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FC Bayern: Glückwunsch! – mit einem „ja, aber …“

12. Februar 2021

Kicker – Spielbericht vom 11.02.2021

FIFA-Klub-Weltmeisterschaft in Katar: Die Münchener Kicker wollten trotz Coronavirus und Terminhatz unbedingt an dem Turnier teilnehmen und haben gestern Abend mit dem Final-Sieg das Historische tatsächlich geschafft: Noch nie konnte eine Bayern-Mannschaft alle möglichen sechs Titel (*) in einer Saison gewinnen. Weltweit hat das bisher lediglich der FC Barcelona 2009 mit Messi unter dem Trainer Pep Guardiola geschafft. Chapeau! Glückwunsch! Ich freue mich für die Spieler nebst Trainer Hansi Flick und kann jeden einzelnen verstehen, der dieses Mini-Turnier unbedingt spielen wollte, um sich diese historischen sechs Titel auf seine Fahne – oder Visitenkarte – schreiben zu können.
(*) Saison 2019/2020: 1. Deutscher Meister | 2. Deutscher Pokalsieger | 3. Sieger der UEFA Champions League | 4. Sieger im Deutschen Supercup | 5. Sieger im UEFA Super Cup | 6. Sieger bei der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft

Also alles paletti, große Freude allerseits? Nun ja, ich sag‘ mal: Abgesehen davon, dass (fast) ganz Fußball-Deutschland dem FC Bayern den WM-Titel gönnt, gibt es ein ja, aber, drängen sich ein paar Fragen auf.

Business as usual

Klar, die großen Profi-Vereine sind heute alle mittelständische Wirtschaftsunternehmen und wenn der Ball nicht rollt, sind sie ihrer Geschäftsgrundlage beraubt. Ohne Spiele kein Brot, sprich keine Einnahmen. Die Vereine müssen bei fehlenden Zuschauereinnahmen eh schon knapsen und nur die TV- und Sponsoren-Gelder sichern das Überleben. Aber muss es in diesen pandemischen Zeiten wirklich sein, in der Weltgeschichte umher zu fliegen? Wie sieht es mit der oft zitierten Vorbildfunktion des Sports aus? Ist die Fußballwelt so heil wie sie uns vorgegaukelt wird? Der in Katar positive auf COVID-19 getestet Thomas Müller lässt Zweifel aufkommen. Nicht zu vergessen, dass allein bei den Bayern bisher in der laufenden Bundesligasaison die Spieler Gnabry, Goretzka und Martinez positiv getestet wurden. Dazu ein Physio-Therapeut. Bei anderen Mannschaften sieht es zum Teil ähnlich aus. Wenn ich das so auf unseren Alltag übertrage, dann mag man sich so seine Gedanken machen …! Nix Vorbild, eher exemplarisch dafür, wie es nicht sein soll!

Redet der Mann schneller als er denken kann?

Karl-Heinz Rummenigge. Er war sicher ein begnadeter Fußballer und auch als Vorstands-Vorsitzender der Bayern AG hat er für mich meist einen guten Job gemacht. Meist. Zunehmend habe ich jedoch so meine Zweifel, ob er nicht schneller redet als er denken kann? Vielleicht findet er jetzt mehr Gehör, seitdem der Oberpolterer Uli Hoeneß ins zweite Glied zurückgetreten und medial nicht mehr so präsent ist? Unvergessen bleibt die Attacke der beiden Bayern-Granden gegen die Medien und Experten -> SPIEGEL vom 19.10.2018. Ja, im Ton vergriffen haben sie sich so manches mal. Zuletzt hat es Herr Rummenigge unrühmlicherweise binnen weniger Tage sogar zweimal geschafft, einen Shitstorm auszulösen: Am Sonntag sein Aufreger, weil der Bayern-Flieger für den Flug nach Katar keine Starterlaubnis wegen des Nachtflugverbots erhielt, und am Mittwoch, weil er die Impfung von Bayern-Profis als Vorbild-Aktion vorgeschlagen hat. Vielleicht hat er es etwas anders gemeint als er es gesagt hat? Um jedoch solche Zweifel zu vermeiden, wäre es gelegentlich hilfreich, erst nachzudenken und dann zu reden.

Sonnenschein mit schlechtem Licht

Bei so viel Erfolg herrscht natürlich bei den Bayern vordergründig eitel Sonnenschein. Das Sixpack geht in die Geschichte ein und später wird man nur noch davon sprechen, nicht aber von den verbalen Entgleisungen. Im Moment wirft jedoch das Verhalten des Vorsitzenden und das Drumherum mit den Infizierten ein schlechtes Licht auf den Verein. Und ich empfinde es beinahe als peinlich, wenn der Trainer Hans Flick die Worte seines Chefs während einer Pressekonferenz relativieren muss. Auf alle Fälle wünsche ich dem designierten Rummenigge-Nachfolger Oliver Kahn, dass er aus den Fehlern seines Dann-Vorgängers lernt und sie nicht wiederholt.

Wie auch immer, eins bleibt: Der Ball ist rund! 😉


806 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

9 Kommentare leave one →
  1. 12. Februar 2021 18:12

    Die Sonderstellung des Fußballs in der Pandemie hat mir von Anfang an missfallen und die Zahl der infizierten Fußballer zeigt doch nur, dass „die Blase“, in der sie sich angeblich befinden, ein großes Loch hat. Hygienekonzepte hin oder her, keines scheint ausgeklügelt genug, um einen infektionsfreien Spielbetrieb zu gewährleisten.
    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in Gaststätten, Restaurants und Kulturbetrieben, trotz bester Hygienekonzepte auf dem Papier, in der Praxis immer wieder zu Infizierungen gekommen ist. Die Beste Regel nützt nichts, wenn sie nicht eingehalten wird. Im Ergebnis hat das zur Schließung dieser Stätten beigetragen. Aber Fußball darf weiter gespielt werden, sogar mit Auslandsflügen. Das verstehe wer will.

    Gefällt 1 Person

  2. 13. Februar 2021 07:24

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    IMPFEN LASSEN UND SO VORBILD SEIN !!
    Seit Tagen gibt es Berichte über Impfdrängler: Klinikchefs, Geistliche, Politiker. Alle haben eine Ausrede parat, warum es für sie eine Ausnahme vom Impfplan gab.
    Seit gestern ist bekannt, ich habe es am Abend erfahren, dass auch unser Franz zu den Vordränglern gehört. Franz? Franz Einhaus, unser Landrat. Zusammen mit dem Ersten Kreisrat Heiß (kennst du den noch, oder kam der nach deiner Zeit?) hat er sich vorab impfen lassen.
    IMPFEN LASSEN UND SO VORBILD SEIN ??
    Auf diese Vorbilder können wir gerne verzichten. Das Innenministerium hat gestern den LK Peine um Aufklärung gebeten.

    Gefällt 1 Person

    • Albert permalink
      13. Februar 2021 12:27

      Impfdrängler gehören bestraft. 10.000 € Bußgeld halte ich für angemessen. Ich hoffe, das wird bald Gesetz! /A.

      Gefällt 1 Person

    • 17. Februar 2021 09:40

      Moin. Ja das mit dem Franz hat mir meine Mutter am Telefon erzählt und sich darüber sehr empört. sie als Ü80 ist noch nicht geimpft ….

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