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Großbritannien, das Mutterland der Demokratie?

16. Januar 2019

Brexit. Gestern verfolge ich die ultimative Sitzung im britischen Parlament. Irgendwann denke ich mir in einem Anfall von Sarkasmus: “Das nenn’ ich mal lebendige Demokratie im Mutterland derselbigen! Also Demokratie – und warum heißt es diesmal ‘Mutterland’, sonst sagt man doch immer ‘Vaterland’? Nur doof, dass es zum Brexit gleich vier nicht mehrheitsfähige Lager gibt.”

GB-Mutterland-der-Demokratie

Heute sehe ich ein Interview mit David McAllister, CDU-EU-Politiker, ein Briten-Kenner von seinen Wurzeln her. Doch Fehlanzeige: “Ich habe mir schon lange abgewöhnt die britischen Entscheidungen zum Brexit rational verstehen zu wollen. Vielmehr zeigt sich, was Demagogen und Nationalisten anrichten können. Es tut mir sehr weh mit anzusehen, wie das Land heute zerstritten und gespalten ist, wie es schlimmer nicht sein könnte.”

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Egal, ob nun im Mutterland oder im Vaterland, die Demokratie kann an ihre Grenzen stoßen, sprich sich selbst behindern. In Großbritannien erleben wir keinen Streit zwischen Für und Wider, nein, es ist viel komplizierter: Eine Minderheit um Premierministerin May möchte den mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag annehmen, findet dafür jedoch keine Mehrheit. Eine andere Minderheit, die Brexetiers, will einen No-Deal-Brexit, findet aber ebenso keine Mehrheit, wie die beiden anderen Minderheiten, die ein neues Referendum wollen bzw. so etwas wie eine Zollunion mit der EU nach dem Vorbild Norwegens. Ein wesentlicher Knackpunkt bei alledem ist die Grenze zu Irland. Nicht wenige befürchten einen neuen Nordirlandkonflikt, wenn die heute grüne Grenze wieder einer bewachten mit Zollschranken weichen sollte. Die EU will das natürlich verhindern und steht bei den Iren im Wort, deshalb gibt es den backstop im Vertragswerk – der, so wird seitens der EU immer wieder versichert, nicht verhandelbar sei. Das ist für die meisten Briten jedoch eine nicht hinnehmbare Bevormundung. Und nun? Sinnigerweise war es ein großer Ire, Bernard Shaw, Sozialist, Pazifist, Nobelpreisträger, Oscar-Gewinner, der einst den weisen und für immer gültigen Satz sagte:

Die Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden als wie wir es verdienen.

Wie das nun weitergeht? In den Medien gibt es tausend und keine Antworten darauf. Ich maße mir keine an, lasse mich überraschen. Auch im Mutterland der Demokratie wird das Leben irgendwie weitergehen, selbst wenn das dann den wenigsten gefallen sollte. So what? Mögen sie Shaw lesen 😉

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4 Kommentare leave one →
  1. 16. Januar 2019 18:22

    Ich antworte mit Churchill: „No one pretends that democracy is perfect or all-wise. Indeed, it has been said that democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time.“

    Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2019 18:53

      Moin, nein, die Demokratie ist sicher nicht perfekt oder allwissend – aber mir immer noch die liebste Staatsform. Trotzalledem 😉

      Gefällt mir

  2. 19. Januar 2019 18:12

    Ja, England ist ein gutes Beispiel für Demokratie.
    Dieser Zustand wurde gewählt.
    Es ist aber ein ganz großes Problem wenn es in eine andere Richtung geht wie es seit Jahrzehnten geht, drum müsste die Politik das rechtzeitig erkennen das etwas im Land nicht stimmt, denn hier ist doch klar ersichtlich wenn die Bürger nach ihren Wünschen wählen.
    Also soll heissen wenn die Politik das Belangen der Menschen stärker einbeziehen würden so hätten sie mehr Freiheit für die Restliche Politik, Wirtschaft und Treiben, aber wichtig ist das der Mensch im Land zufrieden ist .

    Wir sehen es ja im eigenem Land was abgeht oder schauen wir zu den Franzosen, wenn bei uns die Pflege, Rente, Kika, ec. stimmen würde so wäre es auch kein Problem sich um andere zu kümmern.

    Ich sehe hier aber auch das Problem das mich da keiner Fragt 🙂 🙂

    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir.
    Lucian

    Gefällt 1 Person

    • 22. Januar 2019 13:13

      Moin Lucia. Ja, da hast du recht – dieses Beispiel an Demokratie in England wurde gewählt. Und richtig, wir sehen, was passieren kann, wenn sich die Menschen im Land nicht richtig von den gewählten Politikern verstanden fühlen.
      Aber bei vielen Meinungen helfen m. E. nur Kompromisse weiter ….
      Viele Grüße von der Ostsee und ich wünsche dir auch noch ein schöne Woche!

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