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Ich habe Rücken – oder warum der Privatpatient dem Kassenpatient sein Freund ist

15. September 2014

Dr med Hammer b3-600

Ich gebe zu, den zweiten Teil meiner Überschrift habe ich mir bei Bastian Sick entliehen. Für den ersten Teil würde ich sicherlich von allen sprachpflegerischen Sicks sofort Kritik ernten: da fehlt der unbestimmte Artikel.

Klugscheißer.

Natürlich habe ich einen Rücken. Den hat jeder. Aber meiner ist mein Problem. Nicht meine Grammatik, obwohl die nie meine Stärke war. Mein Rücken auch nicht – und deshalb schmerzt er nun wieder. Und das ganz bestimmt, nicht unbestimmt. So!

Wie für unsere Sprache gibt es auch Spezialisten für, oder besser gegen (?), Erkrankungen.

Fachärzte.

Guten Tag. Ich habe Rücken…schmerzen und benötige einen Termin beim Doktor.”

Oh, ja ….”  Allein der gefühlslose Blick der weißbekittelten Arzthelferin hinter dem Tresen ließ mich nichts Gutes ahnen. Mit jedem Umblättern der Kalenderseiten wurde aus einer nicht guten schnell eine böse Vorahnung.

“Am 30. Oktober, elf Uhr. Haben sie ihre Krankenkassenkarte dabei?”  klang es bestimmend von der Tresenhinterseite, Diskussion nicht zugelassen. Aber nicht mit Sven Meier, so schnell nicht:

Öh, das ist in über sechs Wochen, ich habe doch jetzt …Schmerzen.”  Selbst eine meinen Widerspruch verstärkende Mimik verlor sich in der Weite des Raumes. Zwecklos.

“Die Karte bitte!”

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“Oh, sie sind privat versichert? Das stand ihnen ja nicht auf der Stirn geschrieben. Hätten sie doch was gesagt, dann hätte ich gleich im anderen Kalender nachgeschaut. Moment. Passt es übermorgen? Zehn oder elf Uhr?”

Anmerkung: Namen, Daten und Körperteile sind frei gewählt und sollten sie mit einer wahren Begebenheit übereinstimmen, so wäre das rein zufällig.

Ich habe meinen Termin beim Facharzt. Beim Verlassen der Praxis überkommt mich wieder das mulmige Gefühl, … Zweiklassengesellschaft, und wo beim Arzt die Gerechtigkeit bleibt?

Dabei fällt mir wieder ein Gespräch mit meinem “alten” Arzt in meiner alten Heimat ein. Ich gebe sein Statement sinngemäß wieder:  “Ich könnte meine Praxis mit zwei Ärzten und soundsoviel Arzthelferinnen nicht allein von dem führen, was ich von den Kassen für die Behandlung von Kassenpatienten erhalte. Das funktioniert nur mit den Privatpatienten. Davon profitieren wiederum die Kassenpatienten, weil wir so modernes medizinisches Equipment vorhalten, dadurch Diagnosen im Zweifelsfall besser stellen, Anfragen schneller bearbeiten und Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen geben können.”  Das heißt nichts anderes, als dass der Privat- den Kassenpatienten subventioniert. Na ja, finanziell unterstützt. Oder wie? Der Privatpatient ist der Freund aller Kassenpatienten? Ach so.

Eine Frage noch: “Wie hoch ist das Niveau, auf dem wir klagen?”  Sicher, klagen darf man, es gibt vieles, was es zu verbessern gilt. Darüber wurde auch viel vorschlagend geschrieben, hier ein Artikel auf n-tv  –> KLICK.

Eine andere Geschichte, ich sag’ mal … “Glück im Unglück”

Als bei meiner Freundin im Februar plötzlich die Diagnose “Brustkrebs” im Raum stand, hätte sie erst vier Wochen später einen Termin zur Mammographie in der landeseigenen Uniklinik gehabt, in der benachbarten privatgesellschaftlich geführten Klinik aber binnen einer Woche. Diese Wahlmöglichkeit war ihr Glück im Unglück. Durch die frühzeitige Diagnose konnte mit der Behandlung ihres schnellwachsenden Tumors gerade noch so rechtzeitig begonnen werden, dass die Chemo primär möglich war und in der nächsten Woche nur noch der Resttumor in einem wesentlich kleineren Eingriff entfernt werden muss. Diese Wahlmöglichkeit (für Kassenpatienten) gibt es nicht überall, selbst nicht in unserem reichen Europa. Die Zeit ist dem Krebs sein Tod.

Niemals aufgeben

Nr. 301 (WP 241) ^.^

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8 Kommentare leave one →
  1. 15. September 2014 23:10

    Das ist schon ziemlich schlimm und selber bin ich auch nicht privat versichert, aber heute beim Orthopäden habe ich über eine Stunde warten müssen, das fand ich schon recht ärgerlich, da ich schon lange einen Termin hatte.
    Seine Spritzen,die ich vor drei Wochen bekam…korrekt unter MRT gesetzt, waren wirkungslos. „Rücken“ blieb und da ich nun schon alle Untersuchungen durchhatte, nach den Spritzen ohnmächtig wurde und er heute nicht mehr viel finden konnte, gab es eine Überweisung für 6x KGG. Spritzen mußte ich selber zahlen und ob mir die Gerätegymastik guttut, das werde ich sehen, halte es aber für eine gute Alternative.

