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Zu viele Menschen, zu wenig Strand, zu wenig Parkplätze und wenig Ordnung

8. August 2020

Zum NDR-Beitrag | zum Vergrößern auf das Bild klicken |
dazu, NDR: Volle Strände – Großer Ansturm an Küsten in SH

Ich beneide die Verantwortlichen in den Gemeinden hier an der Lübecker Bucht nicht. Wegen Corona wurden den Kommunen Regeln an die Hand gegeben und nun müssen sie sehen, wie sie die zielführend umsetzten. Schlaue Kommentare dazu, bspw. im Anhang zu den NDR-Beiträgen, gibt es genug. Aber jeder, der einmal selbst in so einer oder ähnlich verantwortlichen Position tätig war, der weiß, dass das alles nicht so einfach ist und Regeln nur so viel wert sind, wie deren Einhaltung auch kontrolliert werden kann. Und damit sieht es mau aus:

Das geht mit der wilden Parkerei los. Obwohl es in der Gemeinde Scharbeutz offiziell Parkplatzflächen für über 3.200 Pkw und dazu ein Parkleitsystem gibt, plus die Möglichkeit, sich im Internet über die Belegung der vier großen Parkplätze zu informieren, parken immer wieder Besucher dort, wo Platz ist und sie nicht weit zum Strand laufen müssen. Oder deswegen, weil die Parkplätze voll sind. Ein Beispiel: Die B76 hier liegt außerhalb der Ortslage, erlaubt sind 70 km/h, Pkw ragen häufig in die Fahrbahn und in Ermangelung eines Fußweges laufen die Leute natürlich auf der Bundesstraße. Sehr gefährlich. Was macht die Polizei? Weiß ich nicht. Wiederholt habe ich nur gesehen, dass die vorbeifahren und es sie nicht zu interessieren scheint. Für mich gehört das in die Kategorie: Es muss erst was passieren. Muss erst was passieren?

Neulich wäre beinahe ein Kind von einem Auto erfasst worden. Dieses Foto habe ich kurz danach von einer Brücke geschossen. Zwischen den beiden weißen SUV am rechten Rand sprang das Kind hervor, erst hörte ich quietschende Reifen, dann schimpfende Eltern. Und wer schimpft mit den Eltern?

Na ja, mit der Vernunft ist das eben immer so eine Sache. Auch dieses Bild zeugt davon. Obwohl das Schild dazu auffordert, einen anderen Strandzugang aufzusuchen, wird es von Besuchern schlichtweg ignoriert. Vielleicht auch deshalb, weil zu der Zeit die Strandampel (App bzw. Internet) für alle Abschnitte von Niendorf bis Rettin volle Strände (rot) anzeigte.

Eine Strandkorbvermieterin sagte kürzlich: Ich stelle nur das Schild auf. Es ist nicht meine Aufgabe, mich mit den Gästen zu streiten und anpöbeln zu lassen. Das kann ich verstehen. Wo tatsächlich Strandkorbvermieter den Zugang zum Strand verwehrt haben, sind Leute einfach einige Meter weiter über die Dünenfläche an den Strand gelangt. Das ist zwar auch verboten, aber wer will es kontrollieren?

Im Ergebnis sah das dann heute Nachmittag so aus: Abstände werden kaum bis gar nicht eingehalten und Snutlappen in der Schlange vor dem Toilettenhäuschen sind ebenso Fehlanzeige. Und so weiter. Ich hoffe nur, dass das dicke Ende NICHT irgendwann noch kommt. Angesichts der seit geraumer Zeit steigenden Infektionszahlen bin ich skeptisch.

Zwei Sätze noch grundsätzlicher Natur: Vor einigen Tagen stand ich dabei, als zwei Alteingesessene sich darin einig waren, dass die schon lange vorhandenen Strukturprobleme hier an der Bucht nun in der Corona-Zeit deutlich zu Tage treten würden. Obwohl der Platz an der Küste begrenzt ist, seien Hotels und Ferienwohnungen ohne Ende genehmigt worden. Mit den Tagesgästen würden sich hier in Scharbeutz und Haffkrug an heißen Tagen schnell 30.000 Leute tummeln, wo ursprünglich nur 6.000 wohnen. Dann die Ordnung aufrecht zu halten, sei für die Gemeinde nicht leistbar: Zu viele Menschen für zu wenig Strand und zu wenig Parkplätze. Zumindest dem letzten Punkt kann ich zustimmen: Wenn bei mir in der Straße alles zugeparkt ist, fünf Gehminuten vom Strand weg, dann ist der Strand voll. Jetzt in Corona-Zeiten übervoll. Heute war wieder alles zugeparkt.

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un bliev gesund & munter!

