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„Das Hemd ist mir näher als die Hose“

4. Dezember 2015

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… oder die Kamera des Nachbarn (beim Versuch im Harz den Brocken zu fotografieren)

Noch so’n Spruch. Wie „Leute kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten“. Nur ist dieser Spruch diesmal nicht von „Oppa“, sondern von Peter, in seinem Kommentar zu meinem letzten Beitrag.

Juergen_von_der_Lippe_HagenU_2008_2x3Ja, ok. „Das Hemd ist mir näher als die Hose“, der tiefere Sinn des Spruchs ist bekannt – und ich muss daran denken, was mein Großvater mich mahnend gelehrt hat: „Jede Medaille hat ihre zwei Seiten“. Bei mir ist nämlich meist die Hose näher als das Hemd – zumindestens wenn ich – leicht adipös – wie der Herr hier auf dem Bild, mein Hemd über der Hose trage. Das kaschiert.

Ich verstehe Peter gut. Viele Menschen denken so. Überall. Das hat was mit dem Urinstinkt der Selbsterhaltung zu tun und ist vollkommen in Ordnung. Auch in der Diskussion um die Flüchtlinge. Ich verstehe bspw. auch die Schweden, wenn sie heute sagen „Wir können zurzeit Flüchtlinge nur noch sehr begrenzt aufnehmen, sonst ist die öffentliche Ordnung und innere Sicherheit bei uns in Gefahr.“ Kein europäisches Land hat, bezogen auf die Einwohnerzahl, so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Schweden (auf dieser Grundlage rund 20% mehr als Deutschland). Wenn Schweden heute in den Häfen sicherer Drittstaaten wie Deutschland Flüchtlinge nicht per Fähre einreisen lässt und sogar in Erwägung zieht, die Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö vorübergehend zu schließen, dann sollte niemand den Schweden einen Vorwurf machen. Wenn, dann eher den unsolidarischen (Ost)-EU-Staaten, die sich gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen wehren.

Rathenau-Medaille-600

Kopf oder Spruch – die zwei Seiten einer Medaille

Bei allem Verständnis für die Rationalität schwedischer Entscheidungen möchte ich „die Kehrseite der Medaille“ am Beispiel Lübeck verdeutlichen: Die Hansestadt hat sich auf eine Grenzschließung in Schweden vorbereitet und 1.000 weitere Unterbringungsplätze zur Verfügung gestellt. Das Lübecker Flüchtlingsforum hält diese Zahl für unzureichend und zweifelt außerdem an, dass sich die „Transit-Flüchtlinge“ stattdessen hier registrieren lassen. Vielmehr glaubt man, dass die Menschen, die den schwierigen Weg bis nach Deutschland geschafft haben, dann auf anderen als den offiziellen Wegen versuchen werden, zu ihren Verwandten bzw. Freunden nach Schweden zu gelangen. Mit einer Registrierung in Deutschland wächst die Angst, von Schweden wieder nach hier zurückgeschickt zu werden, schlimmer noch, von Deutschland aus in das sichere Drittland zurück geschickt zu werden, über das sie eingereist sind. Einem schwedischen Medienbericht zufolge sind erste Flüchtlinge bereits mit einem Schlauchboot gelandet, vermutlich sind sie von einem Frachter vor der Küste Schwedens abgesetzt worden.

Das ist nur das Beispiel für Lübeck mit seinen ständigen Schiffsverbindungen nach Schweden. Gleiches gilt für Kiel, Rostock, usw., analog gilt das für alle Grenzschließungen. Flüchtlinge lassen sich nicht dauerhaft aufhalten, sie suchen sich ihren Weg, irgendwann, irgendwie – und landen schlimmstenfalls in der Illegalität. Wie gesagt, „jede Medaille hat ihre zwei Seiten“, das gilt selbstverständlich auch für den heute vom Bundestag mehrheitlich beschlossenen Kriegseintritt gegen den IS ….

Nr. 388 ^.^

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4 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2015 19:33

    Eigentlich bin ich für ein uneingeschränktes Selbstbestimmungrecht, für gleiche politische und soziale Rechte aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, usw.
    Aber ich erkenne an, daß sich diese Idealvorstellung in der Praxis nicht immer so umsetzen lässt, wie es wünschenswert ist.
    Ein Problem habe ich damit, wenn Geflüchtete in sog. „sichere Staaten“ zurückgeschickt werden, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
    Der Beteiligung am Krieg gegen den IS lehne ich strikt ab. 1. werden Bomben keinen Frieden bringen, sondern mehr Zulauf für den IS. 2. halte ich den Krieg ohne UN-Mandat für völkerrechtswidrig. 3. wäre es sinnvoller, die Geldquellen des IS auszutrocknen, statt Bomben zu werfen.
    Das wollte ich nur mal gesagt haben!
    <3liche Grüße aus H

    Gefällt 1 Person

    • 8. Dezember 2015 22:18

      Moin,
      Ja, nicht alles funktioniert in der Praxis so, wie es sollte, bzw. wie es wünschenswert wäre. Der unberechenbare Faktor Mensch spielt dabei eine große Rolle.
      Ich habe eben gerade gelesen, dass in Bayern heute der 1.000.000. Flüchtling registriert wurde. Wenn ich mir hier die Verhältnisse in der Region Lübeck anschaue, dann bin ich mir sicher, „wir schaffen das“. In diesem Jahr. Das alles noch einmal im nächsten Jahr, da habe ich Zweifel. Nun, wenn sie hier wären, würde es auch irgendwie funktionieren, aber eben nur noch „irgendwie“, d. h. wir entfernen und dann immer mehr von unseren Ansprüchen, bspw. bei der Integration und den sozialen Frieden sehe ich dann auch mehr und mehr gefährdet.
      Ich weiß nicht, ob du es im NDR auch gehört hast: Nach einer repräsentativen Umfrage haben die Menschen im Norden weniger Angst vor der Anzahlt der Flüchtlinge, als Sorgen davor, dass die nicht im erforderlichen Umfang integriert werden können.
      Viele Grüße, demnächst mal wieder mehr ….

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  2. 20. Dezember 2015 22:22

    wie die liebe Doris es ja schon richtigerweise erwähnte sind plötzlich Länder in denen noch vor wenigen Monaten die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, nun plötzlich per Gesetz sicher. Schon, unglaublich dreist wie sich unsere Regierung die Wahrheit krumm biegen kann, wenn es darum geht die Flüchtlingszahlen zu senken.

    Gefällt 1 Person

    • 22. Dezember 2015 21:25

      Ja, ich glaube bei einigen „sicheren Drittstaaten“ haben viel von uns Bauchschmerzen. Und nun? Die Flüchtlinge, die hier sind und aus diesen Staaten kommen, hier lassen? Alles nicht so einfach ….
      Viele Grüße!

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