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Rettet nicht nur das Zigeuner-Schnitzel!

24. August 2015

Hahne-Rettet-das-Zigeuner-Schnitzel-Ü

Es begann wie eine der üblichen Sommerloch-Geschichten – abseits eines jeglichen ernsten Gesprächs:

“Zigeuner-Schnitzel darf man ja auch nicht mehr sagen.”

Ich äußere, dass der Begriff zwar nicht gesetzlich verboten ist, sehr wohl aber viele meinen, dass er nicht der “Political Correctness” entspricht. “Aber es gibt durchaus noch Lokale und Fabrikanten, die diesen Begriff weiter verwenden.”

Zigeuner-Sauce-300x180

Außer in Hannover, wo einst so namhafte Politiker wie Schröder, Trittin, Wulff und Gabriel 😉 wirkten, bevor sie dem Ruf nach Berlin folgten. Oder so ähnlich ….

Politische Korrektheit …

Wer bestimmt eigentlich, was politisch korrekt ist? Mir fällt der damals zwölfjährige Zigeuner-Junge ein, den ich vor drei Jahren kennenlernte, der genau so bezeichnet werden wollte: “Ich bin kein Roma und auch kein Sinti, ich bin ein Zigeuner.” Das klang so, als wenn es für seine Familie eine Diskriminierung wäre, als Roma oder Sinti bezeichnet zu werden. “Und meine Muttersprache ist zigeunisch, sowie für sie deutsch!” Ein Einzelfall? Das mag so sein. Und darf man es es so sehen, wie der bekannte Journalist Peter Hahne (ZDF) einst (2013) seine Kolumne “Rettet das Zigeuner-Schnitzel” abschloss: “Genießen wir also die leckeren Speisen, bei denen jeder nur Gutes im Sinn hat und einem das Wasser im Munde und nicht der rassistische Geifer im Munde zusammenläuft. Die Debatte ist nichts als Quatsch mit (Zigeuner)-Sauce.”

… kann nicht verordnet werden

Ich will Hahne nicht widersprechen. Allein wichtig ist für mich, welch Geistes unsere Sprache ist. Was nützt es, wenn jemand zwar Roma wegen der vorgegebenen politischen Korrektheit sagt, aber innerlich diskriminierend und rassistisch den Zigeuner meint? Nichts! Das nützt gar nichts! Für noch gefährlicher halte ich es, wie ich es neulich auf einer Feier erlebte, wenn ein erwachsener Mann davon spricht, dass in der Fußballmannschaft von … “zu viele Neger und zu wenige Arier spielen” und dass er das “zum Kotzen” findet. Einzig man weiß, welch Geistes so ein Mensch ist. Aber was er seinen Kindern damit vorlebt, das ist, ich sag’ mal: “nicht zu tolerieren!”

Den Typen keinen Millimeter Raum geben

Gabriel-Heidenau-Tagesschau

Nun mag jemand, der so etwas sagt, nur dumm sein. Es kann aber auch der Nährboden für Schlimmeres sein und rechtsextremes Gedankengut fördern. Anlässlich der aktuellen Neonazi-Krawalle im sächsischen Heidenau sind von unserem Vizekanzler Gabriel bei einem Besuch dort diese Worte zu hören: “Man darf diesen Typen, die sich hier in den letzten Tagen ausgebreitet haben, keinen Millimeter Raum geben. Ich finde, wir dürfen auch in unserem Freundeskreis, im Bekanntenkreis, im Betrieb, im Sportverein nicht irgendwie wegschauen, wenn solche Typen dort rum rennen.” Auch Kanzlerin Merkel hat – nach Tagen des Schweigens – heute deutliche Worte gefunden: ”Es ist abstoßend, wie Rechtsextreme und Neonazis versuchen, rund um eine Flüchtlingseinrichtung ihre dumpfe Hassbotschaft zu verbreiten. Und es ist beschämend, wie Bürger, sogar Familien mit Kindern, durch ihr Mitlaufen diesen Spuk unterstützen.” 

Ich weiß, das vereinte Europa steht vor einem der größten Probleme seiner Geschichte. Und ich sehe auch die Gräben in der EU, die mangelnde Solidarität. Aber all das ist nicht durch Krawalle zu lösen. Nirgends! Um mit Peter Hahne abzuschließen: “Rettet bitte nicht nur das Zigeuner-Schnitzel, sondern tragt dazu bei, dass dem ein oder anderen Mitmenschen unter uns nicht der rassistische Geifer im Munde zusammenläuft. Danke!”

Das Sommerloch schließt sich!

Ich bin wieder da. Also hier.

Nr. 364 ^.^

3 Kommentare leave one →
  1. A.B. Surd permalink
    27. August 2015 09:15

    Political Correctness kann nicht verordnet werden, das wäre für mich eine Entfremdung der deutschen Sprache. Gestern lief auf einem der Dritten ein alter Tatort, es wurde von Zigeunern gesprochen – gut dass solche alten Filme nicht auch verbannt werden. Das wäre für mich absurd!
    Genau so absurd empfinde ich es, wenn in der Flüchtlingsdebatte jeder andere Meinung als die der vermeintlichen Gutmenschen als rechtsextrem eingestuft wird. Es gibt viele offene Fragen und keine Antworten der Verantwortlichen – nur die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen kann. Deshalb gibt es Demonstrationen, die genau das einfordern: wie will der Staat mit dem Problem umgehen?

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    • 29. August 2015 19:19

      Siehe auch https://sven2204.wordpress.com/2015/08/29/ist-denn-schon-wieder-oelwechsel/

      Ich lasse gerne über alles mit mir reden. Eine andere Meinung zu haben, darüber zu reden, die zu verteidigen, ist für mich lebendige Demokratie. Aber Demokratie funktioniert nicht ohne zwei Dinge:
      1.die Achtung der selbst gesetzten Regeln wie unserem Grundgesetz (dass aus gutem Grund auch das Recht auf Asyl beinhaltet),
      2.und dem Respekt vor dem Andersdenkenden.

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      • A.B. Surd permalink
        1. September 2015 09:19

        „Hart aber Fair“, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann:
        „Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat. Beim FC Bayern gibt es auch eine ganze Menge Spieler mit schwarzer Hautfarbe, und das finden die Fans vom FC Bayern auch gut.“
        Die Welt schrieb dazu, dass Herrmann zuvor „wortreich und durchaus überzeugend eine Verrohung in der Wortwahl vieler beklagt und dem rechten Mob den Kampf angesagt“ habe.
        Ist der bayerische Innenminister Herrmann jetzt auch schon ein rechter Hetzer, der keinen Respekt vor den Andersdenkenden hat? Oder fällt das unter „allein wichtig ist, welch Geistes unsere Sprache ist.“?

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