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Alles Wirrwarr (nicht nur beim DFB)

13. November 2015

[386] Wirrwarr

Bei meiner morgendlichen Online-Lesetour ist mir heute aufgefallen, das ein Artikel an der Spitze meiner Blog-Hitliste steht, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass ich ihn geschrieben habe: Paraskavedekatriaphobie [Freitag, der 13.]

Tja, denke ich mir, mein “Freitag der 13.” war vorgestern: Mittwoch, der 11.: Mein Büro-Lapi hatte die Zusammenarbeit mit mir eingestellt. Na ja, gesund war er nicht mehr und hatte schon lange darauf hingewiesen, dass irgendwann Schluss ist: SMART-Fehler, Implantation nötig. Aber er tat’s noch. Bis vorgestern. Da hatte die Festplatte ihren Geist aufgegeben. Also musste eine neue her und alles musste wieder installiert und eingerichtet werden.

[386] Lapi_20151111 (2)

Im Grunde ist das alles nicht so schlimm, es dauert nur. Dabei ist mir allerdings ein Fehler passiert: In meinem Software-Wirrwarr habe ich statt zu der 64- zu der 32-Bit-Version von Windows 7 gegriffen. Das ist mir aber erst aufgefallen, als alles fertig war. Und nun?

Alles Wirrwarr. Dabei wollte ich Mittwoch nur einen Artikel fertig schreiben, wozu ich Dienstag nicht mehr gekommen war (*): Über den Wirrwarr beim DFB. Aufhänger für mich war die gezeigte Überraschung vieler Sportfunktionäre über die, ich sag’ mal … “Unregelmäßigkeiten” bei der Vergabe der Fußball-WM nach Deutschland. “Hallo? Nun tut doch nicht so scheinheilig!” möchte ich am liebsten jedem einzelnen lautstark zurufen. Aber auf mich hört ja keiner ….

... eine Hand wäscht die andere ...

… eine Hand wäscht die andere …

Trotzdem: Seit Jahrzehnten wird über Korruption im Sport berichtet. Mir fiel ein alter Bericht zu der Vergabe der Olympischen Spiele 2000 ein. Ihr erinnert euch? Berlin? Ja, da war doch mal was …! Genau, bei der Abstimmung 1993 gab’s 9 von 88 Stimmen – und damit landete Berlin auf dem vorletzten Platz der Bewerberstädte. Gewonnen hatte Sydney, vor dem Favoriten Peking. Das zur Chronologie. Gesucht und gefunden habe ich aber etwas anderes, ich zitiere aus einem alten Berliner Zeitungsartikel:

Wir müssen Olympia kaufen

Bei seiner ersten Sitzung an seinem neuen, alten Sitz im Roten Rathaus in [Berlin] Mitte beschließt der Senat des vereinten Berlin am 9. Oktober 1990 [noch unter Bürgermeister Walter Momper, SPD], sich für die Olympischen Spiele 2000 zu bewerben. Wie man das anstellt, will man schnell herausfinden. Also jetten [McKinsey-Berater Nikolaus] Fuchs und ein paar Mitarbeiter zwei Monate rund um die Welt. In 15 Städten, die sich mit oder ohne Erfolg um die Spiele beworben haben, befragen sie 80 Personen, um herauszufinden, worauf es ankommt. Das Ergebnis ist für die Idealisten in Berlin ernüchternd. Es geht nicht in erster Linie um funktionale Sportstätten, begeisterte Gastgeber oder schöne Hotels. Zu 65 Prozent, so berichtet Fuchs, kommt es auf gute Beziehungen in den erlauchten Kreis der IOC-Mitglieder an. Die Herren der Ringe seien im Grunde korrupt, so die Erkenntnis. „Wir müssen Geld auf den Tisch legen“, berichtet Fuchs dem neuen Regierenden Eberhard Diepgen [CDU] im Frühsommer 1991 im Roten Rathaus. „Ach du liebes bisschen“, entfährt es den ehrbaren Christdemokraten. „Was machen wir denn jetzt?“ Eine Weile blickt der Chef der großen Senatskoalition aus dem Fenster seines Büros auf den Neptunbrunnen. Dabei reift die Erkenntnis: „Das können wir nicht mit öffentlichem Geld machen.“ Fuchs hat vorgedacht: Man brauche eine private Gesellschaft, deren Chefs mit den Entscheidern Golf spielen, gegebenenfalls französisch parlieren und über so viel Geld verfügen, um IOC-Mitgliedern auch mal eine Rolex schenken zu können. Und so gründet Berlin neben der öffentlichen Olympia GmbH noch eine privat organisierte Olympia Marketing GmbH. Die sammelt private Sponsorengeld ein, vermarktet das Bärchen-Logo und wird immer tätig, wenn die Fesseln der Landeshaushaltsordnung bestimmte Aktionen verbieten. Am Ende ist nicht mehr zu klären, ob Berlins Bewerbung nun die offiziell behaupteten 60 Millionen oder die von Kritikern hochgerechneten 250 Millionen Mark verschlungen hat. Als sich Jahre später ein Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Verfahren befasst, sind wichtige Akten schon im Reißwolf gelandet.

