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Brüssel, Taormina – München-Trudering

29. Mai 2017

Was haben diese drei Orte gemeinsam? In den letzten Tagen war Kanzlerin Merkel dort zu Gast: EU, Nato, G 7 (bzw. G 6 + 1) – bayrisches Bierzelt. Es darf bezweifelt werden, dass sie dort in „seliger Bierlaune“ war, als sie auf einer CSU-Veranstaltung diese bemerkenswerte Sätze sprach, die Stunden später in allen wichtigen Medien global die Runde machten:

Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.

Na denn, Prost!

Tw-NYT-170529-Merkel

NYT zitierte den Direktor des Chicago Council on Global Affairs, Ivo H. Daalder: „Dies scheint das Ende einer Ära zu sein, einer, in der die USA führten und Europa folgte.“

Mein erster Gedanke war: „Onkel Don macht unfreiwillig Wahlkampf für Merkel.“

Gut. In allen möglichen Medien ist viel über „Brüssel, Taormina – München-Trudering“ zu lesen. Da wird kommentiert, interpretiert – aber nur im britischen Economist

Economist-Merkel

habe ich es so deutlich gelesen: „Der Hauptempfänger der Merkelschen Bierzelt-Botschaft ist weniger die USA, oder das den Brexit planende Vereinigte Königreich, sondern der deutschen Wähler. Was in diesen beiden Ländern derzeit vorgeht, macht es selbst für so freundliche Regierungschefs wie Merkel nicht nur möglich, sondern auch in Hinsicht auf die Wahl lohnend, wichtige Partner in der Öffentlichkeit anzugreifen.“

Ungewollte Wahlkampfhilfe für Merkel von außerhalb also. „Warum, wieso?“ Na ja, siehe oben, erster Absatz. Wenn wir uns nicht mehr „auf andere völlig verlassen können“ und „unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen müssen“, dann brauchen wir dafür einen erfahrenen Politiker. Oder eben eine erfahrene Politikerin – so eine wie Kanzlerin Merkel. Ernte ich Widerspruch? Hat Merkel übertrieben? Ist es so schlimm doch nicht?

Ich sag mal …: „Unbestritten haben wir Deutschen unseren Wohlstand einer Welt zu verdanken, die so war, wie sie war. Nach dem Brexit und mit Trump muss vieles neu geordnet werden. Die Frage ist, wem wir das bei uns am besten zutrauen? Die Antwort ist wichtig, denn einige ebenso wichtige nationalen Themen würden ins Leere laufen, wenn unsere Wirtschaft nicht mehr so wie bisher funktionieren sollte. Ich ahne die mehrheitliche Antwort von uns Deutschen …, Stichwort ‚Pragmatismus statt Ideologien‚ – also keine Zeit für Experimente!“

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6 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2017 22:40

    Ein „Weiter so“ mit Merkel?
    https://smsmedien.wordpress.com/2016/11/22/weiter-so-bis-es-nicht-mehr-geht/
    Merkel als Führungsspitze von einem Europa, dass sich wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen verhält und wo die Solidarität nicht zu den größten Tugenden zählt?
    Nun, in Frankreich wurde ebenfalls ein „Weiter so“ abgewählt.
    Deine Frage
    „Nach dem Brexit und mit Trump muss vieles neu geordnet werden. Die Frage ist, wem wir das bei uns am besten zutrauen?“
    will ich so beantworten:
    Nicht allein Deutschland zählt, sondern nur gemeinsam mit Frankreich kann eine Führungsrolle übernommen werden. Ich bitte den neuen, jungen, pragmatischen und visionären französischen Präsidenten Macron nicht zu unterschätzen. Die Frage sollte eher so lauten: Wem trauen wir bei uns am besten zu, zusammen mit Macron das neu zu ordnen, was geordnet werden muss?
    Merkel? Sie hat sich mit ihrer Bierzeltrede dafür ins Gespräch gebracht. Das ist Wahlkampf. Aber ob sie dafür wirklich die beste Personalie ist?
    SMS

    Gefällt 1 Person

    • 30. Mai 2017 09:51

      Moin.
      Ich will dir ja gar nicht widersprechen. Aber zunächst muss doch auch unser Verhältnis zu Frankreich insofern „neu geordnet“ werden, weil Macron in einigen Punkten doch etwas andere Vorstellungen von Europa bzw. der EU hat, als Merkel, Schäuble & Co.. Wem trauen wir mehr zu, mit Macron einen gemeinsamen Nenner zu erarbeiten?
      Und richtig, eine europäische Führung kann es nur mit Frankreich geben – nachdem die Briten sich ausgeschlossen haben – was sie wohl noch bereuen werden ….
      Grüße von der Ostsee

      Gefällt mir

  2. 29. Mai 2017 22:51

    Eins habe ich vergessen:
    Trump, das hat gestern viele irritiert, hat von einem Erfolg seiner Auslandsreise gesprochen.
    Ich erinnere: Trump hat in seinem Wahlkampf mehr Verantwortung von den Europäern eingefordert. Wurde er von den Europäern nicht ernst genommen? Denn genau das hat er nun erreicht – oder wie ist der Satz von Merkel zu verstehen (?):
    „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.“
    SMS

    Gefällt 1 Person

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