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„Ich gehöre nicht dazu“

11. Juni 2017

Gestern wurde die „Verschlossene Auster“ verliehen. Nein, das ist keine essbare Meeresfrucht, sondern der Negativpreis von „Netzwerk Recherche“*. Preisträger 2017 ist die Regenbogenpresse („Yellow-Press“). In der Begründung heißt es:

Die Preisträger untergraben durch ihre umstrittene Form des Journalismus das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien mit irreführenden Schlagzeilen, falschen oder erfundenen Texten, fehlenden Nachfragen bei den Betroffenen, Manipulationen von Fotos und nicht selten der Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Quelle-Twitter-NeuePost

Quelle: Twitter. Bild ist damit verlinkt.

Viele Leser werden reflexartig antworten: „Ehrlich, das gibt es? Nein, so etwas lese ich nicht! Ich bin doch keinen Voyeur. Was interessieren mich die Privatangelegenheiten von irgendwelchen Promis? Ich gehöre nicht dazu.“ Hm?! Anderseits schreibt die mitausgezeichnete Bauer-Media-Group („Neue Post“ u. a.) in einer Stellungnahme:

Rund 15 Millionen Deutsche lesen Woche für Woche Yellow-Titel. Leserinnen und Leser machen dieses Segment somit zu einem der größten und erfolgreichsten im Land. Wir nehmen unsere Leserinnen und Leser ernst, verstehen ihre Wünsche und bedienen professionell ihre Bedürfnisse nach gut gemachter Unterhaltung.

Wie jetzt? Das erinnert mich an einen alten Spruch über die BILD: „Keiner kauft sie, aber jeder weiß, was drin steht!“ So ist das wohl, Menschen interessieren sich für Menschen. Ich sag‘ mal:

Wenn sich die Menschen doch gleichermaßen auch für die wichtigen Dinge des täglichen und zukünftigen Seins interessieren würden ….

* Netzwerk Recherche ist ein von Journalisten gegründeter Verein, um die journalistische Recherche und den Qualitätsjournalismus in Deutschland zu stärken. Leider gilt meist, dass sich hauptsächlich mit der schnellen Meldung Geld verdienen lässt – oder eben mit der voyeuristischen.

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3 Kommentare leave one →
  1. 11. Juni 2017 12:36

    Wer hat denn da „gewonnen“? Yellow Press? Heißt ALLE Boulevardzeitungen?

    Gefällt 1 Person

    • 11. Juni 2017 16:03

      Moin. Gewissermaßen ja, alle. Aber stellvertretend für „alle“ wurde der Preis an, ich zitiere per strg+c:
      „Ausgezeichnet werden die Funke Mediengruppe (für die Magazine „Die Aktuelle, „Das Goldene Blatt“, „Frau aktuell“), die Hubert Burda Media Holding (für die „Freizeit Revue“) und die Bauer Media Group (für „Das Neue Blatt“, „Freizeitwoche“, „Neue Post“, „Das Neue“). Sie erhalten den Preis auch stellvertretend für die übrigen Verlage der Branche.“
      Quelle: https://netzwerkrecherche.org/blog/verschlossene-auster-2017-fuer-die-regenbogenpresse/
      Grüße aus Scharbeutz

      Gefällt 1 Person

  2. Albert permalink
    13. Juni 2017 21:41

    So so, „rund 15 Millionen Deutsche lesen Woche für Woche Yellow-Titel“. Lesen, nicht kaufen.
    Man sagt auch, dass viele ältere Menschen nur deshalb so oft zum Arzt gehen, um diese Tabloids kostenfrei lesen zu können und nichts dagegen haben, auf den Arzt warten zu müssen.
    Das nennt man Verbreitung des Boulevard-Tratschs auf Kosten der Krankenkassen.
    Die Kassen könnte sich viel Geld sparen, die Wartezimmer würden ihrem Namen in der ersten Silbe nicht mehr gerecht und die Ärzte hätten die Zeit für die wirklich Kranken, die sie normalerweise auch bräuchten, wenn die Kassen diesen Leuten ein Abo eines dieser Blätter zukommen lassen würde.

    Und was bitteschön sind die „wichtigen Dinge des täglichen und zukünftigen Seins“?

    Etwa sich zu überlegen, wo der Strom herkommen soll, wenn wir morgen alle ein E-Auto fahren würden?
    Eine blöde Antwort und dem Boulevard entsprechen wäre: „Aus der Steckdose“.
    Doch wie kommt der Strom da erst einmal rein? Wo soll er erzeigt werden?
    In 35 neuen Kohlekraftwerken, die wir für den Auto-Energiebedarf bräuchten? Oder in neuen Photovoltaik-Anlagen von der Größe des Saarlandes? Oder wie oder was?

    Oder bedeutet das sich Gedanken über unser Trinkwasser zu machen, warum es 45% teurer werden wird? Und was sind Nitrate überhaupt? Die sind doch auch im Mineralwasser, dass ich bei Aldi oder Lidl kaufe.
    Ja. Aber was zuviel ist, ist zuviel.
    Und wo kommen die vielen Nitrate überhaupt her?
    Die kommen aus den Ställen der Landwirte, weil alles an Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung von dort auf die Felder verbracht wird.
    Und warum ist das so viel? Das war doch früher nicht so?
    An diesem Punkt eines solchen Gesprächs kann ich nur meine Nerven schonend antworten:
    „Ach weißt du was, geh du man zum Arzt ins Wartezimmer!“

    Albert

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