Hat noch jemand Fragen?

Heute lese ich in der SZ: DFB hat die WM-Affäre 15 Jahre lang verschwiegen

15 Jahre? Das soll zwar ein interner Vermerk aus den DFB-Akten aussagen. Aber im Grunde muss doch allen Protagonisten, analog zur Berliner Bewerbung ein paar Jahre vorher, klar gewesen sein, “wie es nur geht”. Wahrscheinlich haben sich deswegen auch die DFB-Funktionäre zu dem FIFA-Skandal recht bedeckt gehalten und sagen auch jetzt nur das Nötigste – getreu dem Motto: “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Bällen schießen!” So wird der Wirrwarr weitergehen.

In einem Punkt waren die Fußballer um Beckenbauer jedoch besser als die Berliner um Diepgen: Sie haben die Fußball-WM nach Deutschland geholt. Andererseits war man in der Hauptstadt schlauer und hatte einen Reißwolf ….

Hoffentlich lassen sich die Hamburger – Olympia 2024 – all das eine Lehre sein ….

Nr. 386 ^.^

4 Kommentare leave one →
  1. 13. November 2015 11:59

    Glaubst du wirklich (noch) daran, dass sich da etwas ändert? 😉 Wohl eher die Devise, pass auf, wenn du es machst…und lass dich nicht erwischen 😀
    Siehe alten Kommentar – bei Geld hört die Freundschaft auf… 😉 und was fängt dann wohl an?! Und Geld stinkt nicht… man kann es doch waschen.
    In diesem Sinne, auf zu den nächsten Nachrichten.
    Hier ist es wie jedes Jahr zu dieser Zeit hochnebelgrau, nix mit Sonnendurchblick. Aber wenigstens trocken, also schönes Wochenende in Aussicht…
    Viele Grüße vom an die See

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  2. 13. November 2015 22:06

    Meine Roten spielen zurzeit wie eine Karre Mist, der Halbzeitstand Frankreich-Deutschland lässt mich auch nicht gerade jubeln und du erklärst mir hier als Fußballfanin, daß im Sport und auch im Fußball alle korrupt waren und sind. Kann frau sich denn auf nichts mehr freuen 😉
    Stimmt, Berlin, Untersuchungsausschuß, da war mal was. Aber genau wie davon niemand mehr spricht, wird den Menschen – jedenfalls allen, die Fußball mögen – das „Sommermärchen 2006“ in Erinnerung bleiben und in ein paar Jahren wird auch keiner mehr davon sprechen, dass Beckenbauer ein paar Leute schmieren mußte, um die WM nach Deutschland zu holen. Vielleicht eher im Gegenteil? Er hat das Spiel mitgespielt, das man spielen mußte, um den Zuschlag für die WM zu kriegen. Er hatte Erfolg. Vielleicht wird er deswegen von manch einem Fan mehr ge- als verachtet?
    So, nun muß ich den Deutschen wieder die Daumen drücken, es geht weiter. Frau Merkel sagt jetzt bestimmt, „Jungs, wir schaffen das!“
    Und tschüß

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