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Wann treffen wir uns? Um halb! Halb was?

26. August 2016

In einem Kommentar zu meinem letzten Beitrag hat mich Ilanah gefragt, wo ich mich während meiner „Auszeit rumgetummelt habe“? Na ja, mal hier, mal dort, Besuche, ein paar Tage Urlaub. Nichts Spektakuläres. Mit großartigen Urlaubsfotos kann ich also nicht dienen, dafür sind ein paar andere Momente in Erinnerung geblieben.

Strandgesperrt600

Nach einer Feier morgens um drei wurde die Frage gestellt, wann wir uns zum Frühstück treffen? Die Gastgeberin antwortete „um halb!“ Gleich wurde nachgefragt: „Wann um halb? Halb neun, halb zehn?“ Antwort: „Na ja, so um halb!“  Beim Blick in die verdutzten Gesichter rutschte mir raus: „Wir Dänen würden jetzt sagen ‚ det skal nok ga‘!“ Damit war die Irritation komplett.

Dazu muss ich erwähnen, dass von Vorfahrensseite überhaupt nichts Dänisches in mir steckt. Meine SH-Verwandtschaft „hier oben“ hat 1945 mit ihrem pommerschen Migrationshintergrund dazu beigetragen, dass sich die Einwohnerzahl von SH fast verdoppelt hat. Aber ich mag die Dänen, die Skandinavier überhaupt. Oder besser gesagt, ihre Lebenseinstellung. Nicht ohne Grund finden sich die Nordeuropäer in allen Glücks-Atlanten auf den ersten Plätzen wieder. Und hinter „det skal nok ga“ verbirgt sich die Grundeinstellung der dänischen Nation – frei ins Deutsche übersetzt: „Es wird schon irgendwie gehen!“. Ach so, gefrühstückt haben wir auch, ganz stressfrei, nach dem Ausschlafen, um halb elf.

Daenengluecklich_NDR_600b

Diese Gelassenheit – oder mit sich selbst zufrieden zu sein – kann man auch hier in SH spüren. Aus dem Grund wird SH schon seit jeher im deutschen Glücks-Atlas auf Platz 1 geführt. Dazu muss man wissen, dass bis vor rund 150 Jahren große Teile vom heutigen SH noch dänisch waren. Das ist wohl mit ein Grund, warum unser benachbartes Meck-Pom auf dem letzten Platz der Liste steht. An der Ostsee kann es also nicht liegen ….

Glücksindex2015-600

Dennoch: Die skandinavische (dänische) Gelassenheit hat ihre Grenzen – und wehe, wenn die überschritten werden …. Daran musste ich denken, als am letzten Wochenende ein Freund, ein alter Sozi, seinen Unmut über die deutsche Politik zum Ausdruck brachte: „Wir Deutschen neigen von einem Extrem zum Anderen. Das eine hatten wir bis 1945, das andere haben wir heute.“ Soll ich widersprechen? Ich sag‘ mal …: „Schlussendlich kommt es auf den sozialen Frieden in einem jeden Land an.“ Den zu wahren muss das oberste Gebot einer Regierung sein. Schafft sie das nicht, wird sie abgewählt, in einer Diktatur kommt es irgendwann zur Revolution (siehe DDR). Bei allen ethischen und moralischen Prinzipien sollten wir vielleicht besser respektieren, wenn unsere Nachbarn andere Vorstellungen davon haben als wir selbst. Sie ständig von der eigenen Meinung überzeugen zu wollen, hat irgendwann seine Grenzen (siehe dazu „Die gewaltige Abneigung gegen Merkels Europa“ in der SZ) und gefährdet mitunter mehr den sozialen Frieden als dass es ihm nützt. Bedenken oder Ängste der Nachbarn haben auch historische Gründe, so dürfen bspw. Ausländer (sprich Deutsche) in Dänemark keine Ferienhäuser kaufen. Wie gesagt, „Gelassenheit hat ihre Grenzen“, respektieren wir die, sind alle glücklich – oder könnten es sein  😉

Nachtrag: Siehe dazu auch meine Extra-Seite
Europa in der Sinnkrise – oder: Wie ist das mit dem „sozialen Frieden“?

