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Das Phänomen Real Madrid

29. Mai 2016

Real_Madrid_LogoGestern Abend hatte ich Zeit und habe mir – fußballbegeistert wie ich (manchmal) immer noch bin – das Champions League Finale Real Madrid gegen Atletico Madrid angesehen. Und am Ende, als – mal wieder – die Madrilenen von Real („die Königlichen“) am Jubeln waren, keimte in mir die Frage, „was macht das Phänomen Real Madrid eigentlich aus?“ Phänomen meine ich in dem Sinne, dass der Verein für mich irgendwie eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

Also habe ich heute ein wenig recherchiert. Dazu muss ich sagen, dass ich Atletico den Sieg gegönnt hätte. Weniger, weil sie sich im Halbfinale gegen Bayern München durchgesetzt hatten, sondern weil sie bereits vor zwei Jahren äußerst unglücklich das Champions League Finale gegen Real verloren haben. Was weiß ich über Real? Und ist das tatsächlich „Wissen“ oder nur „ungeprüftes Halbwissen“?

  • Real Madrid ist der erfolgreichste Fußballverein Europas.
    Stimmt, jedenfalls hat kein Verein häufiger die Champions League (und deren Vorgänger) gewonnen (11), Real sogar öfter als Bayern München und FC Barcelona zusammen (je 5).
  • Real hat sich den Erfolg mit hohen Schulden erkauft.
    Jaein. Kolportiert wird, dass allein Real Madrid und FC Barcelona mehr Schulden haben (767 Mio. Euro – 30.06.2014) als die gesamt Bundesliga, wobei Bayern München angeblich schuldenfrei ist. Das ist nur die halbe Wahrheit. Genannt werden oft 690 Mio. Euro Schulden der Bundesliga, das ist aber ein Wert nach alter Bilanzierung bis 2013. Nach neuer Bilanzierung im Rahmen des Financial Fair Plays der UEFA waren es zum 30.06.2014 knapp 1,1 Mrd. Euro (DFL Bundeliga-Report als pdf). Im Gegensatz zu Bayern München sind Real Madrid und FC Barcelona jedoch keine Kapitalgesellschaften, sondern sie werden weiterhin als Sportvereine geführt. Bei Bayern München halten Adidas, Audi und die Allianz zusammen 24,99 % der Aktien, die restlichen 75,01 % liegen beim Verein. Den Münchenern hat das eine Einnahme von insgesamt 277 Mio. Euro eingebracht. Eines haben die genannten Vereine allerdings gemeinsam: ein erhebliches Immobilienvermögen, inkl. eigener Stadien. Schulden sind also relativ.
  • Real Madrid ist der umsatzstärkste Fußballverein der Welt.
    Nach dem Deloitte Football Money League 2015 Report hatte Real Madrid in der Saison 2013/2014 einen Umsatz von 550 Mio. Euro, Bayern München 488 Mio. Euro, FC Barcelona 485 Mio. Euro – und zum Vergleich, Deutschlands Nr. 2, BVB Dortmund 262 Mio. Euro.
  • Die Spanier machen eine bessere Jugendarbeit.
    Das stimmt – und die Ausbildung junger Fußballer in Spanien kann in Deutschland durchaus als Vorbild dienen. Ein Gradmesser dafür ist, in welchen Klassen die Nachwuchs- und Zweitmannschaften der großen Vereine spielen, welche Erfolge die Nachwuchskicker bei internationalen Turnieren erzielen und wie viele junge Spieler den Sprung zu den Profis schaffen. Da trennen Deutschland bzw. Bayern München Welten von den Spaniern – nicht nur aus Madrid und Barcelona. Wenigsten die U19 des BVB Dortmund ist heute – nach 18 Jahren mal wieder – Deutscher Meister geworden, bei den Bayern war das zuletzt vor 12 Jahren der Fall. Allerdings hat Bayern-Vorstandschef Rummenigge vor zwei Jahren gesagt: „Wir werden keinen Messi holen und lieber in ‚Steine‘ investieren“ – also ein neues Nachwuchszentrum. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Erfolg – denn die, die bei den Bayern zuletzt den Sprung aus der Jugend zu den Profis geschafft haben, kommen so langsam in die Jahre – und Spanien ist bspw. achtmaliger U19-Europameister, Deutschland dreimal.

