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„Leute kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten!“

18. November 2015

Lausige_Zeiten_b500

Das war auch so ein Spruch von “Oppa”. Ich mag diese Altersweisheiten. Sie haben ihren tieferen Sinn. Meine Tochter nennt sie “Klugscheißer-Sprüche”. Meinetwegen, aber der Sinn bleibt.

Wenn sich das fortsetzen sollte, was wir nur die letzten 2, 3 Wochen erfahren haben, dann … mag man das wohl “lausige Zeiten” nennen, was auf uns zukommt. Wie man mit was umgehen soll, spaltet die Nation mehr denn je.

smx-blog-151117-b

Letzten Freitag (der 13.) schrieb ich hier noch über den “Wirrwarr” beim DFB. Abends war ich unterwegs. Als ich gg. Mitternacht auf der Heimfahrt durch mein Autoradio von den Geschehnissen in Paris erfuhr, war ich fassungslos. Das Gleiche gestern. Ich hatte ein paar Fotos über die “grauen Tage – oder Tage des Grauens” veröffentlicht, war anschließend abends unterwegs und erfuhr auf der Heimfahrt von der Absage des Fußballländerspiels in Hannover wegen einer Bombendrohung. Zuhause angekommen wollte ich mich natürlich über die Geschehnisse in meiner “alten Heimat” informieren. Oh man, was ich da teilweise für einen “Mist” im Netz gesehen habe: vor lauter Kopf schütteln wurde mir fast schwindelig. Ein Tweet von @DennyRamone sprach mir jedoch aus vollem Herzen:

Mist twittern b

Die Aufforderung sollte nicht nur für Twitter & Co. gelten, sondern auch für viele Journalisten. Solchen Schlagzeilen – absolut unbestätigt ins Netz gestellt – bringen zwar Klicks, aber sie sind verantwortungslos und sorgen nur für Panik:

Kreiszeitung151117b

Allerdings hat unser Innenminister mit seiner Presskonferenz auch mehr zur Verunsicherung als zur Aufklärung beigetragen (ein Tweet von @extra3):

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… was ich mit dieser Antwort aber auch tue, die Öffentlichkeit verunsichern … Toll! Ganz toll!

Und nun?

Ich kann mir keine Antwort geben. Vielmehr habe ich Schwierigkeiten für mich alles zu sortieren. Was gestern noch wichtig schien, ist heute schon nicht mehr im medialen Fokus. “Gute Zeiten” für Journalisten: “Bad news are good news!”

Heute reden wir von “Krieg”, einer neuen Form der Kriegsführung – und was das im Bündnisfall für Deutschland bedeutet. Verteidigungsministerin von der Leyen wird nur noch über mögliche Bundeswehreinsätze befragt und nicht mehr über ihre (erschummelte?) Doktorarbeit.

Die Terrorgeschehnisse veranlassen einige in der Flüchtlingskrise den Ton zu verschärfen und Maßnahmen einzufordern, die nicht unbedingt mit dem nationalen und internationalen Recht in Einklang zu bringen sind. Dabei fliehen die allermeisten Flüchtlinge gerade vor denen, die jetzt für den Terror verantwortlich sind. Und ja, die “nur” wegen ihrer prekären Verhältnisse zuhause hierher “zuwandern”, die müssen wir “bitten” wieder zu gehen, weil wir zurzeit jeden verfügbaren Platz für die “tatsächlichen” Flüchtlinge benötigen. Dennoch sollte die Frage der Zuwanderung nach Deutschland grundlegend geregelt werden.

VW, DFB, und was uns noch so beschäftigt hat, ist erst einmal in den Hintergrund getreten. Manch einer der Protagonisten mag froh darüber sein. Trotzdem bleiben die Fragen. Das gleiche gilt ganz besonders auch für die Aufarbeitung i. S. Rechtsextremismus/NSU/Verfassungsschutz. Langsam interessieren mich persönlich die Antworten mehr als wer nun wie beim DFB auf “nicht ganz legalem Weg” die WM nach Deutschland geholt hat. Der DFB ist nicht für Tote verantwortlich ….

In den Medien gibt es “tausend” Kommentare und vermeintliche Antworten zu all den Dingen. Wer keine eigene Meinung hat, kann sich aus dem Fundus bedienen. Die Vielfalt trägt allerdings zur Verunsicherung bei. In dem Fall kann man es wie der Kabarettist Bruno Jonas sehen: “Meinungsfreiheit ist frei von einer eigenen Meinung zu sein.” Ich mag die Meinungsfreiheit – und wenn dabei “Mist” herauskommt, dann mag es für die einen nichts anderes als ein “rektaler Auswurf” sein, für die anderen aber das “beste Düngemittel”. Nur wenn der “rechte Rand” damit gedüngt wird, dann habe ich etwas dagegen. Dann lieber Bruno Joans ….

