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Meier & Ärzte: Die Sache mit den Neben- und Wechselwirkungen

16. Januar 2021

Gestern erwähnte ich meine analogen Blutwerte-Zettel. Na ja, letztlich ist es egal, wie man sie erhält, wichtig ist, dass man sie hat. Nicht selten, zumal mit zunehmenden Alter, soll man dann Medikamente nehmen. Und wenn die – auch wegen anderer Krankheiten – zu einem Cocktail werden, dann sollte jeder vielleicht mal die Wechselwirkungen checken.

Der Reihe nach: Alle Medikamente haben Nebenwirkungen. Grundsätzlich. Das wissen wir. Nur treten die bei manch einem nicht oder kaum zutage, bei einem anderen dafür umso mehr. Als Rheumatiker (Bechti) kann ich mit mehr als 30 Jahren Erfahrung ein Lied davon singen und habe dabei diesen Satz meines ehemaligen Rheumatologen immer im Hinterkopf: „An Rheuma ist noch nie jemand gestorben. Die, die mit Rheuma vorzeitig von uns gegangen sind, sind nicht wegen des Rheumas gestorben, sondern wegen der Nebenwirkungen der Medikamente.“

Ein Beispiel: Antirheumatika, sog. NSAR sind zweifelslos nicht so ganz ohne. Neben Magenproblemen kann sich bspw. der Blutdruck erhöhen und Flüssigkeit im Körpergewebe eingelagert werden. Aber nicht so schlimm: Dagegen gibt es ja Blutdrucksenker wie Candesartan und harntreibende Mittel (Diuretika). Alles paletti? Kann sein, muss aber nicht. Auch diese Mittel können ihre Nebenwirkungen haben – und ihr ahnt es – dagegen gibt es natürlich auch wieder ein Mittel. Doch Obacht! Schlimmstenfalls wird hier Feuer mit Öl bekämpft, denn es gibt auch die Wechselwirkungen, die die Wirkung des einen Medikaments erhöhen oder vermindern können. Niemand sollte sich darauf verlassen, dass ein Arzt die alle so parat hat. Man darf die auch selbst mal checken – ohne schlauer als der Arzt sein zu wollen. Aber das Wissen um mögliche Auswirkungen kann Betroffene sensibilisieren und beim nächsten Arztbesuch können mögliches Symptome besprochen werden.

Doch dieser Part ist nur die halbe Wahrheit. Oder die eine Seite der Medaille. Häufig genug können wir selbst etwas tun um die Einnahme von Medis wenigstens zu vermindern: Gesunde Ernährung, Bewegung, usw.. Gut, bei meinen Blutwerten spielen Alkohol und Zigaretten keine Rolle mehr, aber: Schokolade hat auch Nebenwirkungen. Und nicht nur Schokolade. Ja, ich weiß, wovon ich spreche 😉 Manchmal, abends auf dem Sofa, beim Japp nach Schokolade, frage ich mich schon: Was wäre jetzt ungesünder: Eine gemütliche Genusszigarette auf meinem Balkon oder die Schokolade – zumal ich dann damit nicht aufhören kann 😦 Das erinnert mich an diesen Erich Kästner-Spruch: Entweder man lebt, oder man ist konsequent. 

Noch kurz erwähnt, weil aktuell: Impfen. Ein Thema, was in diesen pandemischen Zeiten sehr viele Menschen umtreibt. Soll ich mich gegen Corona impfen lassen? Als Rheumatiker mit einer Autoimmunerkrankung habe ich natürlich auch Fragen wegen möglicher Neben- und Wechselwirkungen. Eine umfassende Antwort darauf hat die Rheuma-Liga auf ihrer Seite gegeben.

Dieses Bild links hat mir eine Bekannte, Fachkraft in der Pflege, über WhatsApp geschickt. Ich weiß, sie ist skeptisch. Sie muss wegen einer chronischen Erkrankung Medikamente nehmen und hat Angst vor irgendwelchen Neben- oder Wechselwirkungen, weil das ja alles nicht erforscht ist, sagt sie. Nun ja, ich habe Verständnis für jeden Nicht-Impfwilligen. Allerdings lässt mich die steigenden Zahl der Impfwilligen (lt. repräsentativen Umfragen) hoffen, dass wir das Virus bald in den Griff bekommen. Nichts wäre schlimmer, als wenn wir ausreichend Impfstoff, aber nicht genügend Impfwillige hätten. Ich höre dann schon wieder Bayerns Ministerpräsident Söder nach einer Impfpflicht rufen, obwohl die von die Bundesregierung bisher immer ausgeschlossen wurde.


