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Schattenmenschen (Teil II)

5. Januar 2016
Schatten-Menschen-Gras-b600

Schatten, die über die grüne Wiese kommen …

vorher lesen(?) Horst, das bockige Kind (Teil I)

Abgesehen von allen rechtlichen Bedenken soll niemand glauben, dass sich Flüchtlinge von einer Zahl (Obergrenze) aufhalten lassen. Dennoch verstehe ich jeden Bürgermeister, Landrat, usw., der in Kenntnis seiner Ressourcen Zahlen nennt, was seiner Einschätzung nach seine Kommune leisten kann – oder, auch wichtig, ab wann der soziale Friede gefährdet ist. Aber letztlich mögen Zahlen vielleicht die sogenannten „besorgten Bürger“ ein Stück beruhigen – wobei ich eher darüber besorgt bin, dass sich die „besorgten Bürger“ weniger Sorgen um das machen, was mehr Anlass zur Sorge geben sollte. Aber das hier nur mal am Rande …. Zurück zur Obergrenze: Mir ist keine sinnhafte Antwort auf die Frage bekannt, was mit den Flüchtlingen nach dem Erreichen der Obergrenze passieren soll(?). Aber eins weiß ich: „Nach legal kommt illegal. Isso!“

Irregular-D-HWWI-2014

Schätzung „(heimlicher) irregular migrants staying in Germany in 2014“ aufgrund Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (Bild ist verlinkt). Für 2015 dürfte die Zahl höher sein.

Illegale Einwanderung ist bei uns nur deshalb kein Thema, weil es in den Medien kaum Verbreitung findet.

„Die im Dunklen sieht man nicht. Deshalb lassen sich auch keine Aussagen dazu machen, wie viele Menschen ohne den erforderlichen Aufenthaltsstatus – und damit illegal – in einem Land leben.“

So heißt es in einem Vorwort des HWWI, welches sich 2008 mit der irregulären Migration in der EU befasst hat. Aktuell gibt es daher nur Schätzungen: In der EU leben insgesamt mehrere Millionen irreguläre Migranten, in Deutschland vielleicht rund eine halbe Millionen, in gleicher Größenordnung ebenso in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland, in Großbritannien allein sollen es bis zu einer Millionen sein, weshalb die Briten die Unterbringung und Beschäftigung von „irregulare migrants“ im letzten Sommer unter Strafe gestellt haben. Zum Vergleich: In den USA sollen es rund elf Millionen sein – trotz des Zauns an der Grenze zu Mexiko.

Wovon leben die Illegalen? Bei den Flüchtlingen ist eine große Solidarität zu beobachten, aber auch die Beschaffungskriminalität spielt eine Rolle, ohne dass nach bisher bekannten Zahlen signifikante Anstiege in der Kriminalstatistik zu verzeichnen sind. Bleibt noch der „Strich“, womit nicht nur das Prostituieren gemeint ist, sondern auch der Arbeitsstrich. Der Auszug aus diesem Artikel (shz.de) ist noch kein Jahr alt:

Hamburg | 6 Uhr morgens. Der Asphalt ist nass vom Regen der vergangenen Nacht. Die Lichter der Straßenlaternen spiegeln sich in den Pfützen. In kleinen Grüppchen stehen die Männer auf dem Stübenplatz im Hamburger Hafenviertel Wilhelmsburg – die Hände in den Taschen, den Jackenkragen gegen die Kälte hochgeschlagen. Sie rauchen und telefonieren. Deutsch verstehen die wenigsten von ihnen. Ihr Ziel für den heutigen Tag: Arbeit. Hin und wieder kommt ein Transporter oder Kleinbus auf den Platz gefahren. Ein kurzes Gespräch – einige Männer steigen ein. …

Das ist die Schattenseite … und sie ist real. Die Schatten bleiben, auch wenn man wie der kleine Horst (Teil I) die Hände vor die Augen hält und nichts sehen will. Die Schatten sind gegenwärtig.

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Schatten gibt es auch dort, wo man sie nicht vermutet.

