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Eine Lanze für die „Öffentlich-Rechtlichen“

7. Januar 2016

ÖRR D x600

Regelmäßig werden insbesondere die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ÖRR) in Deutschland mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht unvoreingenommen neutral, sondern „regierungsnah“ zu berichten. Zuletzt war das zum Thema „Flüchtlinge“ und aktuell zu den Übergriffen in Köln (und Hamburg) der Fall.

Jan Fleischhauer schreibt auf Spiegel-Online in seiner Kolumne vom „Erziehungs-Journalismus“ und „Autorin“ Margret Kiosz kommentiert im Flensburger Tageblatt die „Lückenpresse“  und fragt: „Wie weit darf sich die Presse mit den Regierenden gemein machen, wenn es vordergründig darum geht, den sozialen Frieden im Land nicht durch schlechte Nachrichten zu stören?“ Am Ende ihres Kommentars gibt Frau Kiosz selbst eine Antwort, indem sie den „legendären Altmeister der Zunft“, Hanns Joachim Friedrichs, zitiert: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“

Lückenpresse

Ja. ich habe überhaupt keine Widerworte. Es ist gut, vielleicht auch wichtig, wenn Kolumnisten und Kommentatoren die Arbeit ihrer Kollegen von der schreibenden Zunft kritisch beäugen: Auch Journalisten als „vierte Gewalt im Staate“ sind nicht frei von Fehlern. Gleichermaßen gilt das aber ebenso für die Autoren von Kolumnen und Kommentaren. Auch für Blogger. Während sie ihre Meinung wiedergeben („namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen“) sind Journalisten im Rahmen einer sachlichen Berichterstattung gehalten, Ereignisse genau zu recherchieren, Meldungen zu verifizieren und nach Möglichkeit auf meinungsbildende Adjektive zu verzichten – „also nicht in öffentlicher Betroffenheit zu versinken, sondern im Umgang mit Katastrophen cool zu bleiben, ohne kalt zu sein“. Auch das hat Hanns Joachim Friedrichs gesagt.

Diese „Selbstverständlichkeiten des Journalismus“ werden allerdings heute im digitalen Zeitalter oft genug missachtet. Die schnellen Meldungen mit sensationsvermeldenden Überschriften verschaffen Klicks und sichern so Einnahmen. Da geht Quantität oft vor Qualität. M. E. ist das bei den Öffentlich-Rechtlichen weniger der Fall (ich will nicht sagen “nicht”). Im Zweifelfall gebe ich aber mehr auf eine spätere Meldung bei ARD & Co., als auf eine zuvor gelesene vom Boulevard.

Noch ein Satz zu der Frage von Frau Kiosz: „Wie weit darf sich die Presse mit den Regierenden gemein machen, wenn es vordergründig darum geht, den sozialen Frieden im Land nicht durch schlechte Nachrichten zu stören?“  Nein, die Presse darf sich mit niemandem gemein machen. Auch nicht mit den Regierenden. In dem Punkt gebe ich Frau Kiosz völlig Recht. Aber die Presse hat auch die Verantwortung, nicht durch vorschnelle unbestätigte Meldungen zu so etwas wie einer Hysterie beizutragen. Dadurch kann der soziale Friede „vordergründig“ mehr gefährdet werden als durch eine vernünftig recherchierte und bestätigte Nachricht. Und nein, ich gehöre nicht zu den Verschwörungstheoretikern, die in den Redaktionen regierungskonforme Journalisten oder gar staatliche Aufpasser vermuten, sondern glaube an die Pressefreiheit, wenigstens bei den öffentlich-rechtlichen Medien.

Nr. 397 ^.^

4 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    9. Januar 2016 10:16

    Guten Morgen und alles Gute für dieses Jahr.
    Althergebracht versuche ich abends um acht die Tagesschau zu sehen, um mich über die täglichen Ereignisse zu informieren. Heute im ZDF ist mir zu früh und die Privaten sprechen mich nicht an, dort vermisse ich persönlich die Ausgewogenheit.
    Die Zahlen über die „Schattenmenschen“ haben mich überrascht, das hätte ich in der Höhe nicht gedacht. Nachdem ich mir die die Sachen des HWWI durchgelesen habe, scheinen sie aber nachvollziehbar zu sein. Das ist für mich ein Grund mehr Flüchtlinge ordentlich aufzunehmen, um sie zu registrieren und nicht in die Illegalität zu drängen.
    Viele Grüße vom Albert

    Gefällt 1 Person

  2. 20. Januar 2016 17:42

    Nachtrag:
    Ich habe in meinem Beitrag geschrieben:
    „Jan Fleischhauer schreibt auf Spiegel-Online in seiner Kolumne vom “Erziehungs-Journalismus” …“
    Nun hat der in der Fleischauer-Kolumne angegangene ZDF-Moderator Kleber einen Fehler eingeräumt. Den Artikel auf SPON dazu gibt es unter
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zdf-kleber-entschuldigt-sich-fuer-wortwahl-a-1072765.html
    … „Ich wollte diejenigen, die einfach anpacken, herausheben gegenüber denen, die nichts zur Lösung beitragen – aus welchen Gründen auch immer“, so der ZDF-Moderator. Daraus sei dann „scheinbar eine Gleichstellung von Hassern und Zweiflern“ geworden. Selbstkritisch schrieb Kleber der ARD-Redaktion: „Ein Fehler und ein Eigentor. Zweifler bin ich selbst. Schon beruflich.“ heißt es in dem Artikel.

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  1. Wer hat’s gesagt: “Wer unser Gastrecht missbraucht …?” | Ich sag' mal ...

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