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Ach, diese Dezimalsozikraten …

12. Dezember 2015
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SPD-Chef Gabriel zeigt, wo’s lang geht … ?!?

“Ach, diese Dezimalsozikraten”, murmelte ich gestern spontan zu dem schlechten Wahlergebnis von Sigmar Gabriel vor mich hin, “ist in der Bundes-SPD jemals jemand mit weniger als 74% zum Vorsitzenden gewählt worden?”  Den Begriff “Dezimalsozikraten” prägte mein alter Dozent Ende der 70er, noch ehe die SPD-Basis dem damaligen Kanzler Schmidt wegen des Nato-Doppelbeschlusses Anfang der 80er endgültig die Folgschaft verweigerte. Das war die Geburtsstunde der Grünen. Gleiches wiederholte sich vor über 10 Jahren mit Kanzler Schröder, als seine Agenda 2010 in der eigenen Partei auf massiven Widerstand stieß und in der Folge die Linken sich bundesweit etablierten. Seitdem dümpelt die SPD bei Umfragen bei 20+% rum und die “Genossen” freuen sich wie Kleinkinder zu Weihnachten, wenn tatsächlich mal eine 3 vorne steht – was schon sehr lange her ist – Weihnachten war seitdem öfter!

Und heute? Viele unter uns sind der Meinung, dass es ohne Nato-Doppelbeschluss keine deutsche Widervereinigung gegeben hätte und dass wir unsere derzeitige Wirtschaftsstärke der Schröderschen Agenda zu verdanken haben (Merkel macht Reformpause *). Egal wie es jeder beurteilt, eines haben beide Alt-Kanzler gemein: sie haben ihre Überzeugung über ihr Amt und die Partei gestellt. Der Rest ist bekannt: Beide waren danach ohne Amt und die SPD hat sich jeweils dezimiert, bei der Zahl der Mitglieder und den Wahlergebnissen. Bei Vize-Kanzler Gabriel hingegen vermisse ich eine Überzeugung für die er steht, aber vielleicht folgten ihm gestern gerade deshalb ein Viertel der Bundes-Delegierten nicht (Die SPD schafft es nicht *).

... der eine hat's, der andere nicht ...

… der eine hat’s, der andere nicht …

Staatsakt zum Abschied von Helmut Schmidt im Hamburger Michel am 23.11.2015. Kanzlerin Merkel spricht folgende Worte: Wenn Helmut Schmidt überzeugt war, das Richtige zu tun, dann tat er es. … er war bereit, selbst den höchsten Preis zu zahlen. Letztlich waren es der Mut für eigene Überzeugungen einzustehen und die Bereitschaft Konsequenzen in Kauf zu nehmen, die Helmut Schmidt Achtung und Respekt bis heute eintrugen. Er war standhaft.”  Ich habe mir diese Sequenz ein paarmal angesehen – und rein vom Inhalt her den Namen ausgetauscht. Für manche trifft das zu, für manche nicht. Wer keine Überzeugung hat, der muss auch für nichts einstehen – außer vielleicht dafür, keine zu haben. So oder so hat das Konsequenzen, der oder die eine nimmt sie in Kauf, andere sind überrascht …. In dem Sinne bin ich gespannt, wie der kommende CDU-Parteitag ablaufen wird. Spötter meinen ja, dass Merkel die beste Kanzlerin ist, die die SPD zurzeit haben kann – so rein programmatisch ….

