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Dünen sind Küstenschutz

21. August 2020

Aus gegebenem Anlass: Der Küstenschutz ist für die Küstenbewohner ein existenziell wichtiges Thema. Fast ein Viertel Schleswig-Holsteins, rund 3.900 km², zählt zu den überflutungsgefährdeten Küstenniederungen. In diesem Raum leben über 350.000 Menschen. Doch denken die meisten Leute beim Küstenschutz zunächst an die hohen Deiche an der Nordsee. Und die Ostsee? Dort gibt es doch keinen Tiedenhub und meterhohe Sturmfluten. Das ist richtig. Ich habe gelernt, dass das hier an der Ostsee fachlich richtig Sturmhochwasser heißt. Aber so etwas erleben wir hier quasi jährlich. Bspw. Zeertje am 2. Januar 2019 (Fotoblog). Deshalb ist der Küstenschutz an der Ostsee genau so wichtig wie an der Nordsee. Nur eben anders.

Ostseebesucher kennen sie, die Stranddünen. Viele empfinden sie als lästig, behindern sie doch den freien Strandzugang. Also werden überall aufgestellte Schilder (zum Vergrößern auf die Bilder klicken) einfach ignoriert. Immer wieder sehen wir regelrechte Furten durch die Dünen. Der Strandhafer ist zertrampelt und die Düne an diesen Stellen ungeschützt.

Warum? In diesem Corona-Jahr ist es noch schlimmer. Um einen besseren Überblick über die Anzahl der Strandbesucher zu haben, haben Gemeinden, in diesem Fall Scharbeutz, Strandzugänge abgesperrt und nur die offen gelassen, wo die Strandkorbvermieter sitzen. Theoretisch eine gute Idee, praktisch nutzlos. Im Gegenteil. Ich wohne hier ja nicht weit weg und ich habe noch nie so viele Leute durch die Dünen gehen gesehen, wie in diesem Jahr. Gründe? Wohl unterschiedlich: Die einen sind simpel zu faul einen Umweg zu machen, oft die, die auch verbotswidrig in Strandnähe parken, andere wählen den Gang durch die Dünen, wenn der Strand offiziell – Strandticker / rote Ampel – wegen Überfüllung geschlossen ist.

Dieses Bild, Dünenmeile Scharbeutz, zeigt gut, wie der Küstenschutz vielerorts funktioniert: Rechts der Strand. Wenn der Wind aus Ost kommt und ordentlich in unsere Bucht plästert, dann ist der Wasserstand schon mal ein bis eineinhalb Meter über Normal und reicht bis an die Stranddüne. Ohne die Strandhaferpflanzungen würde das Hochwasser den Bereich schnell auswaschen. Der Strandhafer hat aber noch eine andere wichtige Funktion: Er verhindert, dass Wind den Dünensand verweht und bindet Flugsand.

Eine Landratte hat mich mal gefragt, warum man das auf Fehmarn nicht so eng sieht? Gemeint war der Naturstrand im Inselnorden bei Gammendorf (Bild). Die Antwort liegt auf der Hand: Die Besucherzahl ist hier nicht übermäßig und verteilt sich großflächig. Außerdem gibt es ein paar Meter landeinwärts einen Landschaftsschutzdeich.

Diese Anlage soll Hochwasser bis ?, weiß ich nicht, abhalten. So weit wie ich weiß, wurden diese Deiche auf Fehmarn nach dem berüchtigten Sturmhochwasser von 1872 errichtet. Damals betrug der höchste gemessene Wasserstand rund 3,3 m über Normal. Heute zeugen noch viele Wasserstandsmarken an alten Gebäuden entlang der Ostsee von diesem Unglückstag. Dieser Wasserstand gilt heute noch als Bemessungsgrundlage für Küstenschutzbauwerke an der Ostseeküste.

Also bitte, wenn ihr hier mal an der Ostseeküste seid, achtet unsere Dünen und damit den Küstenschutz. Das ist wichtig – denn alles was im Sommer kaputt gemacht wird, müssen die Kommunen im Herbst wieder reparieren. DANKE!

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4 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    22. August 2020 12:36

    My weekly saturday-comment 🤓 Der Lübecker Innensenator Hinsen hat es auf den Punkt gebracht, als er von „Verrohung in unvorstellbaren Ausmaßen“ sprach und den Strandbesuchern Ignoranz der gültigen Regeln vorwarf. Mit seiner Aussage waren zwar die Zustände in Travemünde gemeint, aber die lässt sich durchaus verallgemeinern.
    Mir soll noch mal einer kommen mit „der Strand gehört nicht allein den Küstenbewohnern.“ Nein, das sicher nicht. Aber ich erwarte von jedem Besucher, dass er sich benimmt und an die Regeln hält! /A.

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