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UEFA – Kläger und Richter in einem (ManCity)

17. Februar 2020

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ACHTUNG:
Alle Nicht-Fußball-Interessierte – angeblich soll es davon welche geben 😉 können gleich weiter klicken: Dieser Beitrag spielt ausschließlich in der Welt des Fußballs. Allerdings ist das Spielgerät kein Ball, sondern Geld. Viel Geld! In sieben Akten.

Akt 1 – Am Anfang war das Geld
Es gibt Menschen, die über scheinbar unermesslich viel Geld verfügen. Wieso und warum spielt hierbei keine Rolle. Sie haben es. Und sie glauben sich damit alles kaufen zu können. Auch sportliche Erfolge. Bspw. im Fußball. These: Geld schießt Tore. Fairplay? Ach was, das ist was für Loser.
So machen sich vor Jahren einige Geld-Könige aus Richtung Morgenland auf um im Abendland Fußballvereine zu kaufen.

Akt 2 – Shoppen gehen
Der Roman aus dem fernen Tschukotka kauft sich 2003 den Londoner Club FC Chelsea, der Mansour aus dem arabischen Abu Dhabi 2009 den englischen Club Manchester City und 2011 der Katarer Nasser den französischen Club Paris Saint-Germain. Nur um die wichtigsten Geld-Könige zu nennen. Alle drei geben sehr viel Geld für ihre Fußballvereine aus und träumen von vielen Titeln.

Akt 3 – Wer zu spät kommt, den bestraft die UEFA
Der Roman ist seinen beiden Mitbewerbern insofern im Vorteil, dass bei seinem Kauf von Financial Fairplay (FFP) noch nicht großartig die Rede ist, die hunderte Millionen von ihm in seinen Verein gepumpten Euro aber sicher mit zu diesem UEFA-Reglement beigetragen haben. Jedenfalls hat der Roman Erfolg und sein Verein gewinnt so ziemlich alles, was es zu gewinnen gibt. Nur Sympathien gewinnt er nicht, gewinnt der Verein nicht.
Der Mansour und der Nasser wollen auch viele Titel gewinnen, haben aber wegen des inzwischen in Kraft getreten Financial-Fairplay-Reglements Probleme, ihre Euro-Gaben so in den Bilanzen zu verstecken, dass alles rechtmäßig aussieht.

Akt 4 – National hui, international pfui
Die Vereine von Mansour und Nasser gewinnen zwar nationale Titel, international – in erster Linie in der Champions League – scheitern sie jedoch mit einer schon verlässlichen Regelmäßigkeit. Mansour und Nasser sind verärgert. Irgendwie muss es doch möglich sein, mit noch mehr Geld noch teurere Spieler und Trainer zu kaufen …. Geld regiert die Fußball-Welt!

Akt 5 – Financial Fairplay als Papiertiger
Die geschönten Bilanzen werden von der UEFA, dem europäischen Fußballverband, bemängelt und es kommt zu ersten Sanktionen gegen die beiden Vereine Manchester City und Paris Saint Germain. Später ist zu lesen (Spiegel Nr. 45/2018), dass “aufgrund des Drucks der Klubeigentümer auf die UEFA diese von härteren Sanktionen absah und man sich mit den beiden Vereinen auf Strafzahlungen in Höhe von je 20 Millionen Euro einigte.” Nach weiteren bisher nicht geahndeten unverhältnismäßigen Sponsoring-Deals der beiden Vereine gerät die UEFA zusehends in die Kritik und ihr wird Missachtung der eigenen Regeln vorgeworfen – zum Schutz oder aus Angst vor den Mächtigen.

Akt 6 – UEFA widerspricht der allgemeinen Erwartung
Vor drei Tagen die Meldung, die die Fußball-Welt in Aufregung versetzt hat: Manchester City wird wegen Verstöße gegen das Financial Fairplay mit einer zweijährigen Champions-League-Sperre belegt. Das ist eine mit dieser Reichweite noch nie erlebte Entscheidung und kommt einer Machtprobe mit den Vereins-Mächtigen gleich. Sollte unter dem neuen UEFA-Präsidenten  Aleksander Čeferin doch ein anderer Wind durch die Zentrale im schweizerischen Nyon wehen als zu Zeiten eines erst suspendierten und dann gesperrten Michel Platini? I hope so!

Akt 7 – Kläger und Richter
Bei aller Euphorie über die UEFA-Entscheidung und die Hoffnung, dass ebenso (weiter) bei den Parisern (und allen anderen Vereinen) genau hingesehen wird, bleibt ein ABER! Die UEFA als Verband gibt sich eigene Regeln, kontrolliert die und klagt nicht nur bei Verstößen an, sondern ist auch gleichzeitig der eigene Richter. Das ist für einen Verband auch in Ordnung. Nun kommt das ABER: Wenn der Kläger gleich Richter ist, hat das oft einen Beigeschmack und so gibt es auch im Sport ein (offiziell) unabhängiges Gericht, den internationalen Sportgerichtshof (CAS). Na ja, und frei von Kritik ist der wahrlich nicht. Persönlich – wie eine große Mehrheit – glaube ich auch nicht, dass der CAS die Entscheidung der UEFA bestätigen wird.
Vielleicht gibt es bald eine Neuaufführung des Stücks …?! Vielleicht wird der Fußball doch wieder ein klein bisschen gerechter!

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8 Kommentare leave one →
  1. giskoe permalink
    17. Februar 2020 15:19

    Wie war das mit den neuen Besen…? 🙂

    Übrigens ist mein Taschengeldkonto immer noch leer. Habe ich etwa die falschen Sponsoren?

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  2. 17. Februar 2020 19:30

    Ey ey Sir, ich habe weitergeklickt!

    Gefällt 1 Person

  3. Albert permalink
    29. Februar 2020 13:29

    Den Auschluss von diesen finanzbetrügerischen Vereinen glaube ich erst dann, wenn sie nicht mehr im Uefa-Lostopf enthalten sind. A.

    Gefällt 1 Person

  4. 1. März 2020 10:33

    Mich wundert es nicht, wenn – wie aktuell – die so genannten „Fans“ mit Schmähplakaten reagieren. Das ist zwar nicht schön und darf auch nicht sein, wenn es mit rassistischen und homophoben Äußerungen abläuft, aber solange im Profifußball der Kommerz regiert und die Spieler nichts anders sind als Söldner bzw. Gladiatoren in den Arenen der Neuzeit, braucht sich niemand darüber zu wundern.

    Liken

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