Das hat mich nur mal so interessiert. Damit ist Real eigentlich kein Phänomen, weil sie vielleicht einfach nur den Job besser machen als andere – oder wie man das auch immer nennen mag. Und sicherlich spielt bei Real Madrid auch die dauerhafte Rivalität zum FC Barcelona (El Clásico) eine große Rolle. Das spornt an und vielleicht richtet man sich daran auch aus. Und in der Bundesliga? Wo ist der wirklich dauerhaft ernstzunehmende Rivale für Bayern München? Schön, wenn bspw. Dortmund diese Rolle übernehmen könnte.

Nr. 429 ^.^

6 Kommentare leave one →
  1. 30. Mai 2016 16:11

    Interssante Darstellung von Real. Habe auch einen Fußballblog bei wordpress. Schau doch mal rein http://leosfussballblog.wordpress.com

    Gefällt 1 Person

  2. DMMS permalink
    30. Mai 2016 21:07

    Hi, du hättest nicht recherchieren müssen, ein Anruf bei mir hätte gereicht 😉
    Natürlich hätte ich dir das alles erklären können 😉
    Um deinen fußballerischen Finanz-Horizont noch ein wenig zu erweitern 😉 will ich folgendes anfügen:
    Um die Finanzen des „größten, reichsten, umsatzstärksten“ Klubs der Welt ranken sich viele offene Fragen. Das rührt daher, daß Real Madrid, wie auch der FC Barcelona, noch immer als „gemeinnützige Sportvereine“ geführt werden, statt als Aktiengesellschaften, wie es Spaniens Gesetzgebung seit Jahren einfordert.
    Wegen der hohen Verschuldung der spanischen Fußballvereine insgesamt, davon ein Großteil Steuerschulden, soll die Umwandlung in Gesellschaften dazu beitragen, daß die Vereine ihre Konten transparenter gestalten müssen. Madrid und Barcelona sträubten sich bisher erfolgreich gegen eine Anpassung. Warum wohl? So sind die Zahlen der beiden Klubs auch ein bißchen eine Glaubenssache.
    Deutlich wird das auch dadurch, daß beide Vereine eine Umgestaltung / Renovierung ihrer in die Jahre gekommenen Stadien verschoben haben. So „ein paar“ hundert Millionen Euro sind auch von diesen beiden Vereinen nicht so einfach zu wuppen.
    Aber eins mag ungefähr hinkommen: die drei großen spanischen Vereine Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid haben soviel Schulden wie die gesamte Bundesliga, der Rest noch einmal soviel.
    Was mit Vereinen passiert, die nicht mehr Herr ihrer Finanzen sind, bzw. die Eigentümer der Klubs die Gelder nicht mehr so üppig fließen lassen, kannst du beispielthaft am FC Valencia oder AC Mailand sehen. In Deutschland kennen wir das vom BVB Dortmund, die nach ihrem Aktiengang und folgender Mißwirtschaft vor dem Ruin standen.
    Ich stimme dir zu, Schulden zu haben ist nicht schlimm, so sie denn bedient werden können. Und „große“ Vereine wie FC Chelsea, Manchester City, Manchester Unitedt, Paris SG, um nur ein paar wenige zu nennen, können nur hoffen, daß ihre Eigentümer weiter Geld in die Kasse einlegen, um weiter teure Transfers und Spielergehälter zahlen zu können. Das gilt natürlich auch für „kleine“ Vereine wie den Hamburger SV (Stichwort „Kühne“).
    Bevor du jetzt mit dem „Financial Fairplay“ der UEFA kommst und erklärst, daß nun alles im Rahmen der Klublizenzierung für die Teilnahme an europäischen Wettbewerben geprüft werde, frage ich dich: „Nach allem was war, traust du der UEFA?“
    Grüße aus H

    Gefällt 1 Person

    • 4. Juni 2016 09:17

      Moin,
      klar doch 😉
      Und nein, nicht nur nach den aktuellen Vorwürfen gegen Blatter & Co, dazu die Vorwürfe gegen den neuen Fifa-Präsident Gianni Infantinotraue, traue ich im kommerzialisiertem Sport tatsächlich niemanden mehr.
      Viele Grüße

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  3. 31. Mai 2016 08:18

    Ich bin ja kein Fussball Fan aber auch bei uns wird darüber diskutiert ….

    Gefällt 1 Person

    • 4. Juni 2016 09:14

      Moin, na das ist doch niedlich – und die Argumente sind nicht von der Hand zu weisen 😉
      Viele Grüße

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