Nr. 434 ^.^

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13 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    26. August 2016 12:06

    Die deutsch (norddeutschen) – dänischen Beziehungen – einschließlich der Kriege – haben eine lange Geschichte. Umso verständlicher ist es, wenn das kleine Dänemark argwöhnisch beobachtet, was der große Nachbar macht. Solange der nicht an der nationalen Souveränität kratzt, auch nicht über den Umweg über die EU, und solange die wirtschaftlichen Beziehungen Vorteile bringen, solange sind die Dänen glücklich und zufrieden.
    Dass das dänische Volk aber – bei aller Toleranz – ab einem bestimmten Punkt mehr national als global denkt, davon zeugen die letzten Wahlen, der Umgang mit den Flüchtlingen und last but not least der Sonderstatus in der EU: So viel EU wie nötig, so wenig EU wie möglich (Kommentar im Handelsblatt, schon etwas älter, aber immer noch aktuell):
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/daenemark-sagt-nein-so-viel-eu-wie-noetig-so-wenig-eu-wie-moeglich/12677380.html
    Wie wir sehen, sind die Dänen glücklich damit – vielleicht auch deshalb, weil sie nicht so viel zerreden sondern Ergebnisse so akzeptieren, wie sie sind – und sich stattdessen lieber den schönen Dingen des Lebens widmen 😉
    Albert aus SH

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    • 27. August 2016 11:27

      Moin Albert, schön mal wieder von dir zu lesen und danke für den Link, ich habe ihn auf einer Extra-Seite verarbeitet … 😉 -> KLICK
      Viele Grüße aus Scharbeutz

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  2. 27. August 2016 08:36

    Ausschlafen ist doch schon Urlaub pur 🙂

    Ich kenne die Dänen nicht, ich höre immer nur, dass es dort noch mehr von der braunen Fraktion gibt als hierzulande, deshalb werde ich lieber nicht hinfahren.

    Wir sind auf Platz 6, damit lässt es sich leben, ich fühl mich wohl hier 🙂
    Aber den Norden und seine Leute mag ich auch sehr gerne.

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    • 27. August 2016 11:48

      Moin Ilanah 😉
      schön dass es dir auf „Platz 6“ gefällt 😉
      Mir auf Platz 1 auch 😉
      Zu der „braunen Fraktion“ in Dänemark, du meinst bestimmt die Dansk Folkeparti: Ja, das ist auch etwas, was ich argwöhnisch beobachte und was ich mit „Gelassenheit hat ihre Grenzen“ meinte. Vergleichbar ist diese „rechtspopulistische“ Partei mit der deutschen AfD.
      Laut eigener Aussage macht sich die DF keine bestimmte Ideologie zu eigen, vielmehr vertrete die Partei bestimmte Haltungen ausgehend von der Frage, was Dänemark und den Dänen nutze (das nenne ich „Nationalismus“). Gleichwohl fänden sich in der Programmatik und der praktischen Politik der Partei bestimmte konservative, liberale und sozialdemokratische Elemente.
      Von diversen Parteienforschern wir das kritisch bewertet.
      Selbst habe ich versucht das Thema – im Hinblick auf die EU – auf einer Extra-Seite zu grundsätzlich verarbeiten …😉 -> KLICK
      Viele Grüße von der Ostsee

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      • 27. August 2016 13:02

        Ich höre es immer von Leuten, die dort Urlaub gemacht haben, dass sie es schrecklich finden, wie verbreitet das braune Gedankengut dort ist, ähnlich wie hier die Neonazis und die „besorgten Bürger“. Die AfD versucht sich ja derzeit aus allem rauszuwinden, nur damit sie dabei bleiben kann 😦
        Aber ich denke, die demontieren sich letztlich selbst.
        Danke für den Link, werde gleich mal schauen.

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      • 28. August 2016 10:26

        Moin, ich muss gestehen, dass mein letzter DK-Urlaub schon ein paar Jahre her ist, deswegen kann ich da nicht mitreden. Aber meine Tochter war vor ein paar Monaten dort, die hat auch eine Antenne dafür und findet „braun“ genau so „scheiße“ wie ich, und sie hat mir diesbezüglich nichts berichtet. Für meinen Teil versuche ich gerade zu verstehen, warum der Nationalismus – und über nichts anderes reden wir – so um sich greift, warum so viele Menschen – bei uns wie insgesamt in Europa – dafür so empfänglich sind?
        Na ja, wir werden sehen – einen schönen Sonntag noch 😉

