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Meier & Ärzte: Wenn analoge Technik auf Digitalisierung trifft

15. Januar 2021

Heutzutage wird privat kaum noch gefaxt. Mails oder gar Messenger-Dienste sind Stand der Dinge. Digital eben. Bei Behörden, im Gesundheitswesen usw. ist das oft anders: analog. Angeblich, so höre ich immer wieder, zum Schutz der Daten. Ähm ja, ich muss dann immer grinsen. Oder ist das vielleicht nur die Umschreibung dafür, dass man die Digitalisierung verpasst hat? Hallo?

Ich war vor drei Tage bei meinem Arzt zur Blutentnahme und wir waren so verblieben, dass mir das Ergebnis zugemailt oder zugefaxt wird. In diesen pandemischen Zeiten möchte man ja jeden unnötigen Praxisbesuch vermeiden.
Zum Faxen muss ich erklären, dass ich zuhause meinen Router als Faxserver eingerichtet und eine meiner drei Telefonnummern dafür als reine Faxnummer genommen habe. Schickt mir jemand ein Fax (was so gut wie nie vorkommt), wird es als PDF umgewandelt, intern abgelegt und ich erhalten eine Benachrichtigungsmail. Für den Faxverkehr ist das heute (nach meinem Kenntnisstand) Standard um die Ausdrucke, sprich Papier zu sparen.
Die Praxis hat mir gestern das Ergebnis zugefaxt. Sechs mal. 09:06, 09:12, 09:18, 11:16, 11:22, 11:28. Das analoge Faxgerät hat offensichtlich nicht erkannt, dass das Fax bei mir digital angekommen ist und hat es im 6-Minuten-Abstand wiederholt. Dabei hätten sie sich das Faxen im Grunde auch sparen können, denn um kurz vor zwölf erhielt ich einen Anruf, dass mich der Arzt wegen der Werte sprechen wolle. Na dann fix hin. Als ich ich kurze Zeit später die Praxis wieder verließ, hatte ich nicht nur ein Rezept, sondern – trara trara – auch einen Ausdruck meiner Blutwerte in der Hand. Diesmal mit geraden Zeilen und nicht so schief wie beim Fax, was passiert, wenn das analoge Geräte die Blätter nicht gerade einzieht.

Ja, ja, die gute alte analoge Technik. Sie war mal der Standard, aber das ist lange her. Obwohl, sie mag heute hier und da noch ihre Berechtigung haben. Aber zweifelsohne wurden vielerorts simpel die Zeichen der Zeit verpennt verkannt. In diesen pandemischen Zeiten merken wir das ganz besonders: Die Digitalisierung lässt oft, zu oft – Stichwort Schulen, zu wünschen übrig. Aber warum einfach wenn es auch kompliziert geht? Ich habe übrigens die beiden Blätter mit meinen Blutwerten bei mir eingescannt, mit geraden Zeilen, in meinem digitalen Gesundheitsordner abgelegt und den Ausdruck im Altpapier entsorgt. Papier einsparen geht anders.

Wenn es mitunter nicht so ernst wäre, dann könnte ich über solche Geschichten einfach nur schmunzeln. Is denn eben so 😉
Aber: Das RKI moniert selbst immer wieder die verzögerte Datenübermittlung an ihr Institut. Warum? Weil es eben oft noch analog zugeht. D. h., das RKI hinkt mit seinen Inzidenzzahlen meist hinter den tatsächlichen hinterher. Aber aufgrund der RKI-Zahlen werden Entscheidungen getroffen – nur lässt sich rückwirkend keine Maßnahme mehr verhängen. (s. a. SZ und SPON)

Trotz alledem: Bleibt munter und passt auf euch auf!


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8 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    16. Januar 2021 12:44

    Die Digitalisierung an unseren Schulen hat noch viel Luft nach oben und leider wurde den Sommer über verpasst, mit Nachdruck nachzubessern. Wahrscheinlich hat man nach dem Frühling dummerweise geglaubt, der Herbst würde nicht so schlimm. Warum auch auf die Fachleute, die Wissenschaftler hören? Nein, das sind doch alle nur Wichtigtuer und Hysteriker und die Politik weiß sowieso alles besser. Wie „besser“, das sehen wir heute.

    Gefällt 1 Person

    • 16. Januar 2021 23:41

      Ich nehme fast an, der Staat hat für eine komplette Ausstattung der Schulen mit Digitaltechnik schlicht und ergreifend kein Geld – das muss er ja mit vollen Händen an riesengroße Unternehmen auszahlen.
      Es ist schon ein Jammer mit diesem mistigen Virus, das bringt alles durcheinander.

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    • 18. Januar 2021 10:03

      Moin. Ja, das mit den Schulen höre ich auch, bspw. von meiner Tochter. Allerdings, so stellt sich das jedenfalls für mich dar, hängt auch vieles von den Protagonisten vor Ort ab. Es ist halt nicht damit getan, dass der „große liebe Onkel“ vorbei kommt und der Schule / den Schülern eine entsprechende Anzahl Tablets schenkt, vielleicht bestenfalls noch mit einem notwendigen Breitbandanschluss, nein alles, Hard- wie die nötige Software, alles muss auch administriert und gepflegt werden. Muss man dafür Informatik studiert haben und als Schulleitung nach A15 besoldet werden? Ich meine nein, aber …!
      Grüße, bis demnächst!

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  2. 21. Januar 2021 14:10

    Wir müssen uns oft mit dem Zufrieden geben was wir haben.

    Grüße von Michael

    Gefällt 1 Person

    • 24. Januar 2021 07:42

      Moin. Ja sicher. Mit dem, was nicht da ist, können wir nicht arbeiten. Dennoch ist Selbstkritik angebracht und vielleicht ändert sich dadurch etwas … 😉

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