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Weihnachtsmärkte – müssen die so heißen?

17. Dezember 2017

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Timmendorfer Strand. Timmendorfer Platz. Ein paar Getränke- und Imbissbuden – plus ein Zelt mit Musik, Tanzfläche, Glühwein. In der Reihenfolge. (Bild vergrößern)

„Warum nennen die das hier ‚musikalischen Winterzauber‘ und nicht Weihnachtsmarkt? Weil die Bürgermeisterin ein Moslem ist?“, fragt sie ihn. Das Pärchen steht an einem Stehtisch neben mir und beide trinken wohl gerade nicht ihren ersten Glühwein an diesem Tag. „Oh nee“, denke ich, als der Gefragte antwortet: „Wenn das Wetter so bleibt wie die letzten Tage, dann sollten die das in ‚musikalischen Regentanz‘ umtaufen!“ Seine Antwort ist wenigstens originell und nicht so dumpfbackig wie die Frage seiner Gefährtin. Oder Frau, so eine vom Typ 60-40-50: Sieht aus wie 60, macht auf 40 und ist wahrscheinlich 50.

Ich möchte etwas dazu sagen. Doch in dem Moment dreht sich ein Mann, Typ Seebär, vom Nebentisch um: „Muslima. Unsere Bürgermeisterin Hatice Kara ist eine Muslima. Und wenn Sie bis sechs durchhalten, dann können Sie sie selbst fragen. Dann wird unser Pastor Professor Vogel hier eine Ansprache halten und sie wird sicher mitkommen.“ Sprach der Seebär und wandte sich wieder seinem Kumpel zu. „Prost!“ Die Gesichtsfarbe der Angesprochenen wechselt über blass in ein den Blutdruck gefährdendes hochrot. Ich kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Ich-muss-gar-nichtsVorhin auf dem Nachhauseweg frage ich mich, was das seit Jahren immer wieder soll? Warum diese Fake-Geschichten über angeblich aus Rücksicht auf Muslime umbenannte Weihnachtsmärkte, warum werden Weihnachtsmärkte in Deutschland für rechte Hetze missbraucht? Obwohl es keinen einzigen Fall einer Umbenennung aus diesen Gründen gibt, hat das mittlerweile in den sog. „sozialen Medien“ so eine Eigendynamik entwickelt, dass viele Leser das Falsche glauben – und dann kommen solche Fragen.

Es darf doch jedem Veranstalter selbst überlassen bleiben, wie er was nennt. Wenn, wie in Timmendorf, die musikalische Dauerbeschallung im Vordergrund steht, dann eben „musikalischer Winterzauber“. Und wenn ein bis in den Januar dauernder kommerzieller Markt „Wintermarkt“ heißt, dann ist das gut so. Egal, umgangssprachlich gehen wir auf den „Weihnachtsmarkt“, bei mir heißt das „Zigeunerschnitzel“ weiter so, und die Winterreifen werden nicht zu „Weihnachtsreifen“. Es geht doch um den Sinn, den Ursprung des Begriffs – und den darf man auch seinen (Enkel)-Kindern erklären. Das ist wichtiger als irgendwelche Worthülsen.

Der Coutdown läuft. Noch sechs Tage bis Weihnachten.
Macht das Beste draus!

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4 Kommentare leave one →
  1. 17. Dezember 2017 17:56

    Wo bleibt denn da die „politische Korrektheit“? 🙂
    Noch besinnliche Tage bis zum „Schmuckbaumfest“ 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • 20. Dezember 2017 11:09

      Moin. „Schmuckbaum“, meinst du so wie bei IKEA

      oder so wie in Timmendorf

      oder so wie in Kopenhagen 😉

      Das ist meine „Schmuckbaumtour“ der letzten Tage 😉
      Grüße von der Ostsee

      Gefällt 1 Person

  2. 20. Dezember 2017 18:46

    Genauso 🙂 (obwohl mir der erste deiner Auswahl weniger gefällt)

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Trackbacks

  1. II. Den Schleswiger und den Holsteiner … | Ich sag' mal ...

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