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Der Parkschein und ein Präventionsparadoxon

29. Oktober 2021

Heute. Niendorf. Am Hafen. Parken natürlich nur mit Parkschein. Und der kostet ab der ersten Minute. Anders als bei uns in Scharbeutz, da ist eine halbe Stunde Parken kostenfrei. Wir nennen das Bäckerticket. Ideal, wenn man nur kurz etwas besorgen möchte. Eben Brötchen oder so.

Erst habe ich noch überlegt. Aus Prinzip. Holst du dir für die paar Minuten ein Ticket? Es ist Freitag Nachmittag und da läuft doch bestimmt kein Parkscheinticketoberkontrolleur mehr rum. Und dann wieder eines meiner üblichen Zwiegespräche. Der Zwilling in mir meinte: Meier, 50 Cent, was soll der Geiz, die Gemeinde Timmendorf tut nur reich, ist aber arm, die sind auf jeden Cent angewiesen. Verbuche es als Spende an Bedürftige!

Ich habe gespendet. Als wir zum Auto zurückkamen, beschlich mich der Gedanke: Haben die nun kontrolliert oder nicht? Ich werde es sicher nie erfahren. Das ist der Klassiker eines Präventionsparadoxon. Waren die quasi präventiv ausgegebenen 50 Cent nun unnötig? Oder haben sie mich vor einem 10€-Verwarngeld (demnächst sind es 20€) bewahrt?

Genau so ist das mit Corona. Bei all den Beschränkungen wissen wir nicht, wie sich die Zahlen ohne diese Maßnahmen entwickelt hätten. Jetzt im Herbst gibt es erneut Diskussionen – he seggt so un se seggt so – um Schutzmaßnahmen und Lockerungen. Weil die Zahlen bisher recht moderat waren, brauchen wir bspw. ab Montag in der Schule keine Maske mehr tragen. Und so weiter. Anderseits gibt es Kritik daran und Berichte aus Kliniken, dass so langsam die Intensivstationen wieder volllaufen. Hauptsächlich mit Ungeimpften. Das sei zwar noch nicht so wie vor einem Jahr, aber es stünden mittlerweile auch nicht mehr so viele Intensivpflegeplätze zur Verfügung, weil es an dem nötigen Intensiv-Fachpersonal mangele. So ein Klinikleiter gestern im Interview. Alles ein bisschen paradox.

Für meinen Teil habe ich jedenfalls beschlossen, mir demnächst präventiv die dritte Impfung abzuholen und weiter Vorsicht walten zu lassen. Wir werden erfahren, was noch so passiert.

851 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

8 Kommentare leave one →
  1. 29. Oktober 2021 19:10

    Hi Sven
    Wow, ist das billig bei euch. Nur € 10 Verwarnung, das ist ja nichts. Bei uns kostet das £ 90, das sind fast € 110. Aber ich bemerkte bereits, dass in Deutschland jedes Verkehrsvergehen fast nicht geahnet wird. Tempolimitsübeschreitungen sind spottbillig, kein Wunder, dass sich wenige nur daran halten. Übrigens gehört es hier zum guten Ton, die Geschwindigkeitsbegenzung einzuhalten.
    Ein schönes Wochenende wünschen wir
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • 29. Oktober 2021 19:50

      Moin Klausbernd.
      Ja, wir haben hier eine große Auto-(Fahrer)-Lobby. Der neue Bußgeldkatalog ist jedoch schon beschlossen und wird demnächst in Kraft treten. Pi mal Daumen kann man sagen, dass sich die (meisten) Sätze verdoppelt haben. Parken ohne Parkschein kostet dann bspw. 20 statt 10 Euro und bis zu 20 km/h zu schnell innerhalb geschlossener Ortschaften 70 statt 35. Wenn ich das jetzt ad hoc so richtig wiedergegeben habe. Sei es drum, aus dem Ausland kenne ich auch ganz andere Summen. Höhere! Tja, und mit der „Raserei“: Auch unter der zukünftigen Ampel-Regierung wird es wahrscheinlich weiter kein Tempolimit geben. Schade an sich, ich hätte nichts dagegen, halte mich schon lange (meistens) an die 130er Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Wobei ich sagen muss, aber das ist meine subjektive Meinung, dass die Leute hier im Norden mitunter eher etwas bummelig unterwegs sind, immer schön sutje.
      In dem Sinne, viele Grüße aus Ostholstein nach Norfolk, bleibt munter & zuversichtlich!

