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Meiers Rückblick 19/10 in 100 Sekunden

1. November 2019

Oktober: Satire kann man mögen, muss man aber nicht. Besonders, wenn man sie als solche nicht erkennt. Oft ist das Empfinden jedoch davon abhängig, wer Adressat der Verspottung ist. Der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich für viele jüngst die falsche Adressatin ausgesucht: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg. „Ich bin gespannt, was Greta macht, wenn es kalt wird. Heizen kann es ja wohl nicht sein“. Und so weiter. Das hat einen Shitstorm ausgelöst und weil scheinbar das mediale Interesse von der Resonanz auf Twitter bestimmt wird, hat Rudolf Ogiermann vom Münchener Merkur Nuhr interviewt. Nun ja, auf der Bühne zu meinen, dass Satire alles darf, ist das eine. Aber in einem seriösen Interview so weiter zu machen, Fakten sehr fragwürdig auszulegen und sich wie ein bockiges Kind zu verhalten, ist etwas anderes. Damit erfüllt er nun wirklich das Klischee des „alten weißes Mannes“, versehen mit dem Hinweis: „Wahrheit ist, dass ich noch nie mehr positive Rückmeldungen und mehr Publikum als heute hatte, und das freut mich sehr.“ Beim Lesen dieses Satzes musste ich an seinen Kollegen Erwin Pelzig und dessen vor Jahren gehalten Vortrag über „Die Mitte der Gesellschaft“ denken: Hier auf YouTube

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Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, die Nuhr angeblich zustimmt und ihm den Rücken stärkt? Oder ist es der rechte Rand unserer Gesellschaft, der den anthropogenen Treibhauseffekt leugnet? Und wo ich schon mal dabei bin: Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, die das „Judenthema zurücknehmen“ will und davon nichts mehr hören möchte, weil das „Hass schürt“? Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, wenn das in einer Sendung wie Hart aber fair vom Moderator nur mit den Worten kommentiert wird: „Wir lassen das einfach mal stehen, das ist eine Zuschauerdiskussion mitten aus Deutschland“? Oder trifft der Rechtspopulismus in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden?

Ich weiß es nicht. Aber die Nuhr-Kollegen Max Uthoff und Claus von Wagner scheinen es zu wissen, zumindest haben sie es für nötig gehalten, in ihrer letzten „Anstalt“-Sendung (1. Okt.) Dieter Nuhr per Einblendung auf die Klima-Fakten hinzuweisen. Nun ja, Satire darf ja alles 😉

Ein Satz noch von unserem scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Junker zu Journalisten, als es neulich wieder mal um den Brexit ging: I talk to you in English. Everyone understands English. Only the British understands nobody more.“ Ich füge hinzu: Neben Johnson & Co. fallen mir derzeit viele Menschen ein, die ich nicht mehr verstehe: Bspw. die AfD-Wähler, die bei der dritten Ost-LTW in Folge die „Rechtspopulisten“ nach Brandenburg und Sachsen nun auch in Thüringen zu deutlich über 20 % verholfen haben:

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13 Kommentare leave one →
  1. 1. November 2019 07:15

    Nuhr ist alles andere, aber kein linker Kabarettist wie Priol, Schramm, Barwasser, Mann, usw. Um in dem Bild zu bleiben, verkörpert Nuhr die Mitte der Gesellschaft und wird von ihr bedient. Allerdings ist in Deutschland Mitte nicht gleich Mitte. In Thüringen sind die Linken so bürgerlich sozialistisch und damit in der Mitte, wie es die SPD gerne wieder bundesweit wäre.

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    • 2. November 2019 09:04

      Moin. Oh ja. Die Dezimalsozikraten träumen von einer 30 vor dem Komma. Wenn das so weitergeht wie bisher, ist in einigen Bundesländern eine 3 realistischer. Und stimmt, Mitte ist nicht gleich Mitte, nicht nur in Deutschland nicht.
      Grüße aus Scharbeutz

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  2. 1. November 2019 08:37

    In allen drei genannten Bundesländern hat die AfD große Erfolge eingefahren. Damit ist sie eine demokratisch gewählte Partei. In keinem der drei genannten Bundesländer hat sie eine absolute Mehrheit erreicht.
    Fast alle Wähler in den drei genannten Bundesländern kennen aus Erleben die Symptome einer nicht mehr handlungsfähigen Regierung und versuchen dagegenzusetzen. Und ja, sicher sind sie unzufriedener. Sie wurden von der Treuhand verkauft und von der Marktwirtschaft bewusst verraten.

