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Was der Dieter wohl dazu sagen würde …?

19. September 2018

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Ich habe Dieter Hildebrandt gemocht. Er war für mich ein ganz besonderer politischer Kabarettist der alten Schule. Gefallen hat mir seine verbindliche Art zu plaudern – bisweilen stotternd assoziativ – doch wenn er uns sagte, meinte er auch uns – uns alle nämlich.

Als ich gestern am späten Spätnachmittag – vielleicht war es auch schon am frühen Frühabend – im Autoradio das Ergebnis des Koalitionsgipfels hörte, fiel mir ad hoch nur ein Attribut dazu ein: „Grotesk. Das ist doch grotesk!“ Heute kann ich in allen Online-Zeitungen nachlesen, dass ich mit meinem Empfinden nicht alleine dastehe. >Ironie an< „Das beruhigt mich ungemein!“ >Ironie aus< Nein, in der Sache wurde vielleicht die Regierungskoalition gerettet, aber auch sehr viel Vertrauen in selbige zerstört (!) – was mich wiederum verstört und alles andere als beruhigt!

Ich frage mich, wie ernst wir dieser Tage die Politik noch nehmen können? Oder sollen? Anmerkung gestern von meinem Freund  S.: „Das Leben besteht aus Politik. Politik ist die Regelung aller Angelegenheiten in unserem Gemeinwesen. Es vergeht kein Tag ohne Politik und nichts beeinflusst unser Leben so wie die Politik.“ Das stimmt sicherlich, mit Ausnahme dessen, was die Natur regelt. Mir geht es jedenfalls wie Hildebrandt (s. o.) und deshalb hängt seit Jahren dieses Bild über meinem Schreibtisch:

Ringelnatz-Humor-SM

Vergrößern. Die Politik ist nun mal unser alltäglicher Begleiter und die von uns gewählten Politiker bestimmen über selbige. Allein wir entscheiden, wie wir mit ihr und ihnen umgehen. Von zustimmen über einmischen bis ignorieren ist alles opportun. Jeder hat das Recht zu einem gerade medial präsenten Thema nichts zu sagen. Zumal in den Medien oft an der Mehrheit vorbei diskutiert wird (aus der taz – sehr lesenswert). Daran muss sich niemand beteiligen und so das Thema wichtiger machen als es wirklich ist. Punkt! Das wollte ich nur mal angemerkt haben. Allerdings sollte jeder Demokrat unter uns dafür Sorge tragen, dass wir morgen noch welche sein können.

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18 Kommentare leave one →
  1. 19. September 2018 10:59

    Moin Sven,
    bin ja mit Dieter Hildebrand aufgewachsen, war immer begeistert von seinen zum Nachdenken animierenden satirischen Auftritten und denke, dass er sich seit langem bezüglich unserer „Art Politik“ und überhaupt im Grab dreht wie ein Brummkreisel.
    Liebs Grüßle von Hanne

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    • 19. September 2018 11:20

      Moin Hanne. Oh ja. Würde er noch leben, dann wäre er jetzt über 90. Ich glaube, bei dieser „Art Politik“ würde er wie ein Jungspund über die Bühne hüpfen und die Politiker auf’s Korn nehmen. Verdient hätten sie es allemal.
      Grüße in den Süden

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  2. 19. September 2018 14:41

    Telefonkommentar Tochter: „Noch ein Fehltritt und Maßen wird Minister. Noch zwei Fehltritte und Maaßen wird Bundeskanzler. Erkenne den Fehler und begründe ihn.“ (Tochter im Lehrer-Deutsch)

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  3. 19. September 2018 14:51

    Das absurde Theater der persönlichen Eitelkeiten und Vorteilsnahmen in der Politik wirkt zwar oft lächerlich, aber gerade darum ist es so ernst zu nehmen.

    Der vorsätzliche Zynismus von Machtmenschen wurde zu lange als präpotente Plumpheit unterschätzt wurde, aber er taugt hervorragend als Instrument zur Vergrämung aller an das Gute glauben wollenden Menschen, die aus Überzeugung wählen wollen und sich so dazu nicht mehr in der Lage sehen.

    Man sollte sich selbst weniger ernst nehmen, dass ein Parteiprogamm idealerweise die eigenen Überzeugungen in allen Punkten spiegeln soll, wie es zu Hildebrandts besten Jahren noch möglich war. Heute gilt es nicht, sich zu identifizieren, sondern einen Beitrag zu leisten, dass sich andere, angsteinflössende Mehrheiten nicht bilden können .

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    • 25. September 2018 08:28

      Moin. Das unterschreibe ich so ohne Widerworte. Ganz besonders den letzten Satz, denn die Angst habe ich mittlerweile so ein bisschen.
      Bis bald mal wieder, bin dann mal weg ….