797 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

12 Kommentare leave one →
  1. 16. Januar 2021 09:47

    Siehste, und ich wäre froh, wenn ich endlich an der Reihe wäre geimpft zu werden.
    Noch fehlt es ja leider an ausreichenden Mengen ☹

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  2. 16. Januar 2021 12:30

    Ich werde mich auch impfen lassen. Auch wenn mir die Gefährlichkeit bekannt ist. Die besteht für mich darin, dass ich Panik beim Anblick von Spritzen, von Nadeln im Allgemeinen, bekomme. :-)))) Eine Phobie, die mich schon ein Leben lang verfolgt. Bei meinem Hausarzt darf ich es mir beim Impfen oder Blutabnehmen immer auf einer Liege bequem machen und mich dann noch eine Weile entspannen. (Oder beruhigen)
    Das Anmeldesystem zur Corona-Impfung in Sachsen ist nicht gerade optimal. Und das Impfzentrum im Vogtland ist zwar relativ zentral gelegen, aber nur auf umständliche Weise zu erreichen. Vor allem aus dem Oberen Vogtland. Nun ist der Winter hereingebrochen, da ist es gerade für die Gruppe der Senioren, die jetzt mit Impfen dran sind, alles andere als ein Spaziergang dorthin. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich mancher überlegt, ob er diese Strapazen wirklich auf sich nehmen will. Ein zweites Zentrum in Plauen, das für alle einfach zu erreichen wäre und für das ein Objekte gäbe, lehnt unser Landrat in Gutsherenmanier einfach ab. Er behauptet u.a die Bereitschaft zur Impfung wäre zu gering. Was unter diesen Umständen allerdings auch kein Wunder ist. Das Personal vom DRK bezeugt nämlich genau das Gegenteil, die Nachfragen nach Impfterminen sind hoch, es werden sogar Leute persönlich vorstellig und fragen, ob womöglich noch ein paar Dosen übrig sind. Aber es geht eben nur über Terminvergabe. Einerseits macht die Politik Panik mit der Pandemie und ruft nach härteren Restriktionen, andererseits zeigt sie sich auf einer anderen Ebene nicht gewillt oder unfähig, Maßnahmen zu ergreifen, um die Pandemie endlich einzudämmen. Wundert man sich dann noch, wenn vieles ganz einfach unglaubwürdig wird?
    Herzliche Grüße aus Sachsen in den Norden. 😕

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    • 18. Januar 2021 09:38

      Moin Eberhard.
      Das mit der Phobie klingt nicht gut, aber wenn man drum weiß, kann man das ja regeln. Und ich gestehe, ich bin bei Ärzten manchmal auch ein Schisser. Besonders bei Zahnärzten 😉
      Ja, mit dem Impfen, Termine und so, das ist auch bei uns in SH so eine Sache, in meiner Alten Heimat NI soll es angeblich besser klappen. Nichtsdestotrotz sind lt. der RKI-Übersicht bei uns fast doppelt so viele Menschen pro 100.000 geimpft worden als in NI und bei euch in SN – 19,2 zu 10,8 bzw. 10,7 (Stand 16.01.21).
      Na ja, Hauptsache es läuft nun. Mit den Impfzentren, ja, das ist so eine Sache. Erst hießt es 60. Für unsere ganze bunte Republik! Ich dachte seinerzeit: Au ha, das wäre Pi mal Daumen 2 für SH, das werden lange Wege! Aber unserer Föderalismus wäre ja kein richtiger Föderalismus, würden nicht die Länder machen, was sie wollen. SH hat entschieden, in den vier kreisfreien Städten und in den 11 Kreisen jeweils ein Impfzentrum einzurichten. Für mich bedeutet das Eutin, keine 20 km entfernt. Wer oben von Fehmarn anreisen muss, hat rund 70 km Anreise, mit dem ÖPN kaum möglich. Also wird das sich impfen lassen für manch einen zu einer Herausforderung und wehe dem, der nicht so mobil ist.
      Nun denn, alles wird gut. Irgendwann und irgendwie 😉
      Grüße von SH nach SN!

