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Momo – oder die Sache mit dem Geld

27. September 2015

Hannover-Momo-10-b-5-3Beim Lesen der Nachrichten heute habe ich an Momo denken müssen. Ich weiß nicht, warum. Aber plötzlich war Momo in meinem Sinn. Momo? Genau, die Momo, das kleine Mädchen, dass den Menschen die gestohlene Zeit zurück brachte. Jedenfalls in dem berühmten Jugend-Phantasie-Roman von Michael Ende. Viele Jahre später habe ich in einer Beschreibung des Buches gelesen, dass der tiefere Sinn der Geschichte – für Jugendliche wie mich damals Anfang der 70er Jahre nicht erkennbar – in einer Kritik an dem herrschenden Geldsystem besteht.

In dem Roman versuchen die Menschen Zeit für später zu sparen, vergessen aber dabei im Heute zu leben. Je mehr sie versuchen zu sparen, desto “kürzer” werden die Tage. Im Grunde sei es genau so mit dem Geld: Es gibt eine Kausalität zwischen der Kultur – also unserem gestalterischen Miteinander – und dem Geld. Der Roman ist eine Aufforderung “zuzuhören”, wenn auf derartige Zusammenhänge hingewiesen wird! Soweit zu Momo. Das (ein paar Jahre alte) Fotos zeigt eine Momo-Skulptur in Hannover – mit einem großen Ohr ….

Ich bin wieder bei den Nachrichten: Zugehört hätten besser auch viele verantwortliche Politiker und Manager – und wie so oft dreht sich letztendlich alles ums Geld:

  • Europas absehbare Flüchtlingskrise. Seit Jahren schlagen Flüchtlingshelfer im Nahen Osten Alarm. “Wir brauchen mehr Geld und andere Unterstützung”, so ihre verzweifelten Hilferufe. Doch Europa hat nicht zugehört. Die Krise war lange absehbar – das ist ja das Ärgerliche. Die Hilfsorganisationen haben immer wieder davor gewarnt, dass, wenn die Lebensbedingungen noch schlechter werden, die Flüchtlinge zum Geld nach Europa kommen werden. Und nun sind sie hier.
  • VW-Techniker warnte. Ein Volkswagen -Techniker hat, so ist “unter Berufung auf Aufsichtsratskreise” zu lesen, schon im Jahr 2011 vor illegalen Praktiken bei den Abgaswerten gewarnt. Dies geht aus einem ersten Prüfbericht der internen Revision des Autobauers hervor. Aus Kostengründen soll es jedoch bei der bisherigen Technik geblieben sein. Das Ergebnis:
  • VW-Aktie-2015b
  • Berlin blockiert neue EU-Abgastests. Unsere Bundesregierung schickt in Zeiten der Abgasaffäre bei Deutschlands größtem Autobauer die falschen Signale an die europäischen Partner. Demnach versucht Berlin trotz des Skandals, die für 2017 geplante Einführung eines neuen, realistischeren Abgastests (WLTP) durch die EU auf 2021 zu verzögern. Warum wohl? Weil es der (deutschen) Autoindustrie Geld spart.
  • Sprinter müssen zum Software-Update. Vielleicht hat Mercedes besser zugehört. Der Stuttgarter Autobauer ruft 11.000 Sprinter in die Werkstätten, um eine Software auf den neuesten Stand zu bringen. Die betrifft ausgerechnet “abgasrelevante Steuergeräte”. Mit dem VW-Skandal soll das alles trotzdem nichts zu tun haben. Ah ha.

Wer Lust hat, kann gerne den Links folgen und die ganzen Artikel lesen. Ich folge jetzt aber dem Ruf nach Kaffee & Kuchen – ich höre lieber …, auch zu. Zu den oben erwähnten Artikeln, sie haben alle eines gemeinsam: Es wurden mal Fehlentscheidungen getroffen. Aber die gehören zum Leben dazu, genau so wie die Kausalität zwischen der Kultur und dem Geld. Vielleicht öfters mal an Momo denken …. Und Fehlentscheidungen haben nicht immer etwas mit Geld zu tun:

Fehlentscheidung-BVB-FCB-140517

Nr. 373 ^.^

2 Kommentare leave one →
  1. 27. September 2015 19:25

    Hallo,
    Momo, das war damals bei uns fast Pflichtlektüre, aber die von dir beschriebene Interpretation habe ich nie gehört. Für mich war es bisher rein ein phantasievoller Jugendroman. Allerdings gibt es auch das sprichwörtliche „Zeit ist Geld“, so gesehen ergibt das einen Sinn.
    Keiner bestreitet, daß letztendlich alles dem Kapital untergeordnet wird. Es gibt viele kluge Menschen, die das anprangern, aber ihnen wird zuwenig zugehört. Logische bzw. mögliche Resultate dessen erleben wird gerade und es wird so weitergehen.
    Und wo bin ich auf dem Momo-Bild? (Scherz 😉
    <3liche Grüße aus Hannover

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