Zum Inhalt springen

Wat de Buer nich kennt, dat fritt he nich

13. Januar 2021

Wat denn nu? Ich hatte ein gleiches Thema hier schon mal: Bouletten oder Frikadellen? Nun geht es um Berliner oder Pfannkuchen. He seggt so un se seggt so. Un Wikipedia seggt beid: Berliner Pfannkuchen, dat is’n „etwa faustgroßes Siedegebäck … aus süßem Hefeteig mit einer Füllung aus Konfitüre … und meist mit feinem Zucker bestäubt oder mit einer Glasur überzogen.“ Wohlgemerkt: Konfitüre und nicht Marmelade. Ihr kennt den Unterschied? Ich sage nur Konfitürenverordnung. So’n Schnickschnack, wi seggt to allens Marmelade.

Na ja, jedenfalls habe ich mit Clara aus Berlin eine Wette laufen, es geht um eine Tüte Berliner. Oder eben Pfannkuchen, weil Clara keine Berliner essen will. Aber unter Pfannkuchen, oder Pannkoken, wie wi seggt, verstehen wir hier im Norden einen platten Eierkuchen. Und um die Verwirrung noch ein bisschen zu steigern, hat Mallybeau noch ein gleiches Bild wie das hier in einen Kommentar bei Clara eingefügt. Ja, wat denn nu? Wahrscheinlich reden wir alle über dasselbe faustgroße Siedegebäck.

Wat de Buer nich kennt, dat fritt he nich – den Spruch kenne ich schon von meinem Großvater. Wenn mal etwas auf den Tisch kam, das etwas anders aussah, roch, vielleicht auch noch anders bezeichnet wurde, aber im Grunde etwas Gleiches wie sonst war, dann haben wir Kinder oft gemäkelt. Aber das machen wohl alle Kinder. Und dann hieß es: „Probiere doch wenigstens!“

Unsere Alten … in ihren Seggwiesen liegt heute noch so viel Wahrheit – selbst wenn mancher das klookschietern nennt. Egal, dazu eine Anekdote am Rande:
Es ist ein paar Dezennien her, da waren wir dienstlich als kleine Delegation in Brüssel. U. a. wurden wir zum Essen in ein indonesisches Restaurant eingeladen. Spannend! Meier, ein Bengel vom Dörpe, war vorher höchstens mal chinesisch essen, sonst kannte er bis dahin nur die europäische Küche. Immerhin. Schon bei der frittierten Vorspeise sah ich in den skeptischen Blicken meiner Mitdelegierten, dass es denen wohl nicht anders ging. Die Hauptspeise, auf Platten zur Selbstbedienung serviert, war irgend etwas Fleischiges mit Reis und Gemüse. Dazu eine absolut leckere Erdnussauce. Eine absolut leckere Kombination – allein deswegen kann ich mich noch gut an das Essen erinnern. Mit hat es jedenfalls super gut geschmeckt. Die Blicke der anderen waren immer noch recht skeptisch. Das änderte sich schlagartig, als der neben mir sitzende Brüsseler Delegationsbegleiter beiläufig erwähnte: „Wenn man bedenkt, dass das Hundefleisch ist, dann schmeckt es dafür doch ganz gut.“ Plötzlich waren alle satt. Nur Meier hat weiter gegessen. Und neben mir der Delegationsbegleiter. Wir haben quasi die Reste für uns gehabt. Später habe ich ihn gefragt, ob das mit dem Hundefleisch stimmen würde? Mir hatte es nämlich eher nach Huhn und Schweinefleisch geschmeckt. „Hundefleisch wird in Indonesien regional zwar auch verzehrt, aber nein, das war heute kein Hundefleisch. Aber dieser Trick mit der Erwähnung zieht immer, dann bleibt am Ende mehr für mich, das ist nämlich meine Lieblingsspeise.“ So habe ich das noch in Erinnerung, manche Momente des Lebens vergisst man halt nie.

Wie gesagt: „Wat de Buer nich kennt ….“ 😉 Munter bleiben!


795 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

21 Kommentare leave one →
  1. 13. Januar 2021 12:20

    Hier bei uns sind die Berliner auch Pfannkuchen. :-))) Bitte nicht falsch verstehen.

    Gefällt 1 Person

    • 13. Januar 2021 14:29

      Danke – danke – danke – sagst du mir bitte nur, aus welcher Gegend du kommst?!?! Ich bin ja in Görlitz aufgewachsen, was zu Sachsen gehört(e) – und da haben wir selbstverständlich beim Bäcker Pfannkuchen gekauft, die gefüllt und glasiert waren oder mit einfachem Zucker bestreut!

      Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 09:55

      Moin Eberhard.
      Nie nicht würde ich dich falsch verstehen 😉
      Aber wie heißen denn die Pfannkuchen, also die platten Eierkuchen, bei euch?
      Eierkuchen?
      Passt auf euch auf, bis denne – Grüße von der Ostsee nach Sachsen!

      Gefällt 1 Person

  2. 13. Januar 2021 12:25

    Sie heißen kurz „Berliner “ und wurden in meiner Kindheit Silvester gegessen.
    Einer war mit Senf gefüllt.
    Wer den erwischt hat, hatte entweder Glück oder Pech im Neuen Jahr. Das hab ich vergessen 😅

    Gefällt 1 Person

    • 13. Januar 2021 14:30

      Sie heißen eben nur in einem Teil des Landes Berliner – bei den anderen sind es u.a. die Silvesterpfannkuchen.