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    • 2. November 2019 09:42

      Moin. Stimmt. Alle Abgeordneten sind demokratisch gewählt und – Achtung asbach uralter Spruch – „jedes Land wählt sich die Regierung, die es verdient“. Aber, auch das ist eine alte Binsenweisheit und gerade für uns Deutsche geschichtsträchtig, „nicht jeder demokratisch gewählte Abgeordnete ist gleichermaßen ein Demokrat“.

      Ich versuche zu verstehen und stelle deshalb Fragen wie in diesem Beitrag. Das mag damit zusammenhängen, dass die Zeit meines einen Großvaters bis zur Flucht 1945 aus Pommern stets ein Tabuthema war. Aber ich habe die Reichtagswahlergebnisse 1932/1933 in seiner alten Heimat im Kreis Saatzig recherchiert …. Damit bin ich sinngemäß beim alten Karl Marx: „Wenn sich Geschichte wiederholt, dann das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce“. Und das macht mir ein bisschen Angst – überhaupt wenn ich die ein oder andere Aussage von demokratisch gewählten AfD-Politikern höre / lese.
      Dennoch, meine Angst ist genauso subjektiv wie die von dir zitierte Unzufriedenheit wegen der Treuhand und i. S. Marktwirtschaft. Machen wir das Beste draus 😉
      Grüße aus Scharbeutz

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      • 2. November 2019 13:43

        Meine Mutter ist aus Schlesien geflüchtet worden…

        Jedes Land wählt sich die Regierung die es verdient?

        Nun, dies kann schon deshalb nicht stimmen, weil die Wahrheit des Wahlergebnisses eine klare Absage an die Groko ist und die machen dennoch weiter, ohne jegliches Interesse an der Meinung der Bürger.

        Weder bin ich AfD Fan, noch deren Wähler, geschaffen hat diesen ganzen Spuk eine nicht mehr führungsfähige Regierung, aber das sagte ich ja schon.

        Zu Marx:
        Besser empfehle ich Engels zu lesen, der meiner bescheidenen Meinung nach, nicht nur der Geldgeber dessen war, sondern auch der Weitsichtigere der Beiden.

        Angst ist nie ein guter Ratgeber, ich versuche mir meine eigene Meinung zu bilden, was in diesem Land momentan doch recht schwierig ist.

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  3. 1. November 2019 08:39

    P.S. Gründungsort der AfD ist übrigens ein glückliches Bundesland.

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    • 2. November 2019 09:44

      Moin. Stimmt. Die AfD wurde 2013 in Hessen gegründet und die Hessen sind im Glücksatlas vorne mit vertreten. Spaß an: „Natürlich hinter Schleswig-Holstein“ – Spaß aus 😉

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  4. 6. November 2019 15:21

    „Oder trifft der Rechtspopulismus in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden?“ — das frage ich mich inzwischen nicht erst seit Thüringenwahl oder anderen, sondern seit Wochen und Monaten. Die Angst, ihre – wenn auch noch so kleinen oder sicheren – Pfründe zu verlieren, scheint die Deutschen zu einen.
    Wir werden uns bald umschauen.
    Liebe noch mächtig angekrankte Grüße zu dir

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    • 9. November 2019 09:10

      Moin Clara.
      Ja, die Frage stelle ich mir auch schon lange und immer wieder. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie in meiner eigenen Familiengeschichte von meinem Großvater nie beantwortet wurde.
      Und deshalb werden mich für den Rest meines Rentnerdaseins zwei Dinge umtreiben: 1. dass wir auch in ferner Zukunft noch ein freiheitlich demokratische Rechtsstaat sein werden und 2. bis dahin unser Klima nicht vollständig versaubeutelt haben.
      Und wenn mich mein Enkelkind am Ende meiner Tage fragt, was ich damals dafür bzw. dagegen getan habe, will ich eine ehrliche – und für meinen Teil hoffentlich zufriedenstellende – Antwort geben können – anders als mein Großvater.
      Grüße aus Scharbeutz an eine hoffentlich nicht mehr angekrankte Clara in Berlin!

