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Tag der deutschen Einheit?

3. Oktober 2017

171003-Kuchen-1Ich habe versprochen heute Kuchen mitzubringen. Zum Kaffee. Heute ist der einzige noch freie Tag im Kalender, bevor meine „alte“ Freundin in den Urlaub fliegt. Wenn möglich backe ich selbst statt zu kaufen. Heute ist es möglich, es ist ja ein „freier Tag“ ….

Während der Kuchen im Backofen so vor sich hin backt, frage ich mich, für wie viele Menschen dieser 3. Oktober mehr ist als „ein freier Tag“? Ich weiß es nicht. Gedanklich trage ich ein paar Fakten zusammen, so wie ich sie sehe:

Die deutsche Einheit. Nehme ich die Landesregierungen seit 1949 als Maßstab, sind die Menschen im Nord-Westen eher sozial-liberal geprägt, im Süden eher liberal-konservativ. Und spätestens seit der letzten Bundestagswahl wissen wir, dass es bei den Wählern im Osten sehr starke erzkonservative Tendenzen gibt.

DBP_1990_Deutsche_Einheit_600Noch nie ist mir Deutschland so gespalten vorgekommen wie zurzeit. „Konservativ zu sein heißt doch, das Bewährte der bestehenden Ordnung im Grundsatz zu erhalten? Oder liege ich da falsch?“ frage ich mich. Und „Nein“ antworte ich mir, „in Kurzform ist das richtig“. Wieder fällt mir der Satz von, keine Ahnung, ein: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Sonst wird der Revolutionär von gestern zum Konservativen von heute.“ Hat Wolf Biermann das gesagt? War das eine Anspielung auf Fidel Castro? Ich weiß es nicht mehr.

„Wir sollten wirklich aufhören mit diesem ganzen ‚Links-Rechts-Gequatsche‘, der Mensch verhält sich nicht ‚rechts‘, sondern er fährt vielleicht rechts auf der Straße“, sinniere ich so vor mich hin. „Er kann sich konservativ verhalten. Und er wählt dann die Partei von der glaubt, dass sie am besten das Bewährte der bestehenden Ordnung im Grundsatz erhalten will“. Das ist wahrscheinlich in den neuen fünf Bundesländern nicht das Gleiche wie in der alten BRD. Und erstmals haben das mehr Ostdeutsche eher der AfD als den Linken zugetraut.

171003-Kuchen-3Während ich mich noch frage, ob ich mit meiner These völlig daneben liege, bimmelt der Backofen. Also Themawechsel. Der Kuchen ist fertig. Mein „Einheits-Kuchen“. Noch abkühlen lassen und los – den freien Tag genießen. Wahrscheinlich werden wir nachher wieder bei dem Thema landen. Aber egal. Wenn wir versuchen zu verstehen, warum sich andere anders verhalten als man selbst, dann fällt es auch leichter sie zu respektieren. Die kriegen auch ein Stück Kuchen. Die marktschreierischen Populisten aber nicht!

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6 Kommentare leave one →
  1. 3. Oktober 2017 14:59

    Na prima. Bist aber grosszügig 😊😋

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  2. Albert permalink
    3. Oktober 2017 19:02

    Bitte im Halbsatz „bei den Wählern im Osten sehr starke erzkonservative Tendenzen gibt“ das Adjektiv „erzkonservative“ durch „nationalkonservative“ ersetzen und danach hätte ich auch gerne ein Stück von dem Kuchen.
    Albert

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    • 3. Oktober 2017 19:28

      … nein, die hm Tendenzen im Osten (und anderswo) sind einfach liberal bis konservativ, und woanders sind sie linkssozialistisch bis linksextrem.

      Warum: Ihr habt übersehen, dass sich das Maßstab-Schema geändert hat. Huch, wer hat das geändert-?, und warum?, egal.
      Indem aber hieru nd da draußen fast jeder dieses komische Maßstab-Schema für existent hält, glaubt man, dass Positionen, die noch vor Kurzem als liberal galten, hm ‚eigentlich ja rechts‘ seien.

      P.S.
      Dem Sven alles Gute 🙂

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