23 Kommentare leave one →
  1. 9. August 2020 08:48

    Bei euch ist ja richtig was los, sogar in die heute-Nachrichten des ZDF habt ihr es gestern Abend geschafft. Applaus!

    Die Kommentare auf der NDR-Seite sind – wie immer – amüsant. Kleingeistigkeit gepaart mit Egoismen und Übertreibungen, besser könnte kein Kabarettprogramm sein.
    Mein Favorit ist der hier – und ich habe den Eindruck, der Schreiber meint das wirklich so:
    „Ganz einfach jetzt, alle Straßenzüge zur Lübecker Bucht zumachen und nur noch Urlauber reinlassen, die nachweislich längeren Urlaub machen wollen (die Dänen machen es an der Grenze vorildlich vor). Auch die Autobahnabfahrten konsequent Richtung Bäder sperren. Wer als Tagesurlauber jetzt noch anreist, hat Corona immer noch nicht begriffen. Also müssen die jetzt endlich mal begreifen, daß nach 5 Stunden im Stau Richtung See jetzt wieder 5 Stunden Stau Richtung Heimat anstehen für 5 Minuten Belehrung an der Straßensperre. Viel Spaß ihr Ignoranten und Egoisten. Und es sei euch gesagt, wir Schleswig-Holsteiner sind nicht feindselig gegenüber Gästen, wir machen uns Sorgen um eure Gesundheit.“ Kommentar von „Aufmerksamleser“ gestern.

    Ein anderer Gedanke: Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, frage ich mich, warum man das so hinnimmt, aber jede Demonstration oder Veranstaltung ähnlichen Außmaßes verbietet? Wird aus wirtschaftlichen Gründen mit zweierlei Maß gemessen? /Gruß S.

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    • 9. August 2020 10:13

      Moin. Tja, wann war PEINE das letzte mal in den Nachrichten? 😉
      Klar ist bei uns was los, deshalb wohne ich ja jetzt hier und nicht mehr in deiner Nachbarschaft 🙂
      Nee, im Ernst, stimmt schon – und auf deine Frage habe ich keine Antwort. Doch, ich hätte eine, habe eine Meinung dazu – aber nicht jetzt hier. Ich rufe dich heute Abend mal an.
      Grüße aus Scharbeutz

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  2. 9. August 2020 09:47

    Moin. Das sind schreckliche Bilder. Da lob ich mir meine Insel. Bei 78 km Küste findet sich immer ein Plätzchen, wo der Abstand zum nächsten Strandbesucher groß genug ist. Außer vielleicht am Südstrand. Aber dort sind sowieso nur die Touristen, die sich auf der Insel nicht auskennen.

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  3. 9. August 2020 11:47

    Die Ostsee entwickelt sich diesen Sommer zu Mallorca ! Verrückt !

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    • 10. August 2020 07:15

      Moin. Ja. Oder so ähnlich 😉
      Ballermann-Feeling inklusive: Ich war Samstagabend so gg. 21:30 h hier bei uns in Scharbeutz noch Tanken und war doch ein bisschen überrascht, was noch so los war. Hauptsächlich junge Leute, die wohl nur Party feiern wollten.
      Na ja, wenn es Spaß macht – vorsichtshalber mache ich aber doch lieber einen Bogen um diese Truppenteile 😉
      Grüße von der Ostsee

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  4. 9. August 2020 12:56

    egal:

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  5. 9. August 2020 17:30

    Man kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie auch ein Stückchen Strand und kühles Wasser haben möchten bei dem Wetter.
    Außerdem haben sie nur am Wochenende Gelegenheit wenn sie unter der Woche arbeiten müssen.
    Sind ja nicht alle Rentner wie wir.
    Schade, dass es zu wenig Platz für alle gibt.
    Kaum einer liebt es eingepfercht zu werden, und das auch noch in Corona Zeiten.
    Schön, dass du es Mittwoch kommod hattest wie das von dir gepostete Bild zeigt.
    Hab’s kommod und bleib gesund.

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    • 10. August 2020 07:38

      Moin Brigitte.
      Ja, ich verstehe jeden, der bei diesem warmen Wetter von der Stadt an den Strand will. Einerseits. Andererseits halte ich es für ein wenig unüberlegt, wenn Leute trotz Warnungen vor vollen Stränden usw. trotzdem los fahren und dann, wenn sie wegen Überfüllung an den Strandzugängen abgewiesen werden, auch noch rumpöbeln. Zumindest berichten die heimische Zeitung und der NDR davon.
      Selbst meiden wir die Hotspots und ziehen die „kommoden“ Abschnitte vor 😉
      Bleibt gesund & munter, Grüße aus Scharbeutz

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  6. 9. August 2020 19:42

    Wir brauchen gar keine Rückkehrer aus Krisenländer – wir haben ja unsere eigenen Leute am Ost- oder Nordseestrand.
    Und tschüss – am Mittwoch schmelze ich im Bus dahin – oder auch nicht, denn der hat Klimaanlage!