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  3. 27. August 2016 14:46

    Mein letzter Urlaub im Norden ist auch schon viele Jahre zurück, schade eigentlich.
    Politik – ich hoffe immer wieder, dass die dafür beruflich zuständigen Menschen (vom Bundestag abwärts und in den Behörden) und auch wir „Normalos“ nie den Blick aufs Ganze verlieren. Das Meckern über auswärtsstämmige „Nachbarn“ und deren Schuld am …. wer weiß was alles, verkleistert sehr schnell den Blick auf dem rechten Auge. Wer interessiert sich für die Ursache der Fluchtströme? Und vor allem, wer will an diese Ursachen WIRKLICH ran?!
    Ob nun „alle willkommen“ oder „go home“ – irgendwie sind es erst einmal Menschen mit Problemen und Wünschen. Und natürlich – jedes Land hat seine Sichtweisen und auch da muss man sich verständigen, darf dem anderen Land nichts aufzwingen.

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    • 28. August 2016 11:25

      Tja Jürgen, dann durchquere man mal die Republik und komme in den Norden 😉
      Zu den Flüchtlingsströmen, da bin ich ganz bei dir. Ich habe heute einen Link zu einem Artikel erhalten, ist aus der Welt, da heißt es u. a.:

      „DAS DAUERHAFTE DEUTSCHE DILEMMA
      Die Flüchtlingskrise ist zwar mithilfe der Türkei vertraglich bis auf Weiteres eingegrenzt, aber nur vorläufig, wenn man an die Völkerwanderungen denkt, die längst südlich und östlich des Mittelmeeres auf ihre Stunde warten. Ein stabiler Dauerzustand sieht anders aus als der taktische Formelkompromiss, verbunden mit Abhängigkeit von einem türkischen Führer, der den Ruf der Unberechenbarkeit in langer Arbeit erworben hat.
      Die unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Handlungsmuster der Staaten können Europa zerreißen. Nicht alle schätzen es, nach deutscher Façon regiert zu werden und aus Berlin zu erfahren, wie es weiterzugehen hat.“

      Den ganzen Artikel findest du HIER

      Es wird nicht einfacher ….
      Viele Grüße

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  4. 28. August 2016 18:46

    Da ich das Land momentan nicht verlassen darf, habe ich festgestellt das es mir in ganz Deutschland gut gefällt, denn da wo man mich in Ruhe lässt und ich nicht Arbeiten muss gefällts mir einfach sau gut.
    Freu mich das du wieder da bist.
    Gruß
    Lucain

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    • 29. August 2016 09:39

      Moin Lucian,
      willkommen im Club. Ich bin ja nun auch schon ein paar Jahre „zuhause“, bestimme selbst, wie viel Ruhe ich habe – und lebe ganz gut damit. Nur darf ich „das Land verlassen“, aber ich muss schon nachdenken, wann ich das letzte Mal außerhalb von Deutschland war. Mir gefällt es hier auch ganz gut, ganz besonders „hier oben“ 😉 da wo andere Urlaub machen.
      Bis bald wieder, halt dich tapfer 😉

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  5. kaempferkind permalink
    28. August 2016 19:05

    lese jetzt zum dritten Mal den Beitrag. Politik hin und Politik her… mir gefällt am Besten, was du über die Lebenseinstellung der Dänen und SH`ler schreibst. Herrlich, wenn man so eine Gelassenheit im Blut hat. Beneidenswert! Mir ist die leider nicht gegeben, aber ich lerne, Stück für Stück….

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    • 29. August 2016 09:56

      Moin,
      Gelassenheit ist eine … „Tugend“? Egal. Was bringt es sich im Alltäglichen so oft aufzuregen oder sich über Nebensächlichkeiten Gedanken zu machen, wie es viele von uns immer wieder tun? Nix! In der Regel bringt das keinen von uns weiter, kostet nur Nerven. Wissen ist zwar Macht, aber nichts wissen schadet (oft) auch nichts. Ok, das war eine Phrase 😉 Ich habe mir schon lange abgewöhnt, alles verstehen zu wollen. Besonders die Frauen. Scherz 😉 Im Ernst: Bevor ich mir Gedanken mache und merke, dass die mich nicht weiter bringen, beschäftige ich mich lieber mit dem, was ich als schön empfinde. Und der Rest? „Det skal nok ga!“ 😉
      Viele Grüße von der Ostsee
      … und ich drücke dir die Daumen beim „Lernen“ 😉

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      • kaempferkind permalink
        29. August 2016 13:39

        da gebe ich dir Recht, es bringt nichts, alles verstehen zu wollen, sich aufzuregen oder zu grübeln…. auch das ist so eine Sache, die der Kopf ganz genau weiß…. 😉

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