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Wir waren das nicht, das waren die im Osten

6. September 2016

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Mecklenburg-Vorpommern. Die SPD regiert das Land zusammen mit der CDU bereits seit zehn Jahren. Nach einer Umfrage (am 18. August) von infratest dimap ist das die beliebteste Variante, gleichermaßen wird der amtierenden Landesregierung eine gute Arbeit bescheinigt. Das einstige Sorgenkind der Republik ist im Aufschwung. Gute Vorgaben für eine Wiederwahl, sollte man meinen. Gut, das hat auch gerade so geklappt, aber die rechtspopulistische AfD ist seit der LTW vorgestern mit über 20% zweitstärkste Partei – vor der CDU. Warum? Liegt das nur am Flüchtlingsthema? Und das, wo Meck-Pom kaum davon betroffen ist? Um das zu verstehen, habe ich gestern Abend einen Bekannten aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg angerufen und nachgefragt:

„Moin Herr Dingsbums (Name geändert), können sie bitte mal versuchen mir zu erklären, wie ich dieses Wahlergebnis verstehen soll? Einerseits sagt man, die Landesregierung hat eine gute Arbeit gemacht, anderseits wählen über 20% in Meck-Pom die AfD?“

„Mecklenburg-Vorpommern bitte. So viel Zeit muss sein. Erklären kann ich das nicht. Wir Mecklenburger haben so nicht gewählt. Aber schauen Sie in den Osten nach Vorpommern, da kommen die rechten Stimmen her. Da haben sie die Direktmandate gewonnen und da war auch schon immer die NPD stark. Hier bei uns im Westen ist alles im – um es parteifarblich auszudrücken – im roten Bereich.“

„Mit anderen Worten: Sie wollen nicht in Sippenhaft genommen werden. Ok, aber was mögen die Gründe dafür sein? Sie in NWM sind doch näher dran und haben doch sicher auch eine Meinung dazu.“

„Ich kann das nur vermuten: In Vorpommern, in Richtung polnischer Grenze, ist die Arbeitslosenzahl immer noch relativ hoch, es gibt überproportional viele Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Junge Leute ziehen weg, dahin, wo sie bessere Chancen haben. Vielleicht fühlen sich die Leute dort vom Rest der Republik abgehängt weil sie glauben, es wird zu wenig für sie getan. Deshalb sind den Menschen dort jegliche Globalisierungsgedanken der politischen Eliten zuwider und das fördert den Nationalismus. So könnte es sein.“

„Verstehe ich das richtig: Es liegt an der wirtschaftlichen Lage? Würde Merkel das Füllhorn über Vorpommern ausschütten, dann hätten sie die Leute dort wieder lieb und würden CDU wählen?“

„Das weiß ich nicht. Es geht doch nicht nur darum, etwas zu kriegen, sondern auch darum, das dann zu bewahren und sich zu konsolidieren. Die Menschen erwarten wohl, dass erst einmal für sie etwas getan wird, bevor die Berliner Regierung Milliarden für Flüchtlinge ausgibt. Das würde erklären, warum das Flüchtlingsthema die Landtagswahl überlagert hat. Und die Menschen hätten Merkel sicherlich eher wieder lieb, wenn sie erklären würde, dass sie vor einem Jahr mit der Öffnung der Grenzen Fehler gemacht hat und sie heute ‚wir schaffen das‘ so nicht mehr sagen würde. Stattdessen sagt sie, dass die Entscheidungen richtig waren. Dieser Humanismus wird ihr nicht zugestanden.

„Ist das nicht traurig? Wo bleiben da die ethisch-moralischen Werte?“

„Ach, das ist doch nur eine Phrase. Ethik, Moral? Wo gibt es denn so was? Nach diesen Grundsätzen zu leben wäre zwar schön, aber am Ende denkt doch jeder erst an sich – Stichwort ‚anthropologischer Pessimismus‘: Der Mensch ist von Natur aus schlecht. Grundsätzlich – ich weiß, es gibt Ausnahmen. Trotzdem, daran ist schon der Sozialismus gescheitert.“

Wir haben uns noch einige Zeit über „Gott und die Welt“ unterhalten. Das Gespräch musste ich erst einmal „sacken“ lassen. Heute Morgen beim Schreiben weiß ich aber immer noch nicht, ob ich auf der Suche nach dem „sozialen Frieden“ nun „schlauer“ bin …. 

Reisewarnung-w160905-b550

Nr. 436 ^.^

3 Kommentare leave one →
  1. Herr "Dingsbums" permalink
    6. September 2016 21:22

    Hallo Herr Meier,
    „Herr Dingsbums“ finde ich gut. Damit kann ich gut leben 😉
    – auch mit der Wiedergabe des Gesprächs.
    Heute Abend habe ich beim Lesen auf der NDR-Seite passend zu unserem Gespräch das gefunden:
    „Land ist politisch dreigeteilt – Beim Wahlverhalten fällt auf, dass das Land gespalten abgestimmt hat. Während der Westen des Bundeslandes nahezu flächendeckend rot gefärbt ist, war die CDU vor allem rund um den Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erfolgreich. Die AfD hat dagegen vor allem bei den Wählern im äußersten Osten Mecklenburg-Vorpommerns gepunktet. Dort konnte die Partei mehrere Direktmandate erringen.“
    Link zu dem Artikel:
    http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl_mv_2016/MV-dreigeteilt-So-hat-Land-gewaehlt,wahlmv322.html
    Und wenn Sie sich wundern und den Kopf schütteln wollen, dann lesen Sie die Kommentare zu dem Artikel.
    Herr „Dingsbums“ 😉

    Gefällt 1 Person

    • 7. September 2016 06:56

      Moin,
      willkommen auf den Seiten meines Blogs 😉
      Ich habe mir den NDR-Artikel durchgelesen, dazu auf wahl.tagesschau.de auch die einzelnen Wahlkreise. Ihre Angaben beziehen sich auf die Erststimmen, also die direkten Kandidaten, bei den Zweitstimmen, die für die Partei, sieht es doch etwas anders aus. „Wir Mecklenburger haben so nicht gewählt“ stimmt demnach nur insofern, dass die AfD im Westen knapp unter und im Osten über 20% Wählerstimmen hat. Das West-Ost-Gefälle beim Wahlverhalten ist zwar da, aber nicht so stark.
      Das zeugt – für mich – von einer Unzufriedenheit im ganzen Land – und erklärt vllt. auch, warum Mecklenburg-Vorpommern im Glücksatlas auf dem letzten Platz steht -> KLICK
      Schauen wir mal, wie es in 2 Wochen in Berlin ausgehen wird – und nächsten Frühjahr hier in SH. Zumindest hier weist zurzeit nichts auf „Meck-Pom-Verhältnisse“ hin ….
      Grüße aus OH nach NWM

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Trackbacks

  1. Nur noch ein Satz (Zahlen zu Meck-Pom) … | Ich sag' mal ...

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