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Mast – FairMast – NoMast

4. Februar 2020

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, in der war die tägliche Portion Fleisch für mich ein Muss. Angesichts der purzelnden Discounter-Preise konnten wir uns das auch gut leisten.

Fleisch-Angebot-Penny-200203b

Das war damals. An den Preisen – Angebote-Screen von gestern – hat sich bis heute nichts geändert. Fleisch für unter 5€/kg gibt es bei jedem Discounter und das bedeutet trostlos-unwürdige MastStallhaltung mit wenig Platz für das einzelne Tier. Haben wir uns damals Gedanken über das Tierwohl gemacht? NEIN!

Heute esse ich nur noch wenig Fleisch, als Aufschnitt so gut wie gar nicht. Mein Sinneswandel hatte ursprünglich jedoch nichts mit den Formen der Tierhaltung zu tun, sondern mit meinem Rheuma – Morbus Bechterew. Gemeinhin gilt in Bechti-Kreisen der Verzehr von Fleisch als rheuma-förderlich und in der Literatur wird von mehr als zwei- bis dreimaligem Fleischverzehr pro Woche abgeraten. Wobei: Bei Rheumatikern spielt die Ernährung (pdf) so wie so eine sehr wichtige Rolle!

Geiz ist geil oder faire Lebensmittelpreise?

Haltungsformen-Tiere-1-4Gut so, dass das Thema zurzeit diskutiert wird. Aber alles Gerede wird zu nichts führen, wenn der Verbraucher nicht mitspielt. Doch ACHTUNG!: Alle unter uns mit schmalem Geldbeutel freuen sich über niedrige Preise. Zur recht. Denn ob ich 5 oder 10€ für ein kg Fleisch bezahle, kann für den Kassenstand im Portemonnaie schon existenziell wichtig sein. 10€ müssten es nämlich sein (habe ich gelesen), wenn Fleisch aus FairMast auf den Tisch kommen soll. Was an dieser Haltungsform, die irgendwo zwischen Stall-Massen und Bio – ~20€/kg – angesiedelt ist, fair sein soll, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Auf alle Fälle finde ich es gut, dass mittlerweile in fast allen Märkten das Haltungslabel auf der Verpackung ersichtlich ist. FairMast ist sicher nicht Massenstallhaltungsform 1. Der Konsument hat nun die Wahl…!

NoMast – das Pflanzenfleisch

Gestern habe ich es mal ausprobiert: Pflanzenfleisch. Klingt für mich so widersprüchlich wie Feuerwasser. Und nein, ich habe nicht vor Veganer zu werden. Aber in Zeiten, wo ich anfange einen Rheumaschub schon nicht mehr nach Wochen, geschweige denn nach Tagen zu bemessen, sondern nach Monaten, bin ich für alles zugänglich was helfen könnte. Also gab es gestern Nuggets aus Soja. Nun ja 😉 Im Hinterkopf habe ich noch eine Studie, das ist drei, vier Jahre her, unter welch unwürdigen Umständen Chicken-Nuggets insbesondere für die Discounter-Eigenmarken zusammen gekleistert werden. Ich glaube, seitdem habe ich keine Chicken-Nuggets mehr gegessen. Und ich sag mal so: Schlimmer haben die Soja-Produkte auf alle Fälle nicht geschmeckt 😉 Allerdings ist der Preis mit 16,60€/kg rund viermal so hoch. Ich zahle gerne hier in der Landschlachterei 10€/kg für Fleisch, zu Anlässen auch gerne mal 20€ für Bio aus einem Hofladen direkt vom Erzeuger, aber 16,60€ für einen Soja-Fleischersatz, nee, ich weiß nicht.
Egal, auch wenn Pflanzenfleisch gut für die Welt und für mich ist, sein soll, gab es heute wieder fleischlos und morgen gibt es Fisch – der ist für mich als Rheumatiker so wie so gesünder!

Nachsatz

Über die Discounter-Preise will ich mir kein Urteil anmaßen. Auch nicht, ob es ein Grundrecht auf jeden Tag Fleisch gibt – noch vor 50 Jahren hatten wir jedenfalls keins. Aber eins weiß ich: Die Massentierhaltung hat nicht wegzudiskutierende Probleme mit sich gebracht: Wir wissen heute

Gut wäre, wenn sich jeder Verbraucher über sein Fleisch-Konsum-Verhalten Gedanken machen würde. Es muss ja nicht gleich jeder Zweite zu Pflanzenfleisch greifen. Wenn aber jeder Zweite FairMast oder ähnlich gelabeltes Fleisch kaufen würde, dann wäre schon viel gewonnen. Und die Mehrkosten? Vielleicht kann hier und da auch mal auf Fleisch verzichtet werden.

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11 Kommentare leave one →
  1. giskoe permalink
    4. Februar 2020 20:41

    Was die Massentierhaltung betrifft:
    https://www.miniatur-wunderland.de/news/sauwohl-ausstellung-eroeffnung/

    Ansonsten: Wo du recht hast…

    Gefällt 1 Person

    • 12. Februar 2020 09:03

      Moin Giskoe,
      Antwort kommt verspätet, aber sie kommt.
      Danke für den Link! Famos, was die Hamburger da wieder gebastelt haben. So versteht es auch jedes Kind. Bannig good 😉
      Grüße von der Ostsee mit Pladderregen

      Gefällt 1 Person

  2. 4. Februar 2020 22:29

    Ist Soja nicht auch schädlich? Nicht für dich, aber fürs Klima usw.

