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Blowin‘ in the Wind: Gezeter um CETA

13. Oktober 2016

Bob-Dylan-Together„Überraschend, aber nicht ganz unerwartet“, sagt die Reporterin gerade im Radio. Nicht über das BVerfG-Urteil zu CETA, sondern weil der Literatur-Nobelpreis in diesem Jahr an Bob Dylan geht. Bravo! Beifall! Finde ich mutig und gut!

Zeit mal wieder den alten Dylan zu hören. Den „alten Dylan“, weil es eines seiner letzten Studioalben ist, meines Wissens: „Together Through Life“, ich habe jedenfalls nichts jüngeres vom alten Dylan, nur älteres vom jungen Dylan.

„This Dream of You“ – ach ja. Es gibt Klassiker (nicht nur von Dylan), die kann man immer wieder hören. „Blowin‘ in the Wind“ bspw., einer der bekanntesten Folksongs überhaupt. Davon gibt es so viele Coverversionen, der Text ist aber von Dylan.

„Nicht überraschend und erwartet“ war heute das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Eilverfahren zu dem Freihandelsabkommen der EU mit Kanada (CETA). Ein typisches „Ja-aber-Urteil“. Deutschland darf erst einmal mitmachen, muss aber später kündigen können. Ich habe auch meine Vorbehalte gegen CETA, aber was weiß ich wirklich darüber – und was ist davon Halbwissen? Was weiß ich außerdem zu den vielen anderen Freihandelsabkommen, die die EU – somit auch Deutschland – bisher abgeschlossen hat? Nicht viel bis nix! Von TTIP will ich hier gar nicht reden. Und dann frage ich mich, was wissen die von den Klägern mobilisierten über 125.000 offiziellen Mitkläger tatsächlich? Oder ist das „nur“ ein „Gezeter“ gegen die weitere Globalisierung? „The answer, my friend, is blowin‘ in the wind, the answer is blowin‘ in the wind.“ Genau so, wie das Urteil im Hauptverfahren der Verfassungsbeschwerden gegen CETA in ein, zwei Jahren aussehen wird.

Noch einmal zurück zu Dylan, ein Auszug aus einem Interview im SPIEGEL, Ausgabe 37/2001

SPIEGEL: Sie wurden in den sechziger Jahren als politischer Protestsänger verehrt. Hätte es die Globalisierungsgegner schon damals gegeben, wären Sie dann mit ihnen auf der Straße gewesen?

Dylan: Damals gab es kein Bewusstsein für so etwas wie Globalisierung. Aber wenn Sie heute der Medienberichterstattung glauben, müssen Sie fürchten, dass uns der ganze Planet jeden Augenblick um die Ohren fliegt. Ich glaube, das ist Blödsinn. Die Realität ist längst nicht so hoffnungslos und finster, wie uns die moderne Medienindustrie vorgaukelt.

SPIEGEL: Welchen Zweck soll die Katastrophenbeschwörung der Medien haben?

Dylan: Das ist doch offensichtlich. Irgendwo zieht irgendwer einen Vorteil daraus, Gewalt und Brutalität zu vermarkten. In den Medien wird nichts präsentiert, ohne dass jemand hinter den Kulissen Geld damit macht.

Das war 2001. Da war Bob Dylan 60. Ob er heute – mit 75 – seine Aussage von damals in Bezug auf die Medien so wiederholen würde? Ich befürchte ja. Wobei er besonders mit seinem letzten Satz wahrlich nicht Unrecht hätte. Wer das ganze Interview lesen möchte: -> KLICK

Nr. 452 ^.^

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3 Kommentare leave one →
  1. 14. Oktober 2016 09:00

    Nun haben wir einen Literatur-Nobelpreisträger, den zwar jeder kennt, von dem aber noch nie jemand ein Werk gelesen hat. Die Literaten raufen sich die Haare.
    Auf der NDR-Seite gibt es einen Pro-und-Kontra-Artikel „Nobelpreis für Bob Dylan – wofür eigentlich?“ Nachzulesen unter ndr.de/kultur.
    SMS

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  1. Die Irreführung – oder: „Wie dumm sind wir?“ | Ich sag' mal ...

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