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      • 9. November 2019 09:31

        Lieber Sven, ich liege in den letzten Zügen – aber nicht des Lebens, sondern der umfangreichen Krankheiten. Mit diesen Überresten kann ich notfalls leben, aber besser wäre es, wenn die auch noch verschwinden.
        Meine Enkelkinder sind ja schon ziemlich groß und beteiligen sich aktiv an der Klimaverbesserung, nicht nur an den Demos von fff. Aber ich habe leider nach wie vor, der größeren Menge von Leuten geht es am Poppes vorbei bzw. der Klimawandel wird dreist geleugnet – und das von einer Partei, die fast 25 % der Wähler vertritt. – Ich brauche bloß die Meinungen hier im Haus zu hören, da stehen mir die Haare zu Berge.
        LG aus dem Berliner Süden von Clara

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      • 9. November 2019 09:48

        Moin. Gut. Also dass es nicht die letzten Züge deines Lebens sind. 😉 Der letzte Zug unseres Lebens kann ruhig noch lange auf sich warten lassen. Plus die übliche Verspätung … 😉
        Was du schreibst, erinnert mich an Zeilen von Leona Siebenschön, geschrieben vor fast 50 Jahren:
        „Es dämmert der Verdacht, dass der point of no return auf dem ’selbstmörderischen Kurs‘ zur Selbstzerstörung und Umweltverheerung mit den Mitteln der Wissenschaft allein nicht mehr zu vermeiden ist. …“
        Wir wissen heute, dass die Wissenschaft durchaus eine Vorstellung davon hat, wie diesem ’selbstmörderische Kurs‘ begegnet werden kann, nur fehlt es offensichtlich den meisten Menschen an dem Willen, diese umzusetzen – oder, schlimmer noch, sie wollen nichts von alledem wissen und leugnen.
        Nun ja, ich versuche wie eine steter Tropfen den Stein zu höhlen.

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      • 9. November 2019 10:04

        Die Idee mit dem „steten Tropfen“ gefällt mir. „CT“ muss ja nicht zwangsläufig Computertomographie bedeuten, kann ich ja jetzt in Clara-Tropfen umwandeln.
        Ich hatte gerade mit einem Hausbewohner = Eigentümer eine Diskussion über die Rauchmelder. Ich finde es gut, dass die jetzt pflichtgemäß in jeder Wohnung = Zimmer angebracht wurden. Er hat seine mit dem Argument „Im Keller sind ja auch keine“ wieder abgeschraubt. Nur im Keller würde keiner das Piepen hören und überall sind Brandschutztüren – doch so weit hat er nicht gedacht. Leicht boshaft fragte ich ihn, ob er die akustischen Leitungen aller drei Kellerräume an sein Bett gelegt bekommen möchte, damit er dann das eventuelle Sirenengeheul der Rauchmelder hört. – So weit ging dann aber die Bereitschaft auch nicht.
        Ich, die ich wohl die einzige aus dem Osten im Haus bin, bin schon als „rote Socke“ verschrieen, weil ich mich für endlich einzubauende Wasseruhren und Heizkostenverbrauchszähler stark mache. Hier wird geheizt wie früher im Osten – wenn es zu warm ist, werden die Fenster auf kipp gestellt. – Über den Wasserverbrauch möchte ich mich gar nicht auslassen – alles wird unter fließendem Wasser gereinigt und gespült – zahlen ja die anderen mit. Ich als Einzelperson in einer der größten Wohnung zahle nach Wohnungsgröße und verbrauche so gut wie nichts oder zumindest ganz normal. – Ich darf über die Meinungen der Leute in diesem Haus nicht nachdenken, da bekomme ich schlechte Laune.
        Wenn unsere Regierung noch nicht mal zu einem vernünftigen Tempolimit bereit ist, das sagt schon alles darüber, für wie wenig sie überhaupt bereit ist. – Und wenn die 25%-Partei an die Regierung kommt, sind wir alle Sorgen los, denn da gibt es ja keinen Klimawandel mehr. – Spätestens dann gucke ich keine politischen Sendungen mehr.
        Aber jetzt genug geschwafelt – du siehst, ich bin schon ganz schön gesund wieder – vor einer Woche habe ich Strom gespart und den Computer aus gelassen. 🙂 😉

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