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Was ich nicht weiß …

3. August 2020

… macht mich nicht heiß! Ihr kennt bestimmt die Redensart. Nichtwissen kann auch ein Segen sein. Sagt man so. Doch stimmt das? Ist dieser Spruch überhaupt noch zeitgemäß?

Ich habe meine Bedenken. In unserem digitalen Zeitalter wissen die großen Datensammler wie Google & Co. mehr über uns, als viele denken. Beispiel: Im März schickte mir Google unaufgefordert mein Bewegungsprofil vom Februar per Mail zu. Ähm, ja …. Ich vermute, dass durch irgend ein Update, oder was weiß ich, die Einstellung so erfolgte.
Hat Google schon immer meine Bewegungen aufgezeichnet? Ging es mir besser, als ich nichts davon wusste? Will ich das überhaupt wissen? Ist das schlimm, was Google macht? Mache ich mir zu viele Gedanken? Sollte ich das ausschalten und wenn ja, wo kann ich das? Aber welche Apps funktionieren dann nicht mehr richtig? Fragen über Fragen. Im Grunde gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder, ich nehme mir viel Zeit und ergründe alles, oder ich gehe leger darüber hinweg und sage mir: Wissen ist Macht. Nichtwissen macht auch nichts! 

Was für den Umgang mit unseren Smartphones und Social-Media-Accounts vielleicht noch egal sein kann, treibt in der derzeitigen Pandemie-Zeit schon skurrile Blüten. Ich zitiere (m)eine Soziologin: „Es gibt so viel Wissen (Ausdruck Virologen-Diplom), das motiviert aber noch lange nicht zum Handeln, so lange die Orientierung fehlt (*s.u.) und dadurch keine Notwendigkeit gesehen wird.“ Mal davon abgesehen, dass jeder Übergewichtige oder Raucher dieser Aussagen zustimmen würde, kann ich angesichts solcher Bilder vom Samstag, 1. August, hier bei uns am Strand, dem (auch) nur beipflichten.

Zum Vergrößern auf das Bild klicken. ©D.Reinhardt/dpa, ich hoffe, es gibt keine Einwände, denn selbst hatte ich null Möge, mich in diesen Trubel zu begeben. Gut, ich kann verstehen, wenn die Leute das schöne Wetter an der See genießen wollen. Und es sind nicht die Urlauber, die hier für übervolle Strände sorgen, sondern in erster Linie Tagestouristen, was die vielen Staus (NDR) und volle Parkplätze belegen. Dabei wird seit Tagen, bald Wochen, wegen der steigenden Infektionszahlen gewarnt.

Häufig habe ich dazu das Argument gehört, dass die steigenden Zahlen allein dadurch zu erklären sind, dass mehr getestet wird, bspw. bei den Urlaubsrückkehrern. Aber auch das ist widerlegt:

Außerdem sollten wir über jeden ermittelten infizierten Urlaubsrückkehrer froh sein, denn der kann in Quarantäne geschickt werden und so verringert sich die Ansteckungsgefahr.

(*s.o.) Orientierung: Mit Blick auf andere Staaten sind wir bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Vielleicht wird deshalb die Notwendigkeit vorsichtigen Handelns und Einhalten von Regeln nicht (mehr) so ernst genommen oder nicht (mehr) eingesehen: Das Präventionsparadoxon. Dennoch muss sich die Bundesregierung Versäumnisse vorwerfen lassen: Mittlerweile, ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Krise, gibt es in Deutschland immer noch keine einheitlichen Regeln oder ein verständliches Konzept. Unterschiedliche Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern sind für die Akzeptanz nicht gerade förderlich. Warum soll man die Notwendigkeit von Regeln einsehen, wenn sie im benachbarten Bundesländern nicht gelten? Dazu die Unsicherheit vieler Eltern für die Zeit nach den Sommerferien: Was passiert, falls im Herbst Kitas und Schulen im schlimmsten Fall wieder geschlossen werden müssen? Von den ganzen wirtschaftlichen Auswirkungen, im Großen wie im Kleinen, will ich jetzt gar nicht reden. Und so mag jetzt manch einer sagen: „Wenn ich doch nur wüsste …!“ 

Paradoxerweise sind es die gedankenlosen Verhaltensweisen einiger unserer Mitmenschen, das Nichteinhalten von präventiven Regeln, die Schlimmeres befürchten lassen. Die Warnungen vom RKI usw. werden ja nicht ohne Grund ausgesprochen. Ich würde mich nicht wundern, wenn genau diese Leute dann in ihrer Orientierungslosigkeit auch als erste die Auswirkungen beklagen. Soziologisch ist das alles erklärbar, menschlich kann Mann manchmal nur den Kopf schütteln 😉

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Corona: Bleibt negativ, das wäre absolut positiv

6 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2020 11:54

    Leider geht es den Vorsichtigen und Einsichtigen auch an den Kragen.
    Wären nur die Uneinsichtigen gefährdet wäre es mir wurscht.
    Oder doch nicht, denn ich bezahle ja deren Behandlungskosten mit.
    Und das vermutlich bis an deren Lebensende, wenn sie überleben, denn wie frau liest, sind die Folgeschäden immens.
    Pass gut auf dich auf da oben im Norden 😷

    Gefällt 2 Personen

    • 6. August 2020 08:35

      Moin Brigitte.
      Danke, du auf dich auch. Ja, gestern habe ich in einem Kommentar auch gehört, dass diejenigen, die sich unvernünftig verhalten und so infizieren, ihre Behandlungskosten doch bitte selber tragen mögen – und, falls Intensivbetten knapp würden, keinen Anspruch darauf haben sollten. Ja, meinetwegen. Nur meine Sorge ist eine andere: Diejenigen, die sich durch Sorglosigkeit bzw. Unvernunft infizieren, sind alle potentielle Verbreiter des Virus. Und damit wächst die Gefahr für jeden von uns.
      Ach ja, hoffentlich können wir in einem Jahr sagen: Gut dass es vorbei ist 😉
      Grüße von der Lübecker Bucht, wo wir wieder ein heißes Wochenende erwarten. Das meine ich nicht nur auf die Temperaturen bezogen ….

      Gefällt 1 Person

      • 6. August 2020 09:22

        Puh.
        Ich war gestern im Wurster Land Nordseeluft schnappen (und Vögel) und es war leer.
        Kaum ein Mensch zu sehen, nur Tausende Watvögel.
        Ach war das herrlich.
        Komm gut durch die heißen Tage.
        LG

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  2. 4. August 2020 11:22

    Wie war das (?):
    Das Dumme an der Dummheit ist, dass die Dummen nichts von ihrer Dummheit merken.
    Du magst das Präventionsparadoxon und sonstige soziologische Erklärungsversuche heranziehen, für mich sind und bleiben das COVIDIOTEN!
    Gruß, bleibe gesund, S.

    Gefällt 3 Personen

    • 6. August 2020 08:39

      Moin.
      Zu 1, keine Widerworte.
      Zu 2. die Leugner, Verharmloser, usw., als Idioten zu bezeichnen, hilft in der Sache m. E. nicht unbedingt weiter. Im Gegenteil.
      Wie auch immer, bleibe gesund, bis bald mal wieder 😉

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