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Haben sie das schon mit dem Wahl-O-Mat gemacht?

9. September 2021

Das war die Frage meines Spezis, 19, Erstwähler. „Nein“, habe ich ihm geantwortet: „Ich weiß, was mir wichtig ist, Umwelt, Klima, soziale Gerechtigkeit, und ich weiß, welche Parteien in den Punkten meinen Vorstellungen halbwegs entsprechen. Allerdings sind extreme Parteien für mich unwählbar, bspw. weil sie als Nationalisten aus der EU wollen, Faschisten in ihren Reihen dulden oder andere die Nato für überflüssig halten. Und eine Partei, deren Abgeordneten für mich eine Ansammlung von Lobbyisten darstellen, die sich in erster Linie um Partikularinteressen kümmern und weniger um das Gemeinwohl, kann ich auch nicht wählen. Außerdem habe ich schon gewählt, Briefwahl, weil ich nicht weiß, ob ich am 26. zuhause bin und ich will meine beiden Stimmen keinesfalls verschenken.“

Es entspann sich danach ein munteres Gespräch und ich war einmal mehr verwundert, wie … ich sag‘ mal, junge Menschen so ticken. Nein, bestimmt nicht alle, aber bestimmt viele. Das fängt schon mit den Wahrnehmungen an und bestärkt mich in meiner Auffassung, dass Medienkompetenz an den Schulen vermittelt werden sollte.

Na ja, dat is aver ok figelinsch. Un de klööksten Stüerlüüd sitt jümmers op‘t Dröge. Is so!
Woher soll man auch immer wissen, was falsch und was wahr ist? Die Medien sind bemüht, auch Minderheiten zu Worte kommen zu lassen, was einerseits völlig in Ordnung ist, anderseits natürlich zu einer fälschlichen Gewichtung führen kann, die nicht die allgemeine Stimmung oder den Konsens in der Wissenschaft widerspiegelt. (False Balancing)
Manchmal ist es auch geschickte PR, gesteuert von Interessenvertretern, die den Eindruck seriöser Nachrichten erwecken. Und über die sog. Sozialen Medien will ich hier gar nicht reden. Da wird von Minderheiten gelogen, dass sich die Balken biegen und repräsentativ ist das, was da so abgesondert wird, schon lange nicht. Aber es wird gelesen und wenn mir mein Spezi erzählt, er könne nicht die Grünen wählen, obwohl das das Ergebnis des Wahl-O-Maten war, weil die Baerbock Haustiere verbieten will, dann fällt mir nichts mehr ein! Woher er das weiß? „Steht auf Facebook und wurde tausende Male gelikt und geteilt. Also muss das doch stimmen, oder?!?“ Ich habe ihn aufgeklärt: „Das ist eine Lüge, das hat sie nie gesagt und gerade Frau Baerbock ist immer wieder das Ziel von Fake News geworden. Kannst du nachlesen, ich schicke dir nachher den Link.“

Weil das alles so ist wie es ist, bleibt es spannend bis zum Wahlabend. Auch wenn die Tendenz eindeutig scheint, sollte sich niemand zu früh freuen. Noch zweieinhalb Wochen, da kann stimmungsmäßig oder aus taktischen Gründen noch viel passieren. Im Grunde heißt es bei dem jetzigen Umfragewerten: Wer nach 16-Merkel-Jahren ein weiter so der CDU/CSU mit Laschet verhindern will, der muss SPD wählen und hoffen, dass die Grünen der zukünftigen Regierung als Koalitionspartner ihren Stempel aufdrücken.

Der Wahl-O-Mat. Mein Spezi hatte mich doch neugierig gemacht und in stiller Stunde haben ich jetzt mal getestet, ob ich denn richtig gewählt habe?
Na ja, gar nicht mal so schlecht 😉
Außerdem bezieht sich der Wahl-O-Mat nur auf die Zweit-, also die Parteien-Stimme. Die Erststimme kann man ja auch dem Kandidaten, der Kandidatin seines Vertrauens geben, obwohl man dessen, deren Partei nicht wählen will.
Auf alle Fälle warten auf die zukünftige Regierung schwere Aufgaben. Zuviel ist in den letzten vier Jahren nicht angefasst oder verhindert worden.