Ein Satz noch: Mein “Freund” Kubicki hat am Wochenende auf einem SH-FDP-Parteitag gesagt: “Wenn die Hälfte der Deutschen sich nicht mehr traut ihre Meinung zu sagen, dann müssen wir das ändern.” Ja, “lieber Wolfgang”, dann “müssen wir” das ändern. Dazu gehört aber, dass “die Hälfte” der Deutschen überhaupt eine eigene Meinung hat. Und wenn Meinungen Falschinformationen beinhalten oder nicht mit dem geltenden Recht vereinbar sind, dann muss man darauf hinweisen dürfen. Damit wird ein Nichtwissender nicht gleich als Nazi abgestempelt. Viele Pegida-Anhänger sind m. E. keine Nazis. Aber bitteschön, wer bspw. das Asylrecht noch stärker einschränken oder gar abschaffen will, der soll auch wissen, dass dafür eine Änderung unseres Grundgesetzes nötig wäre – was angesichts des Art. 79 schwierig werden dürfte. Und dann gilt oft folgender Spruch: “Wasch mich, aber mach mich nicht nass!”

Nr. 387 ^.^

10 Kommentare leave one →
  1. 18. November 2015 16:07

    volle Zustimmung…nur gerade mal wieder keine Zeit mich selbst auszudrücken…TROTZ EIGENER MEINUNG 😉

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    • 20. November 2015 06:52

      Moin Jürgen, dass du eine eigene Meinung hast, davon gehe ich doch aus 😉
      Zeit, soll ich dir welche schenken? Wenn’s denn so einfach wäre. Bei mir sieht’s zurzeit ziemlich entspannt aus. Allerdings treibt mich das stürmisch-regnerische Wetter mehr auf’s Sofa als nach draußen. Und ab nächster Woche für eine Woche in den Harz, Goslarer Weihnachtsmarkt, usw.. Das wird wieder eine Woche „internetfreie Zone“, simpel weil wir dort in der FeWo keinen Empfang haben und es „natürlich“ auch keinen festen Anschluss gibt. Aber das macht nichts. Einmal abends die Nachrichten, das reicht. Manchmal möchte man ja auch gar nicht mehr wissen 😉
      Viele Grüße aus dem nördlichen „Shit-Wetter-Gebiet“

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      • 21. November 2015 18:13

        Hier ist gerade Schneeregen, also auch nicht so schön. Was soll´s irgendwann ist wieder Sommer 😀

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  2. 18. November 2015 20:10

    Ja, grad hab ich auch gelesen, in Wiesbaden wurd ein Briefverteilerzentrum geräumt, weil da eine “Substanz” entdeckt wurde. Es war dann aber nur Schmutz. Was ein Glück.

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    • 20. November 2015 06:55

      Moin. Ja, in diesen Zeiten weiß man ja nie – und lieber Vorsicht walten lassen – auch wenn man sich dann vllt. den Vorwurf der Überreaktion gefallen lassen muss.
      Viele Grüße aus dem nördlichen “Shit-Wetter-Gebiet” 😦 kannst du mal besseres bestellen? 😉

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      • 21. November 2015 21:34

        Ja, ich glaub, das “Shit-Wetter-Gebiet” 😦 kommt jetzt hier runter. ^^

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  3. 2. Dezember 2015 04:59

    Den Spruch „Leute kauft Kämme…“ sagte meine Oma bei mancher passenden Gelegenheit.
    Ja, es hat sich was geändert in unserem beschaulichem, Dornröschenschlaf haltendem Land, das bisher als Anschlagsziel für Terroristen eher unbedeutend war.
    Als ich die Meldung vom Fußballspiel hörte war mein erster Gedanke: „der Krieg ist in Deutschland angekommen“. Die bestätigte sich ein paar Tage später, als ein paar üble Mitmenschen verhaftet wurden, die wohl auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt einen Anschlag verüben wollten.
    Wir werden lernen müssen mit dieser neuen Situation umzugehen – aber noch mehr ist die Politik gefragt dafür Sorge zu tragen, dass der Bürger sich hier wieder sicher fühlt. Dieses Gefühl habe ich seit ein paar Monaten nicht mehr.
    Oma sagte nämlich auch “ Mir ist das Hemd näher als die Hose“ – es unterliegt deiner Interpretation, was das in dieser Zeit wohl bedeuten mag.. 😉

    Beste Grüße aus Dortmund (wo noch keine Bombe auf dem Weihnachtsmarkt explodierte – jedenfalls noch nicht..)

    Gefällt 1 Person

    • 4. Dezember 2015 15:46

      Hallo Peter,
      wir waren ein paar Tage unterwegs. Und als Antwort zu deinem Kommentar habe ich einen ganzen Beitrag geschrieben, vonzwegen Hemd und Hose 😉
      Nun sind wir wieder im Lande, den Lübecker Weihnachtsmarkt erspare ich mir in diesem Jahr wg. „Rücken“ und laufe folglich auch nicht Gefahr, dass ….
      Viele Grüße aus Scharbeutz, bevor ich noch viel schreibe, lass uns lieber mal wieder telefonieren.

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  2. “Das Hemd ist mir näher als die Hose” | Ich sag' mal ...

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