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Meiers Rückblick 20/12 in 100 Sekunden

1. Januar 2021

Timmendorfer Strand, Straße am Timmendorfer Platz: Nix los in der Vorweihnachtszeit!

Dezember 2020: Die Alten erinnern sich, dass es nur früher, in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, so still um die Weihnachtszeit war, wie aktuell. Eine sehr besinnliche Zeit und Stille Nacht kriegt eine neue Bedeutung.

Der Rückblick auf den Dezember ist immer auch ein Rückblick auf das ganze Jahr. Ok, das böse C-Wort versuche ich zu vermeiden. Es ist ja auch schon alles dazu gesagt, vielleicht nur noch nicht von jedem. Wie auch immer, eins habe 2020 gelernt:
Wissenschaftler streiten nicht. Was mitunter so wahrgenommen wird, auch weil häufig von den Medien auf der Jagd nach Klicks & Einschaltquoten ordentlich aufgebauscht, ist nicht mehr als der normale Diskurs unter Fachleuten. Sagen sie jedenfalls. Beeindruckt hat mich neulich eine Studie zur Erderwärmung (Permafrost) von Jørgen Randers, wo er am Ende über die eigene Studie sagt:
„Wir hoffen inständig, dass wir falsch liegen! Und dass uns die Gemeinde der Klimaforscher widerlegt. Wir appellieren dringend an sie, das alles mit ihren komplexen Klimamodellen zu überprüfen.“
So geht Wissenschaft. Quasi als studischer Imperativ: Prüfet! Um meiner Nachkommen Willen hoffe ich, dass Fehler in den Berechnungen von Randers und seinem Team gefunden werden.

Die schönste Nachricht des Monats:
Seit ein paar Tagen wird geimpft. Glauben wir den Politikern, dürfen wir in der zweiten Jahreshälfte anfangen aufzuatmen: SH-Gesundheitsminister Garg sagte, dass „bis zum Sommer 1,25 Mio. Schleswig-Holsteiner“ geimpft sein werden (= ~45% = Risikogruppen) und sein Bundeskollege Spahn sprach von „60% bis Ende des Sommers“ (knapp 50 Mio., davon Risikogruppen ~37 Mio.).
Na denn – obwohl: Der Politik zu trauen fällt zunehmend schwerer. Häufig entstand im Frühjahr – 1. Welle – der Eindruck vom föderalen Pandemie-Flickenteppich-Aktionismus, Entscheidungen schienen unverhältnismäßig, hier so, dort so, und nicht selten wurden sie von den Gerichten zurückgeholt.

Vielleicht ist unter diesem Eindruck das Gegenteil im Herbst – 2. Welle – verständlicher: Kanzlerin Merkel konnte sich mit ihren Warnungen nicht gegen die 16 Bundesländer durchsetzen und so wurden die nötigen Maßnahmen dort jeweils zu spät beschlossen. Jetzt haben wir das Malheur mit den vielen Infizierten und müssen so viele Tote pro Woche beklagen, wie seit dem letzten Krieg nicht mehr. Dazu der Lockdown über Weihnachten/Neujahr. Angemerkt: Das stelle ich nur fest, will nicht im Nachhinein klookschietern, denn wir stochern doch alle im Nebel. Und ja, mir ist ebenso die Kehrseite bekannt: Psychische Belastung, soziale Isolation, Existenzängste, häusliche Gewalt. Hilfreich ist bisweilen ein Blick über den deutschen Tellerrand – bspw. gen Norden: König Carl Gustaf von Schweden kritisiert … – oh, nicht gut!

Mein meistgeklickter Artikel des Monats:
Das Thema Impfen hat mir vor zwei Wochen so viele Blog-Besuche eingebracht, wie sonst selten. Dabei habe ich lediglich berichtet, dass eine in den sozialen Medien kursierende Grafik über den zeitlichen Impfablauf ein Fake ist. Was motiviert solche Fälscher? Freude an der Katastrophe? K. A. – keine Ahnung.

Meine Fragen des Monats:
Mich treibt mal wieder die – philosophische – Frage nach dem gesunden Menschenstand um, wenn Menschen ignorieren bzw. abstreiten, was für 99% der Wissenschaftler Fakt ist und/oder die Geschichte uns gelehrt hat. Aber sollen Impfgegner auf Beatmung verzichten, wie Ethikrat-Professor Henn in einem Brandbrief fordert? Freiwillig in den Tod, weil sie den quasi herausgefordert haben? Verzichten, um anderen das Überleben zu ermöglichen?
Ethikrat, wir haben da ein Problem …!

Und wenn jetzt immer noch Leute gibt, die die Gefahr des Virus nicht einsehen wollen, können, oder wie auch immer, dann weiß ich nicht – mit Verlaub – was mit den degenerierten Hirnen dieser Menschen passiert ist.

Meine Aussage des Monats:
Der Kabarettist Wilfried Schmickler vor zwei Wochen in einem Interview, im Rückblick auf 28 Jahre WDR-Mitternachtsspitzen: „Der Humor hat sich nicht geändert. Was sich verändert hat, ist die Stimmung in der Bevölkerung. Der Ton ist rauer und aggressiver geworden. Das hat sich so entwickelt.“ Ich füge ein: „… und das Verhalten egoistischer!“ Wie egoistisch – und damit unsolidarisch – Menschen sein können, „ich will das, ich will das nicht, ich will aber dahin“, ist mir noch nie so deutlich geworden wie in diesen pandemischen Zeiten.

