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Gut wieder hier zu sein

24. Oktober 2020

für M.


[777] Musik-Auto-Liedermacher

Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen,
gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehn.
Mit meinen Wünschen, mit meinen Fragen,
fühl ich mich nicht allein,
gut euch zu sehn.

A7. Unterwegs nach Süden. Von einer Baustelle zur nächsten. Die Nachrichten kennen hauptsächlich nur ein Thema. Leider wird per se nichts dadurch besser, dass es auf jedem Sender wiederholt, interpretiert und kommentiert wird.
Für derlei Fälle habe ich immer ein paar CDs im Auto. Mey-Wader-Wecker – das Konzert. Passt. Ein Album anlässlich des 60. Geburtstages von Hannes Wader. Der war 2002. Alter Mann habe ich damals gedacht. Heute bin ich demnach selbst einer.

Wer daran glaubt, alle Gefahren
nur auf sich selbst gestellt, zu übersteh’n
muss einsam werden und mit den Jahren
auch an sich selbst zugrunde gehen.

Gut wieder hier zu sein ist ein Lied aus der Feder von Allan Taylor mit dem deutschen Text von Hannes Wader. Ich mag die Songs der alten Liedermacher. Ihre Texte haben – für mich – einen so tiefen Sinn, der scheinbar nie an Aktualität verliert.

Und soll mein Denken zu etwas taugen
und sich nicht nur im Kreise dreh’n,
will ich versuchen, mit euren Augen
die Wirklichkeit klarer zu sehn.

Gut wieder hier zu sein – in diesem Fall in meiner Alten Heimat. Es ist wohltuend in diesen pandemischen Zeiten mal aus seiner Blase raus zu kommen und zu sehen, was andere Menschen so an- und umtreibt. Wenn Mann immer nur Gleiches hört, wird der Blick mit der Zeit vielleicht doch etwas getrübt. Oft gibt es eben verschiedene Sichtweisen auf dieselbe Realität. Die mögen schon allein davon abhängig sein, ob man im vom Tourismus abhängigen Norden oder im industriell geprägten südlichen Niedersachsen wohnt.

Und weiß ich heute auf meine Sorgen
und Ängste keine Antwort mehr,
dann seid ihr da – schon trag ich morgen
an allem nur nach halb so schwer.

Empört hat mich, was eine 18-jährige Schülerin berichtet: Sie setzt sich für den Klimaschutz (FFF) ein, auf Fleisch aus industrieller Massentierhaltung verzichtet sie und die 12 km zur Schule fährt sie mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Das würde ausreichen, so erzählt sie, um darüber Witze zu machen und ins Lächerliche zu ziehen. Über so etwas will ich mich empören! Und ich würde JEDEM sagen, dass ich derlei Reaktionen mit Verlaub als kleingeistig empfinde. Nein, wir Älteren dürfen uns nicht wegducken, wenn sich die jungen Leute für den Schutz unserer Welt einsetzen. Im Gegenteil, sie haben jede Unterstützung verdient.
Um nicht missverstanden zu werden: Jedem seine Meinung. Ich gehöre bestimmt nicht zu halb Deutschland, das auf dem Sofa sitzt und sich empört, wenn jemand einen guten (politischen) Witz macht (K.T.). Aber eben einen guten, und nicht einen naiv flachen, für den Erfolg eines kurzen Lachers. Wer assoziativ Klimaaktivisten an den Rand der Gesellschaft stellt, der hat für mich die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen,
gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehn.
Mit meinen Wünschen, mit meinen Fragen,
fühl ich mich nicht allein,
gut euch zu sehn.

Bekanntlich darf Satire alles (K.T.). Aber ist jeder Witz auch Satire? Nein – und es gibt gesellschaftlich anerkannte Grenzen, über was man keine Witze macht. Das ist gut so. Jetzt wieder zuhause in meiner Neuen Heimat denke ich mir wie gut es ist, dass eine neue Generation heranwächst, die versucht ihre Öko-Füße nicht so groß werden zu lassen wie unsere sind, die von uns heute Alten. Mit meinen Wünschen fühl ich mich nicht allein: Und ich bin zuversichtlich, dass irgendwann auch das ganze Thema Klimawandel den nötigen Ernst erfährt und darüber keine Witze mehr gemacht werden.

