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Lübeck ist traurig … (Teil I)

13. April 2015

Sonnenaufgang_20150411_b900

Sonnenaufgang über der Lübecker Bucht. Das war am Samstag gg. halb sieben. Friedvoll, nichts Böses ahnend. Und heute ist Lübeck so häufig wie kaum eine andere deutsche Stadt in den Nachrichten genannt worden.

Das hat drei Gründe:

Günter Grass -2010-Copyright- Das blaue Sofa - Club Bertelsmann -bGünter Grass ist heute in Lübeck im Alter von 87 Jahren verstorben.

Ich verbinde Grass mit seinem Roman “Die Blechtrommel”, für den er 1999 den Literatur-Nobelpreis erhielt, und die Oscar-gekrönte Verfilmung des Buchs durch Volker Schlöndorff. Unvergessen für mich der kleine Oskar, gespielt von David Bennet.

Aber genau so verbinde ich Grass mit seinen Ansichten als “demokratischer Altlinker”  und als Unterstützer für Willy Brandt. Das alles hat ihm nicht nur Beifall beschert. Und weil er wohl immer sagte, was gesagt werden musste, sagte er bei seiner Nobel-Vorlesung in Stockholm: „Was aus Liebe dem eigenen Land zugemutet ward, wurde als Nestbeschmutzung gelesen. Seitdem gelte ich als umstritten.“  Grass eben, genau so wie sein israel-kritisches Gedicht vor fast genau drei Jahren, das ihm wiederum viel Kritik einbrachte, der er im NDR so begegnete: „Es ist mir aufgefallen, dass in einem demokratischen Land, in dem Pressefreiheit herrscht, eine gewisse Gleichschaltung der Meinung im Vordergrund steht und eine Weigerung, auf den Inhalt, die Fragestellungen, die ich hier anführe, überhaupt einzugehen.“  Oh ja – blicken wir nur mal die letzten drei Jahre zurück – das gilt nicht nur für Grass sein Gedicht “Was gesagt werden muss”  (SZ v. 10. April 2012)

Auf der Internetseite des Lübecker Grass-Hauses war heute dieses kurze Grass-Gedicht zu lesen:

Wegzehrung

Mit einem Sack Nüsse

will ich begraben sein

und mit neuesten Zähnen.

Wenn es dann kracht,

wo ich liege,

kann vermutet werden:

Er ist das,

immer noch er.

Aus: „Fundsachen für Nichtleser“, 1997

Ich sag’ mal … “typisch Grass – und sicher ganz in seinem Sinne. Wer in Lübeck mal das Günter Grass – oder das Willy Brandt – Haus besuchen möchte, die Namen sind damit verlinkt.

Weiter mit  Lübeck ist traurig … (Teil II)

Quelle Grass-Foto: Bertelsmann – das blaue Sofa (2010) – bearbeitet von Sven Meier

Nr. 333 ^.^

7 Kommentare leave one →
  1. 13. April 2015 21:35

    Ich schau gerade die Blechtrommel !!

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    • 14. April 2015 16:09

      Moin Tilda, hattest du den Film noch nicht gesehen?
      Ich habe den Film vor über 30 Jahren im Kino gesehen und heute noch sind einige Sequenzen so was von in meinem Kopf, wie von kaum einem anderen Film. Die Blechtrommel, für mich ein Stück Filmgeschichte und den Oscar hat der Film damals zu Recht bekommen – meine Meinung.
      Viele Grüße!

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  2. 13. April 2015 22:31

    eine wilde, eigenwillige, starke stimme ist verstummt!

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    • 14. April 2015 16:12

      Stimmt. Ich war zwar nicht immer seiner Meinung – aber GG hatte ein Meinung. Das unterschied den „Querkopf“ von vielen anderen ….

      Gefällt 1 Person

  3. Albert permalink
    14. April 2015 08:06

    Ich zitiere unseren Bundestagspräsidenten Lammert, der Grass mit diesen Worten würdigte: „Er scheute keine noch so heftige Kontroverse, im Gegenteil, er suchte sie, wo er sie für notwendig erachtete. Das machte ihn zu einer Instanz in der politischen Debatte, die zuweilen störte und manchmal auch verstörte.“ Dem habe ich absolut nichts hinzuzufügen.

    Zur Klarstellung, weil ich das in den Nachrichten teilweise falsch gehört habe: Grass hat nicht in Lübeck gewohnt, sondern in dem 400-Seelen-Dorf Behlendorf. Der Ort ist kein Stadtteil von Lübeck, sondern liegt ca. 25 km südlich von Lübeck im Herzogtum Lauenburg, ein paar km westlich von Ratzeburg, am Behlendorfer See.
    A.

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    • 14. April 2015 16:14

      Danke für die Klarstellung. Dass Grass nicht in Lübeck wohnte, war mir gestern bei den Nachrichten schon klar, aber nicht genau, wo Behlendorf liegt – obwohl ich nun einige Zeit fast täglich in Ratzeburg war ….

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Trackbacks

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