Bitte wählt. Nur bitte NICHT die Nationalisten / Faschisten.

Und bitte denkt beim Wählen daran, dass wir mit der Natur weder verhandeln noch sie überlisten können. Wir sollten uns arrangieren und nach bestem Wissen und Gewissen mit ihr leben. Die heute noch ganz Kleinen und deren ungeborene Kinder werden es uns danken. Ehrlich. Ganz ehrlich 😉

843 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

5 Kommentare leave one →
  1. 10. September 2021 08:09

    Weil du offensichtlich wieder mal nicht zuhause bist, auf diesem Weg: Lese in der Süddeutschen:
    https://www.sueddeutsche.de/politik/wahlkampf-klimaschutz-diw-studie-1.5405891
    Mehr Schein als Sein
    Laut einer DIW-Studie genügen die Wahlprogramme der Parteien in Sachen Klimaschutz nicht, um vereinbarte Ziele zu erreichen.
    Kernaussage:
    >> So schneiden die Grünen in nahezu allen Bereichen gut ab, während die FDP abgeschlagen auf dem letzten Platz landet. Zwar reiche auch das grüne Klimapaket nicht aus, sagt Kemfert. „Aber viele Maßnahmenvorschläge sind ambitioniert, fachlich fundiert und detailliert ausgearbeitet.“ Vier Punkte hatten die Forscher als höchste Bewertung zu vergeben, die Grünen erreichten 3,62. Die FDP bekommt nur 1,24 Punkte, vor allem wegen ihrer starken Fokussierung auf Marktkräfte und die lenkende Wirkung von Preisen auf CO₂. Angesichts der knappen Zeit und vieler Hemmnisse müssten aber Marktmechanismen allein „als nicht ausreichend angesehen werden, um die Ziele zu erreichen“, heißt es in der Studie. <<
    Hoffen wir auf das Gute und dass es kein "Weiter so" mit einer von Laschet geführten Regierung gibt.

    Gefällt 1 Person

    • 10. September 2021 10:37

      Moin.
      Ja, ich war die letzten Tag mal wieder jobmäßig außerhäusig.
      Von der DIW-Studie habe ich gestern was auf der Tagesschauseite gelesen. Aber die Erkenntnis ist ja nicht neu. Die maßgeblichen Wissenschaftler*innen haben das ja schon länger geäußert.
      Apropos Tagesschau: Ein toller Kommentar eines Jungwählers vorgestern in den Tagesthemen:

      #BTW21: Starke Meinung eines Jungwählers

      Grüße aus dem Norden!

      Gefällt 1 Person

  2. 10. September 2021 11:22

    Habe auch schon gewählt, aber ich hoffe, dass es meine Wunschpartei schafft !
    Werden sehen, wohin der Dampfer fährt !

    G. l. G. Jochen

    Gefällt 1 Person

    • 10. September 2021 11:53

      Moin Jochen. Genau, am 26. wissen wir abends mehr. Eine Wunschkonstellation habe ich auch … irgendwie … aber eine Wahl ist ja kein Wunschkonzert 😉 Wenn es danach ginge, hätte ich mir wenigstens in einem Fall einen anderen Spitzenkandidaten gewünscht. Egal, wichtig ist für mich, dass in der Zukunft das notwendige passiert und – frei nach Alexander Gerst – wir bei den zukünftigen Generationen nicht als die in Erinnerung bleiben, die deren Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtslos zerstört haben.
      Grüße von der Ostsee!

      Gefällt 1 Person

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  1. #BTW21: Starke Meinung eines Jungwählers | Sven Meier erzählt

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