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Conny darf Anna nicht besuchen

16. Mai 2020

Oppa beim Kindergardening. So hießt da jetzt. Oppa lernt dazu. Und die Lüdde lernt auch. Gut, wäre schlimm wenn nicht, aber wir müssen mitunter aufpassen, was wir in ihrer Gegenwart sagen. Schnell plappert sie was nach. Oder sie baut es in die Spielereien mit ihren Biegepuppen ein. Dabei werden dann ganze Geschichten nachgespielt:

„Nein Tonny, du darfst nich Anna besuchen!“ sagt Mama Annette, die „nette Anette“. Anna ist nämlich Connys beste Freundin und die haben sich schon lange nicht mehr gesehen. „Wir haben doch einen Lotdaun, weil wir uns sonst alle mit Toronas anstetten!“ Witzig, das k spricht die Lüdde immer noch als t aus. „Oppa, du bist jetzt Papa Jürgen. Wollen wir auf den Spielplatz gehen?“ Solch Rollenspiele machen zu zweit natürlich mehr Spaß als wenn sie alles selber spielen und sprechen muss. „Aber Conny, der Spielplatz ist wegen Corona doch noch geschlossen!“ sagt Papa Jürgen. „Ach Jürgen, du hast doch keine Ahnung, die Spielplätze sind wieder offen.“ ruft Mama, die richtige, aus dem Hintergrund, alias Mama Annette, dazwischen. „Oppa, äh … Papa, du hast doch teine Ahnung! Im Tindergarten gibts immer noch Toronas, aba aufm Spielplatz nich mehr. Lotdaun is nur noch im Tindergarten. Wir tönnen auf den Spielplatz gehen.“

So kann das stundenlang gehen. Wie soll ein kleines Kind verstehen, dass sie zwar wieder auf den Spielplatz darf und Mama wieder jeden Tag in die Schule fährt, für sie der Kindergarten jedoch noch geschlossen ist? Und warum darf sie mit „Oppa Ostsee“, alternativ „Oppa Glatze“ 😉 spielen, aber warum darf sie nicht zur Uroma? Und so weiter. Und meine Schulleitungs-Tochter muss in ihrer Lehranstalt die strikte Einhaltung aller mehr oder weniger sinnhaften Hygienevorschriften überwachen, manchmal nicht wissend wie, während gleiche Maßstäbe privat kaum durchhaltbar sind. Widersprüchlichkeiten in der Krise. Machen wir das Beste draus 😉

Was mir aufgefallen ist: Kinder plappern nach. Logisch. Auch wenn sie den Sinn nicht verstehen. Kinder dürfen das. Aber sind wir Erwachsenen besser? Lockdown: Das aus dem Englischen übernommene Wort ist zurzeit täglich zu hören, zu lesen und trifft genau so wenig zu wie die Ausgangssperre. Bestenfalls hatten wir einen Lockdown super light und Ausgangssperren gab es in Italien, Spanien, Frankreich, nicht bei uns. Aber wahrscheinlich braucht jede Krise ihre emblematischen Begriffe, um auch in der Zukunft einen diskursiven Rahmen dafür zu haben. Egal wie falsch die Begriffe oder schief die Rahmen sind. So wie die Grenzöffnung zu Zeiten der Flüchtlingsströme 2015. Nein, die Grenzen wurden nicht geöffnet, sie waren seit dem Schengener-Abkommen 1985 offen und wurden seinerzeit nicht geschlossen. Ein großer Unterschied. Klimahysterie ist noch so ein Beispiel und nicht ohne Grund wurde daraus das Unwort des Jahres 2019. Ich weiß, ihr wisst das alle. Ich wollte das nurmalso auch erwähnt haben 😉

Schönes Wochenende!

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10 Kommentare leave one →
  1. 16. Mai 2020 11:45

    Moin Sven,
    das sind wirklich sehr widersprüchliche Denkweisen und Vorgaben zur Zeit, die nicht nur den süßen Kleinen zu denken geben.
    Gestern hatte unser kleiner Enkel Geburtstag und wieder verlief die kleine Feier im noch kleineren Familienkreis im Schrebergarten unserer Tochter, genau wie schon 4 Wochen vorher für die Enkelin mit Abstand und ohne ersehnte Umarmungen ab… Wofür mir inzwischen genau wegen den vielen Widersprüchen, auch zu den immer wieder neuen Vorgaben, jegliches Verstehen sowie Verständnis abhanden gekommen ist.
    Liebe Grüße von Hanne

    Gefällt 2 Personen

    • 17. Mai 2020 08:06

      Moin Hanne.
      Es ist ja nun mal wie es ist. Für meinen Teil halte ich es mit Snoopy

      wäge die Risiken ab, werde hier touristische Hotspots meiden, auf Hygiene achten und hoffen, dass wir in einem Jahr einen Impfstoff haben.
      Alles wird gut 😉
      Schönen Sonntag noch!