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  3. Albert permalink
    16. Januar 2021 12:32

    Natürlich ist unsere Ernährung das A und O. Der Begriff „Wohlstanskrankheiten“ wurde nur geboren, weil sich so viele Menschen ungesund ernähren und deshalb krank werden.
    Impflicht: Nachdem ich jüngst immer wieder gehört habe, dass sich beruflich Pflegende nicht impfen lassen wollen, hege ich für diesen Bereich eine gewisse Sympathie für eine Impfpflicht. Ich möchte, dass die Menschen in den Einrichtungen so sicher wie möglich sind.

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    • 18. Januar 2021 09:46

      Moin.
      Ja, das mit der Impfpflicht für die Pflegenden könnte noch zu unliebsamen Diskussionen führen. Genau so wie jetzt von Maas angestoßen, dass Geimpfte Privilegien in Anspruch nehmen können sollten. Die Bundesregierung lehnt das natürlich offiziell ab – für mich mehr aus moralischen Gründen, aber es wird interessant, wenn es rechtlich betrachtet wird. Allerdings ist dabei für mich Voraussetzung, das nachgewiesenermaßen Geimpfte keine anderen Menschen mehr anstecken können. Und warum, rein rechtlich betrachtet, sollten dann bspw. in einem Restaurant keine geimpften Gäste bewirtet werden dürfen? Auf welcher rechtlichen Grundlage will man das verbieten? Das kann noch spannend werde.

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      • Albert permalink
        23. Januar 2021 13:11

        Privilegien für Geimpfte? Das zu dürfen, was uns das Grundgesetz – mit Ausnahmen – garantiert, das muss die Normalität sein und ist kein Privileg. Von daher sehe ich keine Grundlage für Beschränkungen bei Geimpften – sofern feststeht, dass sie niemanden mehr anstecken können. Sollte die Regierung mit einem falsch verstandenen Solidaritätsgedsnken das anders sehen, so werden die ersten Prozesse mit absehbaren Gerichtsentscheifungen – wie so oft schon – nicht lange auf dich warten lassen. 🤓 A.

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  4. 16. Januar 2021 23:49

    Ob es irgend etwas gibt, was den Herrn aus Bayern beruhigen kann? Ich ahne schon so schrecklich, dass es uns alle im Land doch noch mit ihm als Landesfürsten erwischt. – Der heute gewählte A.L. kann ja meinetwegen seine Partei gut oder schlecht führen, doch als Bundeskanzler kann ich ihn mir nicht so recht vorstellen, er wäre die Angela mit Anzug und Schlips, den sie zu ihrem Hosenanzug nicht getragen hat, nur ihr hässliches Handtäschchen, das sie immer mit sich rumschleppt.
    Übrigens – Mail mit bunten Bildern angekommen?
    Und tschüss sagt Clara

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    • 18. Januar 2021 09:55

      Moin Clara. Nr. 3?
      Ach, ich komme hier nicht mehr hinterher 😉
      Ja, Bilder sind angekommen. Hübsch und danke.
      Nehme Söder oder Laschet, oder, oder, oder, für mich haben alle keine glückliche Figur in den letzten Monaten abgegeben. Und ob der eine oder andere in einem Jahr unserem Land vorstehen wird, macht das einen Unterschied? Zumal es an Alternativen fehlt? Oder glaubst du, dass die Grünen bei der kommenden BTW vorne liegen werden? Doch selbst wenn: schön reden ist das eine, in der Verantwortung zu regieren und sich den Sachzwängen zu unterwerfen, ist das andere. Daran sind schon einige gescheitert, die vorher mit einfachen Antworten auf komplizierte Verhältnisse (populistisch) reagiert haben und später feststellen mussten, dass es so einfach eben doch nicht geht.
      Na ja, wir werden sehen ….
      Bis die Tage!

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