Nr. 390 ^.^

4 Kommentare leave one →
  1. 12. Dezember 2015 23:20

    Hi,
    stimmt, ich kann mich noch schwach an die „Dezimalsozikraten“ erinnern und manchmal kann die SPD durchaus selbstzerstörerisch sein. Lokal und im Bund.
    >> ist in der Bundes-SPD jemals jemand mit weniger als 74% zum Vorsitzenden gewählt worden? <<
    Ja, Lafontaine 1995 mit ca. 60 %, als er in einer Kampfabstimmung gegen Scharping angetreten ist. Bei einer Wahl ohne Gegenkandidaten ist mir aber auch kein schlechteres Ergebnis als die 74 % gestern von Gabriel bekannt.
    >> Viele unter uns sind der Meinung, dass es ohne Nato-Doppelbeschluss keine deutsche Widervereinigung gegeben hätte und dass wir unsere derzeitige Wirtschaftsstärke der Schröderschen Agenda zu verdanken haben. <<
    Viele, mag sein, aber ich nicht, und beim Nato-Doppelbeschluß schon gar nicht, da widerspreche ich zum wiederholten Male. Unsere starke Wirtschaft hängt auch mit der Agenda 2010 zusammen, das gestehe ich ein, aber hauptsächlich haben wir sie den moderaten Tarifabschlüssen in der letzten Zeit zu verdanken, die teilweise sogar zu einem Reallohnverlust geführt haben. Schröders Reform hätte gut werden können, wenn sie weniger Thatcherismus und mehr Schwedisches Modell enthalten hätte. Besser noch, so wie es die Finnen heute planen, wenn Schröder das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt hätte, statt das, was „Hartz 4“ genannt wird, oder zumindest als Einstieg eine öffentliche Debatte dazu geführt hätte. Aber nein, da wurde jede(r), die (der) nur ansatzweise mit dem Thema anfing, als linke(r) Ideolog(e)in abgekanzelt, die (der) keine Ahnung von machbaren Sozialsystemen hat. Aber Blüms „die Rente ist sicher“ haben alle die, die meinen soviel Ahnung zu haben, vorher geglaubt. Ich lache mich schlapp!
    >> Bei Vize-Kanzler Gabriel hingegen vermisse ich eine Überzeugung für die er steht, aber vielleicht folgten ihm gestern gerade deshalb ein Viertel der Bundes-Delegierten nicht. <<
    Ich glaube das Problem der SPD ist, Parteiprogramme und Regierungsverantwortung miteinander zu verbinden. Oder so gefragt: "Wieviel ihres Programms darf eine Partei aufgeben, nur um in einer Koalition mit in der Regierung zu bleiben?" Über ein Viertel der Delegierten waren gestern der Meinung, daß ganz besonders Gabriel, weil er ja auch Parteichef ist und die Richtung vorgibt, zuviel des Parteiprogramms für die Regierungsbeteiligung geopfert hat. Ich sage nur "Vorratsdatenspeicherung und die Verhandlungen zu TTIP". In unserer Runde vorhin hat jemand gesagt, daß die SPD gestern mit dem Gabriel-Ergebnis die Merkel zur SPD-Kanzlerkandidatin gewählt hat. Das sehe ich zwar nicht so, aber wer soll 2017 gegen Merkel antreten – wenn sie denn noch einmal antritt, oder die CDU sie antreten läßt.
    Bis bald wieder, ich muss nun ins Bett, die Bettschwere habe ich schon 😉
    vlG v D aus H

    Gefällt 1 Person

  2. 20. Dezember 2015 21:33

    selbst meine Mutter – stark auf die 80 zugehend und etliche Jahre mit dem SPD Parteibuch bewaffnet ist schon vor Jahren ausgetreten, weil Sie erkannt hat, das das „S“ in SPD nicht mehr für „sozial“ sondern für „selbstgefällig“ steht. Diese Partei ist so weit von der eigentlichen Zielgruppe entfernt wie der nächste bewohnbare Planet von der Erde – nur dumm dass Sie selbst glaubt der „Malocher“ hätte das noch nicht gepeilt…
    Dazu kommt, dass Gabriel mit dem durchboxen von Fracking, TTIP und CITA versucht sich ebenso ein millionenschweres Alterspölsterchen wie unser GASPROM Kanzler Schröder zu ergaunern. Anders kann man wohl nicht erklären, dass Gabriel trotz dem vehementen Protest von Bürgern und anderen Politikern diesen Schwachsinn durchboxen will. Dass sich dies auch auf die Haltbarkeit seiner Person in der Partei auswirkt ist glücklicherweise – und hoffentlich – ein Indiz dafür, dass seine politische Karriere schnellstens dem Ende zugeht.
    Wer wie beim Fracking früher eine Giftbrühe absichtlich ins Grundwasser gemischt hätte wäre als Brunnenvergifter hingerichtet worden.
    Noch mehr Angst als die eigenen Idioten in der Politik machen mir aber die Wahlergebnisse in den anderen EU Ländern. Was derzeit in Polen passiert könnte sich zu einer Katastrophe entwickeln – da sind wir mit unseren Idioten ja fast noch gut dran. Auch in Spanien ist ein Umbruch in der Regierung erfolgt – man muss abwarten, was dort passiert..

    Gefällt 1 Person

    • 22. Dezember 2015 21:21

      Hallo Peter,
      ja, die SPD hat immer dann den Kanzler gestellt, wenn sie die sog. „bürgerliche Mitte“ angesprochen hat, was jeweils in der Folgezeit zu, ich sag‘ mal, parteiinternen Problemen führte.
      Im Grunde genommen bedeutet das, dass das, was du die „eigentliche Zielgruppe“ der SPD nennst, nach 1945 nie in unserer Bunten Republik Deutschland mehrheitsfähig war. Und auf absehbare Zeit nicht sein wird – nach meiner Einschätzung. Das mag man nun schade finden, aber ich wüsste nicht, wie es zu ändern wäre?!?
      Viele Grüße, ein frohes Fest und einen guten Rutsch, bis bald mal wieder!

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  1. Warten auf den Weihnachtsmann | Ich sag' mal ...

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