter genannt. Aber auch daraus lässt sich meines Erachtens keine Parteinahme ableiten.

    Die dritte Phase dauert noch an: die Entscheidung darüber, welchen Status die Ostukraine künftig haben wird. Spätestens hier hat sich bei vielen Beobachtern eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen. Aus den einstmals bösen Armee-Schlägern vom Maidan sind nun die legitimen Truppen geworden, die die Ostukraine vor dem Zugriff durch prorussische Separatisten und möglicherweise russischem Militär schützen wollen. Da kommen einige Kollegen argumentativ ganz schön in die Bredouille. Denn während sich das Militär vorher noch auf den Befehl der demokratisch gewählten Regierung Janukowitsch berufen konnte, steht hinter dem Einsatz der ukrainischem Armee nun eine Übergangsregierung mit fragwürdiger Legitimation und sehr fragwürdigen Regierungsmitgliedern. Wir haben nämlich nicht verschwiegen, dass in der Übergangsregierung rechtsextreme Kräfte sitzen. Aber wir haben deshalb nie das völlig überzogene Urteil von der „faschistischen“ Regierung übernommen, dass in der Ostukraine gerne kolportiert wird. Überhaupt haben wir stets versucht, auch bei der Sprache nicht die eine oder andere Position unreflektiert zu übernehmen. Das gilt etwa für die Bezeichnung „Antiterroreinsatz“ für den Einsatz der Armee gegen die Separatisten in der Ostukraine, die sich durchaus auf einen nennenswerten Rückhalt in der Bevölkerung stützen können.

    Mag sein, dass wir nicht in jedem Beitrag den journalistisch optimalen Weg getroffen haben. Aber unter den geschilderten Bedingungen mache ich den Korrespondentinnen und Korrespondenten überhaupt keinen Vorwurf. Entscheidend ist für mich, dass die Gesamtleistung stimmt. Wenn man also den Strich unter die zahllosen Berichte von Tagesschau und Tagesthemen über Monate hinweg zieht, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass wir uns um größtmögliche Unvoreingenommenheit und Unabhängigkeit bemüht haben. Wahrscheinlich werden das viele Nutzer bzw. Zuschauer anders sehen. Das wird für uns Anlass sein, unsere Berichterstattung immer wieder kritisch zu prüfen. Insofern machen auch kritische Reaktionen einen wichtigen Teil unserer Qualitätssicherung aus.

    -schreibt tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke

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    • 20. Mai 2014 08:54

      Moin Peter,
      danke für den Text.
      Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenagenturen gehören für mich zu den wenigen, denen ich eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung unterstelle. Persönlich zuerst die ARD mit der Tagesschau / den Tagesthemen.
      Interessant finde ich, dass in den Statement von Kai Gniffke der Begriff „Annexion“ in Bezug auf die Krim-Krise nicht (mehr) verwendet wird, siehe dazu mein Kommentar (die Antwort auf deinen Kommentar) vom 17.04.2014 in https://sven2204.wordpress.com/2014/04/17/frhliche-ostern-viel-sonne/
      Bis denne ….

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