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  4. 20. September 2018 00:37

    Schlimmer als der Vollhorst kann der M. auch nicht sein – dem bescheinige ich sogar noch einen höheren IQ als seinem Chef. Nur wozu nutzt in diesen Kreisen Intelligenz – machen ja eh nichts Gescheites damit.
    Grüße in den „hohen“ Norden von der südlichen Hauptstadtclara

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    • 25. September 2018 08:31

      Moin Clara. Ach ja …, zumindest waren zwei Protagonistinnen jetzt intelligent genung um Fehler, Irrtümer einzugestehen und sich quasi dafür zu entschuldigen. Das lässt doch ein bisschen hoffen 😉
      Bin dann mal ein paar Tage weg, bis bald wieder! Spätestens am 14.10. 😉

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      • 25. September 2018 10:41

        Viel Spaß beim Weg-Sein, dich zieht es sicher in Enkelkreise 🙂
        Ob das „Sich-Entschuldigen“ nicht mehr Taktik und Kalkül gewesen sind.
        Schöne Zeit!

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  5. 22. September 2018 07:50

    „Jeder hat das Recht zu einem gerade medial präsenten Thema nichts zu sagen.“ ??
    Das Recht hat jeder. Doch in der Causa Maaßen führt gerade der öffentliche Druck die GroKo zu einer Neuverhandlung der von Seehofer geplanten Beförderung statt Entlassung des Verfassungsschutzpräsidenten.

    Wann hat es so etwas schon mal gegeben (?):
    http://seehofermussgehen.de/

    Dazu passt die aktuelle „Sonntagsfrage“ der ARD: Die GroKo verliert immer mehr das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler.
    Das hat es noch nie gegeben (!):
    Die CDU/CSU liegt nur noch bei 28 Prozent und die SPD ist mit 17 Prozent erstmals nur noch drittstärkste Kraft hinter der AfD mit 18 Prozent.
    Schlimmer noch: Lediglich die AfD-Anhänger halten mehrheitlich Seehofer für eine gute Besetzung als Innenminister, selbst die Union-Anhänger sehen das mehrheitlich genau anders herum.
    Mich erfreut das Ergebnis keineswegs, es gibt keinen Anlass zur Häme. Doch wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, und zwar ändert ohne auf die Rechtspopulisten angewiesen zu sein, dann muss der Druck jetzt aufrecht erhalten werden. „Seehofermussgehen.de“ ist ein Anfang.

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    • 25. September 2018 08:33

      eine interessante Seite … und wer da nicht alles unterschrieben hat! Aber meinst du, dass sich Seehofer etwas daraus macht? jedenfalls bis zum 14.10. nicht. Dann werden wir sehen … 😉

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  6. Doris Müllermeierschulze permalink
    22. September 2018 13:46

    Nahles wollte, getrieben von den Ihren, dem Seehofer „auf die Fresse“ geben. Der hat, wie beim Judo, den Angriff pariert und die Kraft auf die Angreiferin zurück gelenkt. Jetzt sind die Sozen am Jammern: Aua, der hat sich gewehrt. Wer konnte damit rechnen?

    Gefällt 2 Personen

    • 25. September 2018 08:35

      Moin. Nicht so hart bitte 😉
      … zumindest waren zwei Protagonistinnen jetzt intelligent genug um Fehler, Irrtümer einzugestehen und sich quasi dafür zu entschuldigen. Das lässt doch ein bisschen hoffen 😉
      Tel?

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  7. 3. Oktober 2018 12:47

    Als junger Mensch dachte ich immer man müsse schon sehr intelligent sein wenn man Politiker werden wolle, und ich solch einen Job nie und nimmer machen könne, und so habe ich ein solides Handwerk erlernt.
    Heute denke ich, warum bin ich damals nicht in Richtung Politik gegangen, denn so blöd wie die sich momentan verhalten war ich eigentlich nie 🙂 🙂 und hätte jetzt bestimmt eine höhere Rente.

    Liebe Grüße
    Lucian

    Gefällt 2 Personen

    • 14. Oktober 2018 11:58

      Moin Lucian. Mir hat mal einer gesagt, die Intelligenten gehen in die Wirtschaft, weil sie dort mehr verdienen. Und die, die dort nicht unterkommen, gehen in die Politik 😉
      Grüße von der Ostsee

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  8. politikundwirtschaft permalink
    27. Oktober 2018 09:22

    Es gäbe wahrscheinlich viele, die diese Zeiten nicht mehr miterleben, aber entsetzt wären was hier vorgeht. Ich glaube zum Beispiel, dass Stresemann von unserem Innenminister auch nicht begeistert wäre. Aber diese Vermutungen helfen leider auch niemandem.

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    • 28. Oktober 2018 08:33

      Moin. Das stimmt. Also versuchen wir heute das beste aus den gegebenen Umständen zu machen. Immerhin haben Stresemann und sein französischer Amtskollegen in den zwanziger Jahren mal den Nobelpreis erhalten – wenn ich mich nicht irre. Gut, die EU 2012 auch. Aber was damals geworden ist, erzählen uns die Geschichtsbücher …. und es bleibt zu hoffen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.
      Grüße von der Ostsee

      Gefällt 1 Person

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