      Gefällt mir

      • 13. Januar 2021 14:37

        Ja, das weiß ich wohl.
        In Bayern und Österreich heißen sie Krapfen. In Hessen Kräppel, in Berlin Berliner Pfannkuchen und bei uns halt Berliner.
        Ein Berliner Bäcker hat sie erfunden und darum heißen sie halt so.
        😋

        Gefällt mir

      • 13. Januar 2021 15:30

        Bis auf das „Berliner Pfannkuchen“ kann ich allem zustimmen. Ich lebe seit 1970 in Berlin, habe aber beim Bäcker immer nur „Pfannkuchen“ gelesen, ohne „Berliner davor“
        Aber alles ist ja zwischen Sven und mir nur ein Späßchen.

        Gefällt mir

      • 13. Januar 2021 15:34

        Genau.
        Wie heißt denn ein Hamburger in Hamburg? 😆

        Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 09:58

      Nochmal Moin.
      Genau so kenne ich das auch aus meiner Alten Heimat. Besonders das mit dem Senf 😉
      Aber ok, das ist ja nicht verwunderlich, ist Bremen ja sowieso quasi in Niedersachsen eingemeindet 😉
      Muntere Grüße!

      Gefällt 1 Person

      • 16. Januar 2021 10:52

        Hihi, als Kind habe ich zuerst in Mecklenburg gelebt. Am Schaalsee und dann in Schleswig Holstein. Zwischen Brunsbüttel, das damals Brunsbüttel Koog hieß und Meldorf in etwa. Die Fähre in Averlak über den Nordostsee Kanal konnte ich mit dem Fahrrad in relativ kurzer Zeit erreichen.
        Und pass man auf, dass wir Niedersachsen nicht eingemeinden 😅😂🤣

        Gefällt 1 Person

  3. 13. Januar 2021 14:32

    Lieber Sven, ich dachte, mich streift ’n Bus, als ich das Foto sah.
    Kurze Erklärung: Berliner und Berlinerinnen sind eben keine Kannibalen und essen sich nicht selbst auf. Aber sie werden eben auch nicht gern von anderen aufgegessen 🙂 😉
    Im Grunde genommen ist es mir sch…egal, wie die Dinger wirklich heißen. Ich schicke dir heute noch eine Mail.
    Und tschüss sagt Clara mit keinem einzigen Pfannkuchen in meiner Nähe

    Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 10:01

      Moin Clara.
      Ja, das Foto finde ich auch genial. Dieses hier habe ich vor ein paar Jahren in der Faschingzeit auf Twitter gesehen und bei mir archiviert. Das Internet hat und weiß zwar alles, aber wenn mal jemand das Internetz abschaltet oder gar klaut, dann habe ich solche Bildchen in meinem Archiv. Mann weiß ja nie 😉
      Grüße nach Berlin und bleibe mir munter!

      Gefällt mir

  4. 13. Januar 2021 15:20

    Ich finde, Berliner sind da etwas empfindlich … ;-), Hamburger essen sich doch auch selbst auf, oder… :-)?

    Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 10:06

      Moin Maren.
      Klar, Hamburger, Wiener, Frankfurter ….
      Aber stimmt schon, in manchen Regionen hat derselbe Begriff eine andere Bedeutung. Ich weiß noch, als ich als Niedersache das erste Mal in München ein Bier bestellt habe. Das war ein Plörre für einen gestandenen Norddeutschen. Danach habe ich nur noch Pils bestellt 😉
      Viele Grüße und munter bleiben!

      Gefällt 1 Person

  5. 13. Januar 2021 15:54

    Lieber Sven!
    Eine lustige literarisch kulinarische Anekdote. Fraglich nur, ob man beim Verzehr von Pfannkuchen oder Berlinern einem Unwissenden weiß machen kann, dass es sich hierbei um Hundefleisch handelt. Müsste man mal auf einen Versuch ankommen lassen 🙂
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 10:26

      Moin.
      Na ja, mit Hundefleisch? Vielleicht gibt es so etwas irgendwo im asiatischen Raum?
      Hier habe ich allerdings schon mal einen „Mett-Berliner“ gesehen, also aufgeschnitten und zwischen beiden Hälften eine ordentliche Portion Mett. Wer’s mag …. Und Pfann- also Eierkuchen kenne ich hier in allen Variationen, von lecker süß bis fleischig deftig. Ist eben alles so eine Geschmackssache und ich weiß nicht, ob manches hier nur angeboten wird, um den von allen Orten kommenden Touristen gerecht zu werden.
      Viele Grüße von der ostsee, bis bald mal wieder!

      Gefällt 1 Person

  6. Albert permalink
    16. Januar 2021 12:52

    Schon mal Hundefleisch gegessen? Ich zwar auch nicht, aber ich habe mir von unseren Vietnamesen sagen lassen, das würde so ähnlich wie Rindfleisch schmecken. Ausprobieren will ich das allerdings nicht, ich nehme lieber original deutsches Rindfleisch. Da weiß ich, was ich habe. /A.

    Gefällt 1 Person

  7. 21. Januar 2021 13:36

    Der Artikel war lustig. Mit den Hundefleisch. Berliner mag ich kennst Du auch den Trick mit den Senf im Berliner.

    Grüße von Michael

    Gefällt 1 Person

    • 24. Januar 2021 07:36

      Moin. Ja, das mit dem Senf kenne ich. Erlebt habe ich es aber nur mal in entfernten Jugend-Tagen, dass das tatsächlich gemacht wurde. Aber damals hat unser Dorf-Bäcker die noch selbst produziert.
      Grüße von der Ostsee

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: