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Dort, wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn …

11. September 2021
Das Bild ist mit dem DLF-Artikel verlinkt.

… heißt es in dem Lied Es ist an der Zeit, getextet in der Zeit des Kalten Krieges 1980 von Hannes Wader, Melodie No Man’s Land. Auch andere Liedermacher, Reinhard Mey, Konstantin Wecker, u. a., haben diesen Song gesungen. Ja, der 11. September 2001 (Wiki), heute vor 20 Jahren, hat die Welt verändert. Von uns Älteren weiß wahrscheinlich jeder noch, wo er an dem Tag war: Ich erst krank auf dem Sofa, habe im TV alles mitverfolgt, den Rest später beim Zahnarzt, wo mein Doc selbst im Behandlungszimmer einen Fernseher aufgestellt hatte.

Was folgte, ist Geschichte: Hamburger Terrorzelle, Kriege in Afghanistan und im Irak. Auch mit deutscher Beteiligung in Afghanistan. Die Zahl der Toten ist sechsstellig – besonders unter der Zivilbevölkerung. Angesichts dessen ist es beinahe unsensibel, die weit über 1.000 Milliarden Dollar monetären Kosten zu erwähnen, die die Kriege bis zum erklärten Ende im Sommer 2021 (Afghanistan) gekostet haben. Was wurde erreicht? Im Grunde nichts (?) – geht man davon aus, dass genau wie vor 20 Jahren in Afghanistan wieder die Taliban an der Macht sind und die Zukunft genauso ungewiss ist, wie sie es damals war. Wie mögen sich die deutschen Soldatinnen und Soldaten fühlen? Waren die 59 toten deutschen Soldaten völlig sinnlos? Was ist mit „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ – so der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck (†)? Wurde sie das? Ich mache mir so meine Gedanken – teilen möchte ich die an dieser Stelle jedoch nicht.

Die damalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sagte 2009 in ihrer Weihnachtspredigt: „Nichts ist gut in Afghanistan“. An die folgende Debatte kann ich mich noch gut erinnern. Kann es sein, dass heute manch einer Abbitte leisten müsste? Ist vielleicht der Vers in dem Lied von Wader für immer & ewig aktuell, gerichtet an alle Soldatinnen und Soldaten (?):

Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen,
so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben – deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.

Ja, ohne die (auch) von der Hamburger Terrorzelle geplanten und durchgeführten Terroranschläge heute vor 20 Jahren wäre die Welt eine andere. Und doch wissen wir aus der Psychologie, dass jeder Handlung eine Motivation innewohnt. Wie ist das mit den Ursachen und einer reaktiven Symptombekämpfung? Was war zuerst da: Das Huhn oder das Ei?

Es blieb nur das Kreuz als einzige Spur.
Von deinem Leben, doch hör meinen Schwur:
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein.
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein,
dann kann es geschehn, dass bald niemand mehr lebt,
niemand, der die Milliarden von Toten begräbt.
Doch längst finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.

Hannes Wader

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, statt zu hassen und vergelten zu wollen, über Sinn und Unsinn solcher Kriege nachzudenken und besser zu lernen, wie man sie vermeiden kann. Die Ansicht des ehemaligen preußischen Generals und Militärtheoretikers Carl von Clausewitz († 1831) sollte doch nun wirklich überholt sein: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Nee, nee, wenn überhaupt, dann passt das schon lange nicht mehr.

845 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

4 Kommentare leave one →
  1. A.B.Surd permalink
    11. September 2021 20:42

    Das gilt es 20 Jahre nach 9/11 festzuhalten:

    1. Zu keinem Zeitpunkt in den 20 Afghanistan-Jahren verfolgte die Bundesregierung mit dem Einsatz in Afghanistan politische Zwecke und militärische sowie zivile Ziele, für die ausreichend geeignete Mittel bereitstanden.

    2. Geradezu dumm war es anzunehmen, dass sich die Taliban nicht auf die Machtergreifung vorbereitet würden. 20 Jahre hatten sie dazu Zeit; 20 Jahre voller Wut, Energie und Rekrutierungserfolgen.

    3. Die Konsequenzen sind offensichtlich: Der Westen, der den Konflikt nie militärisch gewinnen konnte, wurde politisch und moralisch niedergeworfen. Und wenn Merkel heute sagt: „WIR erleben bittere Stunden“ ist das absurd, ist das ein zynischer Kanon. Wer ist „WIR“? Merkel, die Bundesregierung, die deutsche Gesellschaft sind es nicht, sie haben nicht zu leiden. Die Merkel-Regierung akzeptiert hingegen, dass diejenigen in Afghanistan, die sich auf die Versprechen der Deutschen verlassen haben, vor den Trümmern ihres Lebens stehen und viele dem Tod ins Auge schauen.

    Das ist doch doch alles ABSURD!

    Gefällt 1 Person

  2. 12. September 2021 11:09

    Lieber Sven, ich mag ja Politik insgesamt nicht – nicht nur deswegen, weil ich mich in meinem eigenen Leben so oft betrogen fühlte.
    Aber deinen Artikel habe ich mit Herz und Verstand gelesen, weil er keine Lobhudelei für irgendwelche Politiker war.
    Alle, die den Tod durch Gewalt fanden und finden – ich würde ihnen ein friedvolleres Leben wünschen.
    Tschüss!

    Gefällt 1 Person

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