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Dahoam is ned dahoam

8. September 2014

Manchmal sind es Zufälle, die bei mir aus einer Idee eine Geschichte werden lassen. So als wenn man die fehlenden Puzzleteile gefunden hat – vorzugsweise im Café irgendwo am Wasser, Cafe-140906-NiH-b600 oder wie dieses Pärchen Samstag auf der Bank am Strand, Mittagssonne inklusive: Strand NiH 140906 -b600 Als ich vor Monaten im Harz einige alte leerstehende Häuser fotografiert habe, erntete ich einen fragenden Blick. “Ich habe da so eine Idee, mal sehen ….” Die Fotos landeten in meinem Archiv und die Idee im Hinterkopf. Dönerhaus-140429-b600

Döner noch für DM – wie lange ist das her? Das findet man im Harz, das Schild, nicht den Döner.

Vor zwei Monaten kam eine Meldung des NDR dazu, dass es in Schleswig-Holstein immer weniger Sozialwohnungen gibt. Und neulich habe ich, purer Zufall, wieder das Ringsgwandel-Lied “Dahoam ist ned dahoam”  gehört (KLICK).  Gedanklich fertig war die Geschichte heute, als uns eine Bekannte erzählte, dass sie hier wegzieht, weil sie nach ihrer Frühverrentung (mit 60) keine bezahlbare Wohnung mehr (in Neustadt iH) findet. Bums! Dahoam --- YouTube-b500 Es ist doch schizophren. Irgendwie. Da haben wir einerseits sterbende Regionen in unserer Republik, anderseits zu wenig Wohnraum, jedenfalls bezahlbaren Wohnraum.

Warum? Angesichts solcher Bilder im Harz kann ich gut verstehen, dass man dort nicht unbedingt wohnen oder Urlaub machen möchte, dass junge Leute weg ziehen, auch der Arbeit wegen. Pizzeria-140429-b600 Wenn wir im Harz nicht Zugriff auf eine “familiäre” Ferienwohnung hätten, würden wir uns sicher auch nach anderen Zielen umsehen. Für viele mag beispielsweise hier die Küste ein solches Ziel sein. Jedenfalls müssen wir nicht wie die Harzer sinkende Touri-Zahlen und einen Niedergang der heimischen Wirtschaft beklagen. Im Gegenteil. Hier wird gebaut und der Ferienwohnungsmarkt boomt. “Steingeld” habe ich gehört: Geld anlegen bringt nichts, Aktien usw. sind zu spekulativ, also werden (Ferien)-Wohnungen als (vermeintlich) wertstabile Anlage gekauft. Das verleitet: hier bei mir in der Straße ist in diesem Jahr ein schöner älterer Bungalow mit Einliegerwohnung abgerissen worden – und nun steht dort, in exponierter Lage, 300 Meter bis zum Strand, ein hässlicher Klotz mit zwölf Ferienwohnungen. Muss sich wohl rechnen …, bis die Blase mal platzt. Wenn ich sehe, was hier mittlerweile für einen Quadratmeter Wohnraum beim Kauf bezahlt wird, dann wird mir schwindelig. Entsprechend ist die Mietentwicklung. Und wenn mein Vermieter hier in meiner “neuen Heimat” mal mehr Miete für meine Wohnung verlangen sollte, als meine Mieter mir für mein Haus in meiner “alten Heimat” zahlen, dann will ich sicher auch nicht mehr. Der Quadratmeterpreis ist jetzt schon doppelt so hoch. Wie gesagt, schizophren. Strand Schbtz 140903 -b600 Nun mag ein Technokrat sagen, dass die, wie unsere Bekannte, dahin ziehen sollen, wo es genügend billigen Wohnraum gibt. Vielleicht würde dann noch Kants Kategorischer Imperativ in der Form bemüht, dass solche Umzüge zum gesetzmäßigen Handeln werden könnten. Damit wäre allen geholfen. Aber dann frage ich euch: Wer möchte auf solche Bilder verzichten, wenn er sich zig Jahre daran erfreuen konnte? Dahoam is ned dahoam!  Dahoam – Zuhause, ist dort, wo ich mich wohl fühle!  – und das ist auch für Menschen mit schmaler Rente oder mit ALG II (Hartz IV) nicht zwingend dort, wo sie sich eine Wohnung leisten können. Ich weiß, es gibt auch noch diejenigen unter uns, die dort wohnen müssen, wo sie Arbeit haben – und es sich kaum leisten können. Noch so ein Thema ….

Nr. 299 ^.^

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6 Kommentare leave one →
  1. 9. September 2014 01:58

    Traurig – so etwas sorgt für Ghettoisierung. Bezahlbarer Wohnraum? Neben meinem Freund (der in einem noblen Geldadel Vorort wohnt) ist grade das vor wenigen Montane fertig gestellte Haus eines Dortmunder C-Promis in Immobile.de aufgetaucht. Ein paar Tausend Quadratmeter Grundstück – Swimming-Pool, Der Bau soll wohl so um die 3 Millionen gekostet haben. Mietpreis jetzt: 11.000,00 € jeden Monat. Damit ist die Klientel klar. Hartz IV Empfänger sind außen vor!
    Natürlich kann sich niemand so eine Miete leisten, aber rechnet man die 3 Millionen mal auf 30 Jahre Finanzierung runter, ist das sogar realistisch.
    Verrückt oder? ^^

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    • 9. September 2014 09:11