    Zitat“Der weitaus größte Anteil unserer Soja-Importe, mehr als 80 Prozent, landet aber nicht in Vegetarier-Snacks – sondern in eiweißreichen Futtermitteln für die industrielle Tiermast. Und das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.“Zitat Ende

    Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal mehr, mal weniger vegetarisch ernähren würde.
    Aber inzwischen lerne ich das Kochen neu. Schmackhafte Gerichte ohne Fleisch, ja, das geht tatsächlich 🙂

    Trotzdem gibt es Fleischgerichte, dann aber von artgerecht gehaltenen Tieren. Wusstest du, dass man das z.B. beim NABU erwerben kann? Jedenfalls hier bei uns. Sie halten Tiere artgerecht und verwerten sie später.

    Ich hoffe, dieser grausamen Tierhaltung für billiges Discounterfleisch wird ein Ende gemacht. Der Verbraucher ist gefragt, er hat die Macht, das zu beenden indem er einfach nicht mehr kauft.

    Liebe Grüße in den Norden

    Gefällt 1 Person

    • 12. Februar 2020 09:18

      Moin Brigitte.
      Die Antwort kommt – mal wieder – mit Verspätung 😉
      Soja? Ich weiß nur (und hoffe dass es richtig ist), dass die Soja-Produktion, also Anbau , Ernte, usw., weitaus klimafreundlicher ist als die Fleischproduktion und man von einem Hektar-Ertrag viel mehr Menschen ernähren kann als beim Fleisch. Mit Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung, in erster Linie in Afrika, ein m. E. wichtiges Argument.
      Du: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal mehr, mal weniger vegetarisch ernähren würde.“
      Das geht mir genau so.
      Aber neugierig wie ich bin, probiere ich mittlerweile auch vegetarische Lebensmittel aus. Und ja, es gibt so ein paar fleischlose Waren, an die ich mich gut gewöhnen könnte.
      Tja, und deinen letzten Satz den kann ich nur unterschreiben. Und unterstreichen.
      Grüße von der Pladderregen-Ostsee 😉

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      • 12. Februar 2020 09:40

        Moin Sven.
        Hab schon vergessen, dass ich kommentiert hatte 😅
        Für den Soja Anbau, genau wie für Palmöl, werden Wälder gerodet.
        Korrigiere mich, wenn ich falsch informiert bin.
        Habt ihr keinen Schnee?
        Wurde doch für SH vorhergesagt.
        Ich hab jetzt immerhin mal wieder welchen gesehen. Wenn auch nur als Momentaufnahme 😉
        Grüße in den Norden 😊

        Gefällt 1 Person

      • 12. Februar 2020 10:01

        Hallo Brigitte. Nö, Schnee wat is dat? 😉
        Im Ernst: gestern Morgen war es kurzfristig ein bisschen weiß:

        Eine halbe Stunde später war durch den Regen alles wieder weg. Aktuell geht hier in Scharbeutz der Regen in Schneeregen über.
        Shitwetter!

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  3. 5. Februar 2020 00:05

    Ich bin auch immer mehr in mich gegangen und habe immer weniger Fleisch gegessen – aber ganz verzichten kann oder will ich nicht.
    Das Bett ruft mich ganz laut und ganz deutlich.

    Gefällt 1 Person

    • 12. Februar 2020 09:23

      Moin.
      Gegen lautes Bettrufen helfen Ohropax 😉
      Und nee, ganz verzichten will und werde ich auch nicht. Hin und wieder nen gooden Plocken Fleisch, dat mut sein. Aber wie gesagt, dann lege ich inzwischen mehr Wert auf die Qualität als auf den Preis.
      Grüße von der Ostsee, und es pladdert und pladdert 😉

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  4. 5. Februar 2020 08:40

    Aus fachlicher Sicht spricht nichts gegen einen Fleischverzicht.
    Bei einer ausgewogenen Ernährung nehmen wir die im Fleisch enthaltenen Vitamine und Nährstoffe durch pflanzliche Produkte auf.
    Durch viele Studien ist inzwischen nachgewiesen, dass Vegetarier deutlich seltener unter Bluthochdruck, zu viel Cholesterin, Diabetes oder Gallen- und Nierensteine leiden. Wir gehen heute davon aus, dass bei einer fleischlosen Ernährung das Herzerkrankungsrisiko um fast ein Drittel niedriger ist und das Krebsrisiko sinkt.
    Laut der DGE liegt der Fleischverbrauch in Deutschland bei 60 Kilogramm pro Kopf im Jahr. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist das viel zu viel. Würden wir unseren Fleischkonsum vernünftigerweise halbieren, dann hätte wir auch weniger schädliche Emissionen und Probleme mit dem Nitrat im Grundwasser durch eine Überdüngung.

    Gefällt 2 Personen

    • 12. Februar 2020 09:28

      Moin.
      Stimmt.
      Gestern sah ich zufällig einen Beitrag im Fernsehen über unser Essverhalten. Interessant fand ich einen Test, den irgend eine (deutsche?) Uni gemacht hat, und zwar mit Mäusen: Die eine Hälfte hat ihr Futter eher im Übermaß erhalten, die andere Hälfte 40 Prozent weniger. Und diese Mäuse sind durchweg alle älter geworden als die Vielfresser.
      Das sollte uns zu denken geben !?!
      Grüße aus Scharbeutz

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