      Gefällt 2 Personen

  2. Albert permalink
    16. Mai 2020 12:38

    Zwei Anmerkungen:
    1. Warum dürfen wir Alten nicht selbst entscheiden, welchem Risiko wir uns aussetzen wollen, und welchem nicht? Warum entscheiden andere über unsere soziale Isolation und meinen, dass es so das beste für uns wäre?
    2. Vieles an Maßnahmen ist widersprüchlich und spätestens wenn Gerichte die Behörden zurück gepfiffen haben, dann haben wir es bestätigt, dass über das Ziel hinaus geschossen wurde. Und das Pfeifen wird immer lauter!

    Gefällt 1 Person

    • 17. Mai 2020 08:26

      Zwei Anmerkungen:
      1. Sicher darf jeder für sich entscheiden. Grundsätzlich. Aber: Wenn ein junger Mensch einen alten ansteckt, nur weil derdie Alte die Kontakte wünscht, dann mag sich der junge Mensch Vorwürfe machen, wenn derdie Alte in der Klinik liegt. So steht es auch den jungen Menschen frei zu entscheiden, ob sie als potentielle Virenüberträger Kontakte zu alten Menschen haben wollen oder nicht. Und wenn ja, zu welchen. Dabei ist ein alter Mensch in einem Heim sicher anders zu bewerten als einer der allein lebt.
      2. Auf der einen Seite wären – meiner Meinung nach – bundeseinheitliche Beschränkungen sicher besser gewesen und hätten für mehr Akzeptanz gesorgt. Auf alle Fälle zu Beginn der Pandemie, als noch niemand wusste, wissen konnte, wie sie sich verbreitet. Mittlerweile, wo wir eine differenziertes Bild haben, sind unterschiedliche Regeln sicher sinnvoll und vor allem verhältnismäßig: Warum sollen in MeckPom, mit wenig Infizierten, die gleichen Beschränkungen gelten wie in Bayern, mit vielen Infizierten?
      Grüße, schönen Sonntag noch 😉

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  3. 16. Mai 2020 17:24

    Hallo, Sven, mein Sohn damals war schon kurz vor der Schule und konnte weder G noch K richtig sprechen. Seine Tante, die aus dem Westen zu Besuch war, hat ihn bis zur Weißglut gebracht, wenn sie ihn fragte, ob er Tatautetse = Kakaukekse will – das hat sich natürlich für ihn vollkommen falsch angehört. Irgendwann habe ich sie rausgeschmissen und den Kleinen in den Arm genommen. – Wir waren bei der Logopädie und nichts hat geholfen.
    Eines Abends sagt er beim Abendbrot: „Nicht wahr, Mutti, der Frosch macht QUAK – mit richtigem K am Ende. – Ich dachte, der hat uns die ganze Zeit nur versch….

    Gefällt 1 Person

    • 17. Mai 2020 08:48

      Moin Clara.
      Niedlich. Wir machen uns da auch keine Gedanken. Irgendwann wird sie es richtig aussprechen. Und irgendwann wird sie wohl auch verstehen, was hier zurzeit so abgeht.
      Und mit dem „versch….“: Mir ist vor Monaten mal rausgerutscht, als sie versucht hat ihren Willen durchzusetzen: „Willst du mich verarschen?“ Das war bei mir so eine reflexartige Frage und wirklich nicht gewollt. Jedenfalls sagte sie nur „JA!“. Seitdem ist das zwischen uns zu so etwas wie einem „geflügelten Wort“ geworden. Sie kommt dann schon mal an: „Oppa, ich will dich verarschen!“, lacht und läuft weg 😉 Ach ja, wir haben schon Spaß 🙂
      Grüße und einen schönen Sonntag noch!

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      • 17. Mai 2020 10:41

        Den Opa mit zwei P finde ich ganz besonders lustig. Und ansonsten noch so viel Spaß wie möglich

        Gefällt 1 Person

      • 17. Mai 2020 16:43

        Ich weiß, wie das mit der Glatze und dem P passiert ist. Du hast ganz laut gerufen: ich brauche ein P und biete ein Büschel Haare. Und jetzt hast du das Ergebnis

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