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Balkongespräche – oder warum man auf Handwerker warten muss …

17. September 2018

Balkonaussicht

Wenn Mann in einem Haus wohnt, wo andere Urlaub machen, dann lernt Mann Leute kennen. Beispielsweise können Balkongespräche sehr interessant sein, müssen sie aber nicht: Wenn ein FeWo-Mieter zu viel Sonne abbekommen hat, jedenfalls nicht nur äußerlich braun ist, dann kann Mann so ein Gespräch auch als äußerst frustrierend empfinden.

Ich hatte solch ein Gespräch fast vergessen, als ich heute auf SPON vom Fachkräftemangel in Deutschland lese. Stimmt – auch ganz aktuell: Versuche heute mal einen Installateur zu kriegen. Wartezeit eine Woche – es geht um ihre dauerlaufende Spülarmatur, die sie seit gestern nur noch durch das Schließen des Wohnungsanschlusses abstellen kann:

WA-Installateur-180917b

Ihre Vermieterin hat sich alle Mühe gegeben, aber schneller ging’s nicht. Mann kann’s nicht ändern 😉 Aber Mann weiß nun, wo Mann am nächsten Montag um 10 zu sein hat und was Mann vorher noch besorgen muss.

Zurück auf meinen Balkon. Vor zwei oder drei Wochen. Nebenan macht ein älteres Ehepaar Urlaub. Wie jeden Morgen stehe ich auf meinem Balkon, Pott Kaffee links, Morgenzigarette rechts. Mein Ritual um gut in den Tag zu starten. Der ältere Mann von nebenan, braungebrannt und grau bekleidet, tritt auf seinen Balkon, begrüßt mich und erzählt mir unaufgefordert, wie schön es hier doch ist: „Keine Neger und Zigeuner, hier ist noch alles deutsch wie man’s sich wünscht.“ Ich verschlucke mich am Kaffee! „Was ist der denn für einer? Und was glaubt er, wer in den Restaurants das Geschirr abwäscht und wer in den Hotels die Zimmer sauber macht?“ – denke ich mir und sage stattdessen: „Das heißt nicht Neger und Zigeuner. Diese Begriffe gelten als rassistisch und diskriminierend. Wir sagen Schwarze oder Afrikaner und Sinti und Roma.“

Er guckt mich verdutzt an. „Ach so“, um sofort wieder in seinen Jargon zu verfallen: „Aber son Neger kommt mir nich ins Haus. Als im Winter unser Heißwasserboiler kaputtgange war, kam der Meister erst nach ner Woch und brachte dann auch noch nen Neger als Auszubildenden mit! Nix, den hab ich natürlich nich ins Haus gelasse. Wer weiß, was der an Krankheiten hat? Der Meister ist dann zwar auch nich nei gekomme, aber nach noch ner Woch mit kaltem Wasser kam en anderer Meister und hat’s gerichtet.“ Absatz – das lasse ich unkommentiert so stehen.

Unser SH-MP Günther (der mit den Aufgaben gewachsen ist) hat neulich in einem Interview gesagt: „Abschiebungen treffen oft auch die Falschen“. Oh wie Recht er doch hat. Und andere, die Mann gerne auf den sprichwörtlichen Mond schießen möchte, die bleiben uns erhalten. Und wir sollten froh über jeden Handwerker sein, und solche, die das Handwerk erlernen (wollen)! Das gilt auch für den Pflegebereich usw. usw.! Der Bedarf ist da.

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5 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2018 19:43

    Boahhhh… Wat haste nur für krass gebräunte Asylanten neben dir, in direkter Nachbarschaft lieber Sven!!!?? 😱😅
    Da kann ich dem Günther nur ganz laut zustimmen!😉
    Liebs Grüßle von Hanne

    Gefällt 1 Person

    • 18. September 2018 08:33

      Moin Hanne.
      Ja, es gibt Geschichten, die glaubt man nicht. Oder man möchte sie nicht glauben, bis sie einem selbst widerfahren. Seit zwei Jahren ist die Wohnung nebenan nun eine FeWo und ich habe mit den Urlaubern schon so manches Gespräch von Balkon zu Balkon geführt. Aber über keines könnte ich heute im Detail berichten. Aber das von vor zwei, drei Wochen, das hat sich mir eingeprägt und das wird sicher noch lange bei bestimmten Anlässen mir wieder präsent sein. Also wenn ich die Geschichte nicht selbst erlebt hätte, ich würde sie auch kaum glauben.
      Wo die Leute herkommen, kann ich nicht sagen, kann seinen Dialekt nicht verorten. Sächsisch war es jedenfalls nicht und Plattdeutsch schon gar nicht.
      Seine Nachbarn kann man sich leider nicht aussuchen – und die in einer FeWo schon gar nicht.
      Liebe Grüße zurück 😉

      Gefällt 1 Person

      • 18. September 2018 09:36

        Moin Sven,
        ist ja auch nicht wichtig woher diese „Urlaubsgäste“ neben dir jeweils stammen, sondern wie ihre Gesinnung und überhaupt ihr Wesen ist denke ich.
        Na denn wünsche ich dir künftig nur noch wirklich nette und auch innerlich farbenfrohe Nachbarn in dieser FeWo. 🍀
        Liebs Grüßle 🌞

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