Meine Bescherung des Monats:
Am 24. Dezember haben sich die EU und Großbritannien im letzten Moment auf einen Handelsvertrag geeinigt. Das ganz große Chaos heute, 1. Januar, ein No-Deal-Brexit, ist damit abgewendet. „Die am wenigsten schlechte Version des Brexits, die eben möglich war“, so Irlands Premier Micheál Martin. In diesem Satz liegt für mich alles: So geht demokratische Politik und die besteht aus Kompromissen – wenngleich: „Großbritannien zahlt einen saftigen Preis für den Brexit“, kommentiert Stefan Kornelius in der SZ. Ich will ihm nicht widersprechen.

Meine Rede des Monats:
25. Dezember: Für die einen war es nur übliches Geseier, für andere die wichtigste Rede in dieser Zeit: Die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „… wir dürfen uns darauf freuen, dass wir das nächste Weihnachten wieder so feiern, wie wir es lieben …!“ Ich glaube, diesen Satz haben viele Menschen im Dezember gesagt. Ja, freuen wir uns darauf, auch wenn der Weg bis dahin nicht einfach sein wird. Besonders nicht für die, die in den systemrelevanten Berufen das Leben in unserer Republik aufrecht erhalten – und oft nicht mehr als ein DANKESCHÖN dafür kriegen. DANKESCHÖN!

Meinen Januar-Rückblick hatte ich am 1. Februar 2020 noch mit diesen Worten beendet: „Urban Priol würde jetzt wohl sagen: Der Rest des Jahres wird mit Sicherheit genau so bescheuert, wie der Anfang schon war. Machen wir das Beste draus, strengen wir uns an.“ Ähm ja, wenn ich mir jetzt meine 12 Rückblicke 2020 so anschaue …, oh ha!

Dann besser so, wie Priol vorgestern seinen Jahresrückblick TILT! 2020 beendet hat: „Am Ende wird doch alles gut. Und wenn es nicht gut wird, dann ist es noch nicht das Ende. Na dann, machen wir das Beste draus!“ Ja, vielleicht erreichen wir ein gutes Ende besser mit mehr Toleranz und Solidarität, mit mehr Blick auf das Ganze als nur auf sich. Das wäre wirklich schön!

Kiekst’e: Januar 2021 in meinem Fotoblog.


791 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

10 Kommentare leave one →
  1. 1. Januar 2021 11:54

    Moin. Ich wünsche euch alles Gute für das neue Jahr und machen wir das Beste aus dem, was nun kommt.
    In der Zeit steht ein lesenswertes Essay von Jakob Simmank:
    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-12/corona-pandemie-krisen-problembewaeltigung-deutschland-ausnahmezustand-gewoehnung/komplettansicht
    Wir sehen uns!

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  2. 1. Januar 2021 12:30

    Pasend zu Deinen Worten ein Zitat von Maik Brüggemeyer aus dem Rolling Stone: „In den sozialen Medien, die heute einen Großteil unserer Kommunikation und vor allem unserer Öffentlichkeit ausmachen, sind Schnelligkeit und Emotionen die harte Währung. Hier wird gemeint und betroffen gemacht und sich empört. … Aber wenn es mal kompliziert wird, wenn die sozialen Medien auf die Wissenschaft treffen, merkt man, dass sie damit ebenso überfordert sind, wie es einst in Zeiten der Aufklärung die Religion war.“
    In diesem Sinne ein frohes und gesundes Neues Jahr. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • 9. Januar 2021 09:39

      Moin.
      Sorry, dass ich so spät antworte, ich war ein paar Tage „ortsfern“, wie man so schön sagt 😉
      Danke für das Zitat. Hörst du mein zustimmendes Kopfnicken?
      Viele Grüße von der Ostsee nach Sachsen und passt auf euch auf. Alles Gute für 2021!

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  3. 1. Januar 2021 14:13

    Hallo Sven, bei Priol habe ich an dich gedacht – und geschmunzelt.
    Momentan bin ich so ganz gar nicht in Schreibverfassung, deswegen gab es auch nichts bei mir – ungeachtet des angekündigten 2-Tages-Rhythmus(ses?)
    Bei mir kommen auch ab und an solche Zugriffs“ausrutscher“ zustande – aber das sind dann durchgängig keine deutschen oder deutschsprachigen Leser, sondern grundsätzlich Zugriffe aus Amerika – wer soll das verstehen? Will Trump hier neue Gefolgsleute okkupieren?
    Alles Gute für dich wünscht Clara

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    • 9. Januar 2021 09:47

      Mor Clara. Ich noch mal 😉
      Ja, ich wundere mich auch manchmal über die Zugriffe aus dem Ausland. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich ausländische Leser sind, oder ob der Zugriff auf die Seiten nicht per VPN von einem lediglich virtuellen Standort im Ausland erfolgt?
      Aber weißt du was? Es interessiert mich auch nicht sonderlich 🙂
      Grüße, bis die Tage!

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      • 9. Januar 2021 11:21

        Mich auch nicht (sehr) – einzig und allein möchte ich aus Amerika nicht das Trump-Virus eingeschleppt bekommen!

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