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    • 9. August 2020 19:43

      muss heißen: aus KrisenländerN

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      • 10. August 2020 07:41

        Moin Clara, ja ja, ich hab das „n“ doch mit rein gelesen 😉
        Nehme dir genug zum lesen mit, die Fahrten werden lang sein. Alles Gute, habe eine schöne Zeit und komme vor allen Dingen „negativ“ zurück – also oV, ohne Virus.

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      • 10. August 2020 10:05

        Ich habe mir zwei Bücher auf den Tolino geladen, das reicht dicke. Während der Fahrt lese ich nicht so gern, weil ich dann den Kopf immer unten habe. Früher wurde mir beim Busfahren immer schlecht – außerdem will ich ja was sehen.
        Tippfehler oder Schusselfehler stören mich gar nicht – aber Grammatikfehler finde ich nicht so toll, vor allem, weil sich einer davon in den „gebildetsten“ Blogs zeigt: Der verhunzte männliche Akkusativ. Viele wissen gar nicht, dass die deutsche Sprache 4 Fälle hat und finden den Satz „Ich sehe ein Mann an der Ecke stehen“ vollkommen korrekt.
        Schau’n wir mal. Nach der Reise bin ich auf jeden Fall schlauer als jetzt.

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      • 10. August 2020 14:29

        Ich kennen jemanden, der schreibt gerne 1 Mann, statt ein, äh, sorry, einen Mann …. Das mag jedoch mit der Zeichenbegrenzung auf Twitter zusammen hängen 😉

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      • 10. August 2020 15:53

        Mit Zahl ist es ja okay, da kann ich es ja richtig lesen.
        Koffer packen ist Mist, und das bei dieser Hitze. Da ich ja in Norwegen mein Google Maps nur begrenzt nutzen könnte, weil ich nicht extra erweitern will, lade ich jetzt gerade mein altes Navi, das für ganz Europa geht. Mal sehen, ob ich mich da mit zum Hotel zurück finde, falls ich irgendwo bin, wo ich mich gar nicht mehr auskenne

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  7. 10. August 2020 14:44

    Nachrichtlich:

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    • Albert permalink
      15. August 2020 13:22

      Ich widerspreche, die Falschparker interessieren die Polizei offensichtlich nicht. Jedenfalls habe ich in all den Jahren nie einen Polizisten gesehen, der sich um Falschparker gekümmert hat. Im Gegenteil, von den Polizisten, die ich kenne, höre ich nur, dass sie dafür nicht aussteigen, um den ruhenden Verkehr würden sich die Ordnungsämter kümmern.
      Für mich werden die Gemeinden allein gelassen! Ich kenne viele Kommunale, Politiker wie Bedienstete, die das auch so sehen. Was macht denn die Polizei? Augenscheinlich „spazieren“, sorry, Streife fahren. Wenn ein Streifenwagen an all den Falschparkern außerhalb der Orte vorbei fährt, ohne merklich auf dem Weg zu einem Einsatz zu sein, dann kann man sich nur wundern. Die Ordnungsmacht ohne Ordnung oder ohne Macht?
      Dazu kommt, dass bei Strandabsperrungen die Strandkorbvermieter als Zugangsbewacher ehrenamtliche Ordnungsamtsaufgaben wahrnehmen sollen. Dazu sind sind aber wohl kaum befugt und es ist auch nicht ihre Aufgabe. Und rufen sie im Bedarfsfall nach dem Ordnugsamt, dann warten sie wer weiß wie lange. So höre ich jedenfalls aus den Reihen der Strandkorbvermieter. Und auch das sehe und höre ich: Noch nie sind so viele Leute einfach durch die Dünen – verbotenerweise – an den Strand gegangen. Fußstreifren der Polizei wären hier hilfreich. Gesehen habe ich jedoch noch keine. Nur Zufall? /A.

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      • 16. August 2020 08:17

        Moin. Ja, ich stimme insofern zu, dass vieles unbefriedigend und / oder suboptimal geregelt ist.
        „Ordnungsmacht ohne Macht und Ordnung“ finde ich gut. Es werden so viele Ordnungswidrigkeiten begangen, vom falsch Parken über das verbotene Betreten der Dünen bis hin zum Nichteinhalten der Corona-Regeln. So what? Man kann es vielleicht so sehen, dass es dem Staat an der Macht fehlt, dagegen anzukommen. Jedenfalls an die Vielzahl der Verstöße. Und die haben wir immer dann, wenn die Massen der Tagestouristen hier an die Bucht kommen. Bspw. in MeckPom gibt es die Probleme weniger, weil dort der Tagestourismus untersagt ist. So höre ich jedenfalls.

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