777

9 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    24. Oktober 2020 12:29

    Solange sich ein Dieter Nuhr unter dem Deckmantel der Satire in der ARD hinstellen und sich über Klimaaktivisten im allgemeinen und Greta Thunberg im besonderen lustig machen darf, solange dürfen wir uns über noch so platte Witze nicht wundern. Natürlich darf Nuhr das, seine dümmlichen Bemerkungen sind von der Meinungsfreiheit gedeckt und haben für mich nichts mehr mit Satire zu tun. Das ist für mich plumper Populismus. In diesen Momenten wünsche ich mir die wortgetreue Interpretation des Begriffs „Meinungsfreiheit“: frei von einer Meinung zu sein. /A.

    Gefällt 4 Personen

  2. 24. Oktober 2020 15:22

    Es gibt soviele Gründe sich für unsere Umwelt einzusetzen, bisher gemachte Fehler abzustellen, dass jeder Witz darüber genau so fehl am Platze ist, wie die, die in die Kategorien Antisemitismus, Rassismus usw. fallen. Wer das nicht versteht, der zeigt nur, welch Geistes Kind er ist. Punkt!

    Gefällt 3 Personen

    • 25. Oktober 2020 09:37

      Moin. Oh ha, nun holst du aber die große Keule raus. Meinst du nicht, dass es bei dem Vergleich doch gewisse Unterschiede gibt? Immerhin werden Witze über Klimaaktivisten noch nicht in der Kriminalstatistik erfasst ….
      Grüße in meine Alte Heimat

      Gefällt 1 Person

  3. 24. Oktober 2020 15:44

    Das noch: Wer bei Böhmermanns „Eselficker-Vers“ zustimmend den Daumen hoch hält, der sollte auch einen Nuhr ertragen können. Und umgekehrt. Kabarett kann auch aus jeder anderen als nur der linken Ecke kommen. Wem das nicht gefällt, der darf auch ausschalten. Niemand ist gezwungen, sich weder Böhmermann noch Nuhr anzutun.
    Eins räume ich allerdings ein: Sich satirisch eines Despoten wie Erdogan anzunehmen ist mir alle Male lieber, als sich über Klimaschutzaktivisten wie Greta Thunberg lustig zu machen, die sich konsequent an der Wissenschaft orientieren.

    Gefällt 1 Person

  4. 25. Oktober 2020 00:35

    Hi Sven, ich könnte mir sehr gut vorstellen, mit dir mal live zu sprechen oder auch zu diskutieren und nicht immer nur hier mit dem Bewegen der Finger über die Tasten. – Ich bin zwar jetzt schon ewig in Berlin – aber als Heimat habe ich es dennoch nie so richtig empfinden können.
    Gute Nacht – egal, wann du den Kommentar auch lesen magst – auf jeden Fall eine Stunde früher als es jetzt ist.
    Clara grüßt

    Gefällt 2 Personen

    • 25. Oktober 2020 09:48

      Moin Clara, ich noch mal.
      Heimat …, nun ja, ich glaube es gibt so viele Interpretationen des Begriffs und letztlich ist es wohl ein subjektives Empfinden. Für mich habe ich diesen Weg gefunden, zwischen der Neuen und der Alten zu unterscheiden. Für mich passt das so und das ist gut so.
      Klar, wenn ich mal in Berlin sein sollte, Bekannte warten schon lange auf einen Besuch, melde ich mich. Vielleicht können wir uns dann mal auf einen Schnack mit Kaffee treffen. Umgekehrt natürlich auch 😉
      Grüße aus Scharbeutz!
      Bleibe gesund & munter und verdaue gut den Jetlag.

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