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Der Wähler – Teil II (vs. Fußball-Fan)

29. Oktober 2018

Satire. Von Sven 😉

Zur Erinnerung, der erste Absatz vom Teil 1 vor elf Monaten: „Der Wähler ist alles andere als ein Souverän. Nix da, er ist ein Trottel, ein Ignorant – oder einfach ausgedrückt: Ein Vollpfosten!“

Fußballfan (2)bHeute sehe ich null Anlass meine Meinung von damals zu ändern. Im Gegenteil. Ich fühle mich bestätigt. Dabei hätte ich gestern in den Minuten nach 18 Uhr – ich war auf der A7 unterwegs – am liebsten ins Lenkrad gebissen. Weniger wegen der Wahl-Meldungen aus Hessen, sondern weil Werder Bremen im eigenen Wohnzimmer Weserstadion ein Tor nach dem anderen kassiert hat. Das Hessen-Ergebnis war absehbar, die Werder-Klatsche nicht. Der Hessen-Wähler hat der Landes-CDU und -SPD stellvertretend wegen der Unzufriedenheit mit der Berliner-Bundes-GroKo quasi den Mittelfinger gezeigt. Gleichsam könnte der Bremer-Werder-Fan wegen des desolaten Auftretens der Bundesliga-Profis zum nächsten Spiel der 2. Mannschaft gehen und dort die Regionalliga-Amateure auspfeifen! Wie hohl wäre das denn? Würde das jemand verstehen? NEIN!

Fußballfan (3)bDer Fußball-Fan gilt als einigermaßen verrückt. Mia san mia; Echte Liebe; Spürbar anders; Nur der HSV – und so weiter. Bisweilen unterstützt der Fan lieber die Amateure seines Vereins, wenn er mit der Leistung der Profis nicht einverstanden ist, statt den Verein zu wechseln. Der Wähler ist da anders gestrickt: Der nimmt alle Mannschaften des von ihm präferierten Vereins in Sippenhaft, wenn es „oben“ nicht so läuft. Profis doof, gleich alle doof!

Der Wähler aus der Gattung der Schwarmintelligenzler ist ein schwer verständliches Wesen. Erst streut er sich viel zu viel Salz in seine Suppe und weil die ihm – verständlich – danach nicht schmeckt, macht er den Koch dafür verantwortlich. UNGLAUBLICH!

Fußballfan (1)bNun stelle man sich mal vor, der Wähler würde es dem Fußball-Fan gleichtun: Die Profis (GroKo) gefallen ihm nicht mehr, dafür unterstützt er die Amateure aus der zweiten Reihe. Und wenn die Amateure dadurch erfolgreich sind, können sie welche von den Profis ersetzen. Aber nein, der Wähler hat mit dem Fußball-Fan nichts gemein: Er wechselt den Verein. Nix mit „Mia san mia; Echte Liebe; Spürbar anders; Nur der HSV“. Klugscheißer nennen das „Demokratie – Herrschaft des Staatsvolkes“ – Fußball-Fans hingegen „Fahnenflucht“.

+++

ABER: Fußball ist vielleicht eher mit einer Religion vergleichbar. Jedenfalls gibt es Beispiele dazu. Und so ist es gut, dass unser Staat von der Kirche getrennt ist, sprich die Politik von der Religion. Mir ist ein noch so unvollkommener Wähler, der sich zu recht Demokrat nennen darf, allemal lieber als ein Wähler, der einem Autokraten durch seine Stimme zur Legitimation verhilft – und sich später vielleicht wundert, dass er nichts mehr zu wählen hat.

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11 Kommentare leave one →
  1. 29. Oktober 2018 15:16

    Ich habe vor kurzem von einer Person, der ich es nicht unbedingt zugetraut hätte, ein Video bekommen, wo sich einer von der blauen Partei auslässt. – Ich antwortete: Das Video irritiert mich sehr. Ich weiß nicht, wie du zu denen stehst. Ich habe mit ihr nichts im Sinn und nichts am Hut.“
    Darauf die Antwort: Ich im Prinzip auch nicht, aber irgendwie haben sie immer häufiger Recht. Ich weiß nicht nicht, wie ich mich heute bei einer Wahl entscheiden würde.“
    Als ich dann antwortete: „So ähnlich muss es 1933 mit der NsDAP auch angefangen haben. Damals waren es die Juden, heute sind es die Flüchtlinge“ gab es keine Reaktion mehr.
    Du hast schon recht mit den volltrotteligen Wählern.

    Gefällt 2 Personen

    • 30. Oktober 2018 10:17

      Moin Clara.
      Ja, ich sehe auch viele Parallelen zu den dreißiger Jahren.
      Madeleine Albright, die ehemalige US-amerikanische Außenministerin, hat in diesem Jahr ein für mich lesenswertes Buch herausgebracht: „Faschismus – Eine Warnung“
      Albrights Familie stammt aus Prag und floh zweimal: zuerst vor den Nationalsozialisten, später vor dem kommunistischen Regime. Auf Grundlage dieser Erlebnisse und der Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer diplomatischen Karriere sammelte, zeichnet sie die Gründe für das Wiedererstarken des Faschismus nach. Sie identifiziert die Faktoren, die zu seinem Aufstieg beitragen und warnt eindringlich vor den Folgen.
      Selbst hätte ich von meinem Großvater väterlicherseits gerne Antworten über die Zeit damals gehabt, aber das Thema war tabu. Ich weiß nur, wie in seiner Heimat Pommern, heute Polen, im Kreis Stargard, heute Saatzig, gewählt worden ist. Und vor einer Wiederholung solcher Ergebnisse und deren Folgen graut mir!
      Arbeiten wir daran, dass sich das nicht wiederholt.
      Grüße!

      Gefällt 1 Person

      • 30. Oktober 2018 12:57

        Meine Mutter – Baujahr 1915 – tat auch immer so, als wenn sie alle nichts gewusst haben.
        Fast wie heute – keiner weiß, was die Blauen für ein Programm haben.

        Gefällt 2 Personen

      • 31. Oktober 2018 11:00

        Moin Clara. Stimmt. Gefühlt besteht das Programm der Blauen, so wir es denn über „Programm“ nennen wollen, aus dem Thema „Flüchtlinge und Migration“. Zu allen wichtigen sozialen Themen gibt es nur widersprüchliche Meinungen, aber keine deutlichen Aussagen, wie was in der Zukunft geregelt werden soll. Jedenfalls ist mir dazu von denen nichts bekannt.
        Nun ist ihnen ja ihr „Feindbild“ abhanden gekommen … . Und nun? 😉

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  2. 30. Oktober 2018 08:33

    Der „Vollpfosten-Wähler“ hat in Hessen immerhin erreicht, was vorher kaum vorstellbar war: Das Ende der Ära Merkel! In ein paar Wochen gibt sie ihren Parteivorsitz ab und Kanzlerin ist sie von nun an von SPD-Gnaden. Verlässt die SPD die Groko gibt es Neuwahlen – ohne Merkel 😉

    Gefällt 1 Person

    • 30. Oktober 2018 10:19

      Moin. Stimmt. Und der angerichtete Kollateralschaden hält sich ja in Grenzen, weil Schwarz-Grün in Hessen weiter regieren kann – wenn auch nur noch mit einer Stimme Mehrheit.
      Schauen wir mal, wie sich die CDU nun ausrichten wird …?
      Grüße

      Gefällt 1 Person

  3. 30. Oktober 2018 15:03

    Der Vollpfosten-Wähler hat aus der Geschichte nichts gelernt?

    Gefällt 2 Personen

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