Es gibt aber auch Länder wie Schweden mit weniger „Schatten“ (geschätzt rund 10.000), zurückzuführen auf eine offensive Flüchtlingspolitik nach dem Motto: „Ein bekannter Flüchtling ist uns lieber als ein unbekannter.“ Doch auch diese Politik hat Grenzen und heute führen die Schweden auf den Fähren und an der Öresundbrücke von Kopenhagen Passkontrollen durch. Dafür mag man Verständnis haben, denn sie haben proportional zur eigenen Bevölkerung im letzten Jahr weitaus mehr Flüchtlinge aufgenommen als Deutschland. Nur führt das zum „Domino-Effekt“: Mit den Kontrollen der Schweden kontrollieren nun auch die Dänen alles, was aus Deutschland kommt – und wie lange wird es dauern, bis in Deutschland die Rufe nach Grenzkontrollen laut werden? Usw., usw.? Schengener-Abkommen ade? Fällt Europa in sich zusammen wie ein Haufen Dominosteine? Dabei wissen doch alle (die es wissen wollen) um die Gefahr, dass Flüchtlinge versuchen werden auf illegalen Wegen in die Länder einzureisen – mit allen Konsequenzen. Ist eine „Festung Europa mit dem Mittelmeer als Burggraben“ die Lösung? Seit Menschengedenken hat keine Festung ewig gehalten. Und von den US-Amerikanern können wir lernen, dass ein Grenzzaun zwar Grenzübertritte erschwert, aber nicht verhindert.

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Aspiring migrant from Mexico into the US at the Tijuana / San Diego border. The crosses represent the deaths of failed attempts. (Ein in die USA strebender Migrant aus Mexico an der Tijuana / San Diego Grenze. Die Kreuze stehen für die Todesfälle bei Fehlversuchen.)

„So mein lieber Horst, willst du immer noch deine Obergrenze? Oder wollen wir nicht lieber versuchen das Beste aus der schwierigen Situation zu machen, auch wenn es nicht leicht wird?“

Nr. 396 ^.^

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7 Kommentare leave one →
  1. A.B.Surd permalink
    5. Januar 2016 18:50

    Wie eben schon gesagt, wir können in diesem Jahr nicht noch einmal 1 Mio Flüchtlinge aufnehmen. Die Flüchtlinge müssen erstmal dort bleiben, wo sie registriert werden. Die Erststaaten müssen endlich ihrer Pflicht zur Registrierung nachkommen. Später kann man sie in Europa verteilen. Dann könne wir sagen, im Prinzip wie es die Schweden jetzt machen, dass wir 2015 schon so viele aufgenommen haben und nun nur noch Platz für X haben. Dann müssen eben die anderen Länder wie Polen usw. mehr aufnehmen. Ich bin mir sicher, dass viele Flüchtlinge da nicht hin wollen und deshalb bleiben wo sie sind.
    Ich glaube nicht, dass die Illegalität in Deutschland so schlimm ist, sonst hätten sich die Medien längst wie die Geier darauf gestürzt. Wenn man weiß, so wie in Hamburg, wo die sich treffen, dann soll die Polizei sie verhaften und abschieben.
    Meine Meinung!

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  2. 7. Januar 2016 20:15

    Hallo Sven!

    Wenn das so weiter geht,sehe ich die Zukunft unserer Kinder gefährdet.
    Darüber sollen sie einmal nachdenken bevor es zu spät ist.Gruß Alois

    Gefällt 1 Person

    • 7. Januar 2016 20:52

      Moin Alois.
      Ja. Aber gleichermaßen haben wir schon vor – mein Sohn ist 32, meine Tochter 28 – also damals überlegt, ob wir Kinder haben wollen und was auf die zukommen mag. Die Aussichten „damals“ waren auch nicht „rosig“. Nun habe ich das gleiche Thema wieder mit meiner Tochter.
      Wobei ich als „alter Sack“ den Eindruck habe, dass die jüngere Generation – ausdrücklich: soweit ich das beurteilen kann – offensiver mit der ganzen Thematik Zuwanderung, Integration, „Multikulti“ umgeht, also wenige Berührungsängste hat, als das noch zu meiner Zeit der Fall war. Aber die Zeiten werden sicher nicht einfacher und vllt. müssen sich die „jungen Leute“ bald mehr mit Sachen wie TTIP, Klimawandel, Datenspeicherungen, usw. beschäftigen, als wir „Alten“ das heute denken?
      Viele Grüße!

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