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„Wie du es machst, du machst es verkehrt!“

29. Oktober 2015
"Anzeige" ;) Hinweis auf meinen Fotoblog

„Anzeige“ 😉 Hinweis auf meinen Fotoblog  (Bild ist verlinkt)

Ein Telefonat. Gestern, mit einem Freund aus meiner „alten Heimat“. Auch dort im Landkreis Peine sind hunderte Flüchtlinge untergebracht, das Thema beschäftigt die Region.

PAZ-Themenseite: Flüchtlinge (Bild ist verlinkt)

         PAZ-Themenseite: Flüchtlinge (Bild ist verlinkt)

„Natürlich war es richtig, dass Merkel im Sommer quasi Dublin III außer Kraft gesetzt um die syrischen Flüchtlinge ins Land zu lassen. Das waren doch unmenschliche Zustände in Ungarn und auf der Balkanroute! Da mussten wir Deutschen als eines der reichsten Länder dieser Welt doch was machen!“ – Ich: „Stimmt. Aus humanitärer Sicht hast du vollkommen Recht.“

„Aber hättest du gedacht, dass sich das so entwickelt, dass jeden Tag tausende Flüchtlinge durch die osteuropäischen Staaten durchgeschleust werden, auch durch Österreich, und Deutschland sehen muss, wie sie damit fertig werden?“ – Ich: „Na ja, nachdem Merkel gesagt hat, ‚wir schaffen das‘, war Gabriel der erste, der darauf hingewiesen hat, dass das bis zum Jahresende bis zu einer Millionen sein können. Oder werden. Und da Seehofer rechnen kann, war ihm schnell klar, dass das tagtäglich ein paar tausend Flüchtlinge bedeutet, die nach Deutschland drängen. Und deshalb hat er gesagt, und sagt es immer wieder, dass das so nicht geht.“

„Aber wir können doch nicht die Grenzen dicht machen, eine Mauer ziehen, und die Flüchtlinge im Winter irgendwo auf dem Balkan erfrieren lassen. Oder schlimmer noch, ‚Rostock-Lichtenhagen 1992‘ würde sich wiederholen. Brandanschläge auf Flüchtlingswohnheime hatten wir schon einige in diesem Jahr, zum Glück gab’s noch keine Toten. Dann wäre das Geschrei groß!“ – Ich: „Nee, das ist ja das Dilemma. Ich glaube, dass unsere verantwortlichen Spitzenpolitiker aus CDU/CSU und der SPD geglaubt haben, dass es mehr Solidarität in Europa geben würde. Leider gibt’s die nicht.“

Tweet-Merkel-Mauer

„Das ist doch alles scheiße! Das ist doch wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Machst du die Grenzen dicht und auf dem Balkan erfrieren irgendwann die ersten Flüchtlinge, dann ist das scheiße, lässt du sie rein und belegst noch mehr Turnhallen, dann erfrieren sie zwar nicht, aber irgendwann ist der soziale Frieden absolut dahin und es gibt irgendwann den ersten Anschlag mit Toten. Das ist auch scheiße. Wie du es machst, du machst es verkehrt!“ – Ich: „Soweit darf es nicht kommen. Deshalb ist es für mich wichtig, dass Flüchtlinge aus den so genannten ’sicheren Herkunftsländern‘ möglichst schnell wieder in ihre Heimat geschickt werden, um Platz für die zu haben, deren Leben in ihrer Heimat gefährdet ist. Und die Hilfsorganisationen in den Lagern im Nahen Osten, auch in der Türkei, müssen finanziell besser ausgestattet werden, damit die Flüchtlinge dort satt zu Essen haben. Mindestens. Vielleicht würde das schon dazu beitragen, dass sich weniger Flüchtlinge auf den gefährlichen Weg nach Europa machen.“

Das Bild ist mit dem Artikel / Video auf Spiegel Online verlinkt

Das Bild ist mit dem Artikel / Video auf  Spiegel Online  verlinkt – 29.10.2015

Unser Gespräch ging noch eine Weile weiter, über den Rechtspopulismus der AfD, über die Chance, durch die Flüchtlinge dem demografischen Wandel in Deutschland entgegenzuwirken – und dass viele Pegida-Demonstranten simpel dem Sozialneid unterliegen (Politikwissenschaftler Klaus Schroeder im DLF). Als ich heute diesen Artikel abschließen wollte, sehe ich noch diesen Artikel auf Spiegel Online. „Ja“ denke ich mir, „das ist die eine Seite der Medaille. Aber nur die eine. Und egal was man nun macht, man macht es verkehrt!“

Nr. 381 ^.^

3 Kommentare leave one →
  1. Albert-SH permalink
    30. Oktober 2015 08:22

    Guten Morgen, ich gestatte mir zwei Anmerkungen zu dem Telefonat:
    1. Auch in Schleswig-Holstein werden Flüchtlinge „durchgeschleust“, und zwar mit behördlichem Einverständnis (damit sich kein Helfer strafbar macht, so war es zu lesen) in die skandinavischen Länder. Aktuell führt das dazu, dass die Dänen an den Grenzen wieder verstärkt kontrollieren und in Grenznähe hat man sich schon darauf eingerichtet, Flüchtlinge unterbringen zu können, denen die Weiterreise verwehrt wird.
    2. Zumindest wir Schleswig-Holsteiner müssen nicht nach „Rostock 1992“ schauen, wir hatten im eigenen Land „Mölln 1992“, den von Neonazis verübten Brandanschlag mit drei Toten. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sind laut einer Presseerklärung der Bundesregierung aus dem Sommer diesen Jahres seit der Wiedervereinigung 75 Menschen in Deutschland von Neonazis ermordet worden. Das ist schlimm!
    Albert aus SH

    Gefällt 1 Person

    • 30. Oktober 2015 20:35

      Moin Albert,
      ich habe heute unterwegs im Radio davon gehört – und dass die Dänen, so eine Regierungssprecherin, nichts anderes machen würden als sonst auch und sich die Dänen nur an das aktuelle Dublin-Abkommen halten würden: entweder die Flüchtlinge lassen sich in Dänemark registrieren und müssen dort bleiben, oder sie müssen in Deutschland bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schweden, die ja wohl im Verhältnis ebenso viele Flüchtlinge aufgenommen haben wie Deutschland, auch froh sind …. Es ist schon blöd, wenn sich einige EU-Staaten auf das Dublin-Abkommen berufen, andere (wie wir) es unbeachtet lassen. Allerdings bedeutet „Dublin“ für mich auch, dass es nach der Registrierung eine vernünftige Verteilung der Flüchtlinge (mit Bleibeperspektive) innerhalb der EU gibt. Aber davon sind wir ja weit entfernt. Es wird nicht einfacher ….
      Viele Grüße aus Scharbeutz

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  1. Wie "first" ist Germany eigentlich? | Ich sag' mal ...

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