      Moin Peter.
      Ja, so isses.
      Solche Paläste, wie von dir beschrieben, haben wir hier auch. Denen sieht man die siebenstelligen Baukosten sofort an. Schön, wer es sich leisten kann.
      Diese Leute kennen wohl kaum das WoGG. Aber viele, die es hier kennen, wissen, dass sie es nicht kennen müssen: ich meine die Diskrepanz zwischen den Höchstbeträgen nach dem Gesetz und den realen Mieten. Für Scharbeutz, Mietstufe 4, Singlehaushalt, werden z. B. 358 € max. angerechnet, dafür kriegst du hier aber keine Wohnung – höchstens 1 Zimmer mit Kochnische und Dusche im Flur. Also musst du die Differenz selbst aufbringen – und wenn du das wegen deines geringen Einkommens nicht kannst, weil du z. B. arbeitslos geworden bist, als Älterer keine Arbeit mehr findest, oder aufgrund einer Gesundheitsschädigung erwerbsunfähig geworden bist und in Frührente gehen musst, dann bleibt dir nur wegzuziehen.
      Fairerweise muss ich sagen, dass es hier auch Sozialwohnungen gibt. Aber das Angebot ist gering und die Nachfrage groß. Die Chance solch eine Wohnung zu ergattern ist gering.
      Manchmal spielt sich vor meinem geistigen Auge folgendes Szenario ab:
      – Die Blase platzt. Bei all den vielen heute vergebenen Krediten steigt die Inflation schneller als gewollt und damit die Zinsen.
      – Das Geld wird weniger, Urlauber schauen auf die Preise.
      – Leute, die eine Ferienwohnung gekauft haben, können die Kredite nicht mehr bedienen. Es folgen Notverkäufe.
      – Das Angebot an solchen Wohnungen wird größer als die Nachfrage. die Preise sinken, na ja, normalisieren sich.
      – Irgendwann sagt dann vielleicht auch hier der Besitzer einer Ferienwohnung, wie es mit der von uns genutzten Harzer Ferienwohnung (s. o. Artikel) sein soll: „Der Wert der Immobilie hat sich halbiert.“
      – Ja dann, und nur dann, wird hier Wohnraum wieder bezahlbar und ist nicht nur einer gewissen Klientel vorbehalten.
      Amen!

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  2. 9. September 2014 17:40

    Ich hoffe und warte sehr darauf, dass es endlich zum Platzen der Immobilienblase kommt. Scho allein die demografische Entwiklung zeigt doch, dass Betongold auf sehr wakligen Füßen steht und die möchte ich nicht gerade als Altersvorsorge haben.
    Auch hier wird extrem gern mit Grundbesitz spekuliert. Und wenn ich dann noch lese, dass eine Stiftung mit im Namen enthaltener „Wohlfahrt“ sich nennende Gesellschaft hier am See ein Haus baut – unten Geschäftsräume und darüber gehobene Luxuswohnungen. Da kommt mir der kalte Kaffee hoch.

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    • 11. September 2014 09:57

      Moin Jürgen,
      es verwundert mich schon lange, wie Banken, Versicherungen, Verbände, oder Vereine (z. B. wie der ADAC) sich teilweise Paläste hinsetzen, als wenn sich herrschende Vorstände Denkmäler bauen wollten. Natürlich immer in exponierten Lagen. Oder die Kirche …, zum Teil, wie in Limburg.
      Damit ist das Problem natürlich nicht gelöst, bezahlbarer, sozialer Wohnungsbau sieht anders aus. Natürlich gibt es immer wieder Forderungen an die Politik, oder aus der Politik, die scheinen aber nicht bis ganz nach oben durchzudringen.
      Wenn ich dann höre, was meine Ex und ihr LG in Hamburg an Miete bezahlen, dann … kann ich nur den Kopf schütteln und weiß, dass ich mir dort keine Wohnung leisten könnte. Oder wollte, weil man möchte natürlich auch noch ein bisschen für die schönen Dinge des Lebens übrig haben. Und, wie du schon sagtest, bei der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum eher größer werden. Oder die Leute mit geringem Einkommen ziehen doch auf das Land, was aber auch nicht so toll ist, weil es dort vielerorts an der nötigen Infrastruktur, Landärzten, örtlichen Einkaufsmöglichkeiten, usw. usw. mangelt. Wer auf dem Land lebt, muss doch heutzutage mobil sein. Aber das sind doch Leute mit geringem Einkommen weniger, oft schlichtweg, weil sie sich kein eigenes Auto leisten können.
      Verzwickt alles!
      Viele Grüße von der See an den See!

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  3. Harry permalink
    9. September 2014 19:46

    Ich habe das Problem ganz einfach gelöst ,das Zauberwort Auswandern !

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    • 11. September 2014 10:03

      Moin Harry,
      du alter „Brasilien-Rentner“ 😉
      Schön dass du dich auch mal wieder meldest.
      Auswandern, ja, den Tipp habe ich von meinem Rheumatologen auch schon gekriegt, irgendwohin wo es immer warm ist, ein trockenes Klima herrscht – meine maroden Gelenke würden es mir danken.
      Aber …. Allein wegen meines behinderten Sohnes hätte ich dann keine Ruhe – also kein Thema für mich.
      Und die drei aus meinem Bekanntenkreis, die nach Südspanien ausgewandert sind, sind mittlerweile aller wieder „back to the roots“, zurück in Deutschland.
      Na ja, alles wird gut 😉
      Viele Grüße von der heute grauen Ostsee nach Brasilien.

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