    LG Mathilda

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    • 15. September 2014 23:40

      Hallo Mathilda,
      Gerätegymnastik? Du kannst ja mal berichten.
      Völlig unabhängig von meinem Artikel und dem „frei gewählten Körperteil“ 😉
      habe ich gute Erfahrung mit „Manueller Therapie“ gemacht.
      Ich hatte Glück! Die Therapeutin in meiner „alten Heimat“ wurde mir in den 90ern von meinem Arzt empfohlen, die war gut, hat irgendwie „osteopathisch mit was dabei“ behandelt und hat mich nach kurzer Zeit erst einmal zum Rheumatologen geschickt. Diagnose: Morbus Bechterew. Danach hat sie ihre Behandlung abgestimmt und mir so manches mal helfen können.
      Hier in meiner „neuen Heimat“ hat mir ein Freund, auch Arzt, eine Therapeutin empfohlen, die auch, ich sag‘ mal … ein bisschen „unkonventionell“ behandelt, und das bekommt mir auch gut – jedenfalls besser als die klassische KG.
      Wir sind halt in einem „knackigen Alter“: es knackt hier, es knackt dort 😉
      Viele Grüße und gute Besserung,
      ich wünsche dir, dass die Therapie hilft!

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  2. 16. September 2014 00:54

    Hatte ich vor ein paar Wochen. Mein Augenlicht wird immer schlechter. Nach 1-2 Stunden am PC sehe ich nur noch verschwommen. Besuch bei der „Hombrucher Augenklinik“ (dessen Ärztin für mich absolut unqualifiziert ist, weil Sie selbst beim 3. Besuch nicht in der Lage war meine Sehschärfe für eine Brille zu messe, mir aber vorher bei 2 Besuchen Leistungen aus den Rippen geleiert hatte, die überflüssig waren und von mir selbst bezahlt werden mussten), weil ich nicht bis in die City wollte. Ergebnis Termin in über 2 Monaten. Mein Einwand dass es nicht für die Bestimmung der Sehstärke für eine Brille geht, sondern um akute Sehstörungen wurde von der Dame an der Rezeption auch nur mit einem lapidaren. „Jaja“ abgetan.
    In Negerkralen wird man besser ärztlich versorgt und kommt sofort dran, wenn man ein lebendiges Huhn mitbringt – vielleicht sollte ich das das nächste Mal versuchen.

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    • 19. September 2014 21:23

      Hallo Peter,
      habe dir gerade „geappt“, so nennt man das heute wohl, statt simsen, das war mal 😉
      Der Rest … Montag … am Telefon!
      Viele Grüße

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  3. 16. September 2014 17:08

    Ein unendliches Thema! Privatpatient – schnell an der Reihe, aber auch Geldbeutel schnell geleert. Abrechnung sehr schnell, da Patient der Ansprechpartner. Kassenpatient – viel Büroarbeit, sehr viele Vorgaben seitens der Kassen, wenig Ausbeute.
    Kassenpatient – teilweise sicherer, weil die Kasse die abzurechnenden Posten/ Maßnahmen im Auge behält (behalten sollte). Privatpatient – man kann noch einiges mehr aus ihm herausholen, denn er weiß ja nicht, was ich tue (etwas abgewandeltes Zitat) 😉
    Aber wo ich absolut mitgehe – beide Patientenseiten sind Menschen und haben Probleme. Diesen Problemen muß man sich widmen und nicht dem Geldbeutel. Siehe dein Beispiel zur Krebsbehandlung.
    Bei mir gibt es weder Vor- noch Nachteile für Kassen- oder Privatpatienten. Nicht mal den Maximalsatz (wie es bei Ärzten grundsätzlich zu laufen scheint) bei der Berechnung. Ich kann damit leben und spare immer noch auf die erste Million 😀 Und das wichtigste, bisher ist mein Beschwerdebuch leer gebieben. 😀
    Vielleicht kann man Ärzte auch ab und an an ihren Eid erinnern … da kommt nichts mit „widme dich vorrangig dem, der das meiste bieten kann“ vor.

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    • 19. September 2014 21:43

      Hallo Jürgen,
      na klar, du hast so deine eigenen Erfahrungen zu dem Thema, hast ja täglich damit zu tun.
      Hier gibt es sogar Praxen, die behandeln nur Privatpatienten – das zum Thema: “widme dich vorrangig dem, der das meiste bieten kann” 😦
      Viele Grüße!

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  4. 16. September 2014 17:33

    KG ist auch nicht immer gut und die Gerätegymnastik soll die Muskulatur stärken. Dauert 1 Stunde, den ersten Termin habe ich schon, werde dann berichten, wie es war 🙂

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    • 19. September 2014 21:44

      Na da bin ich mal gespannt – sonst empfehle ich dir mal meine Therapeutin, die mit den „goldenen Händen“ 😉

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