      Gefällt 1 Person

  2. 29. Oktober 2021 20:56

    Also 50 €-Cent halte ich noch für vertretbar und Du hast in zweierlei Hinsicht ein gutes Gewissen: 1.) Spende an Bedürftige
    2.) Dir kann keener 🤣 !

    G. l. G. Jochen

    Gefällt 1 Person

    • 30. Oktober 2021 07:30

      Moin Jochen. Stimmt. 1 + 2! Meine innere Rebellion hängt damit zusammen, dass ich hier vieles für Abzocke halte. Die Touris zahlen schon. Dabei werden die Einwohner der Gemeinde(n) hinten angestellt, die müssen eben mitbezahlen. Das war nicht immer so. Es ist noch gar nicht sooo lange her, da reichte für kurzzeitiges Parken die Parkscheibe. So wollte man verhindern, dass Strandbesucher den ganzen Tag über ihr Auto auf bestimmten Parkplätzen abstellen. Nee, nee, da lobe ich mir meine Gemeinde Scharbeutz mit ihrem Halbstunden-„Bäckerticket“ und ich hoffe inbrünstig, dass sich unsere Gemeindevertreter kein Beispiel an der Nachbargemeinde Timmendorfer Strand nehmen.
      Schönes Wochenende!

      Gefällt 1 Person

      • 31. Oktober 2021 13:37

        Sven,
        wenn erst mal einer den Anfang macht, ziehen bekanntlich immer welche nach. Irgendwann ist es dann ein ganz normales Einkommen.
        Früher war es noch die Kurtaxe – heute erhebt sogar Berlin eine „Bettensteuer“ 😡😡!

        G. l. G. Jochen

        Gefällt 1 Person

  3. 30. Oktober 2021 17:10

    In Plauen hieß das mal Brötchentaste auf dem Parkscheinautomat. Aber die hat man auch längst wieder abgeschafft. Gegen den Willen der Handelstreibenden natürlich. Ja, den Bedürftigen gibt man ja gern, wundert mich nur, dass der Timmendorfer Strand auch dazu zählt. :-))))
    Das Präventionsparadoxon, nicht leicht zu verstehen für manchen Mitbürger. Und manche wollen es auch gar nicht verstehen. Widerspricht den eigenen Ansichten mancher.
    Die sächsische Impfkommission empfiehkt nun auch die Booster-Impfung, auch wenn ich diesen Ausdruck nicht so recht mag. Sehe auch keinen Grund, die Empfehlung nicht zu beherzigen. Viele Grüße aus dem Vogtland in den Norden. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • 31. Oktober 2021 08:42

      Moin Eberhardt.
      Auf alle Fälle werde ich mich nach der dritten Impfung nicht fragen, ob ich mir die hätte ersparen können, weil „mir nix passiert ist“ 😉
      Timmendorf? Dort wohnen zwar „die Reichen“, na ja, meist haben sie dort gerne ihre Zweit- oder Drittwohnung – versuche hier mal eine bezahlbare Mietwohnung zu ergattern, das ist wie in Berlin, Hamburg oder München – aber die Gemeinde selbst ist klamm. Ok, sie versucht sich immer hübsch raus zu putzen, damit sie „den Reichen“ und den Touris gefällt und die nicht andere Gemeinden bevorzugen, aber das kostet eben.
      Ein Bespiel: Die alte Maritim-Seebrücke war nach 44 Jahren marode und wurde im Frühjahr abgerissen. Der geplante Neubau wird 250 m in die Ostsee reichen und (!) durch einen Rundweg über dem Meer eine Gesamtlänge von knapp 430 m haben. Nach Abzug der Fördermittel des Landes bleibt der Gemeinde noch ein Eigenanteil von rund 1,5 Mio.. Viel Geld für eine kleine Gemeinde mit weniger als 9.000 Einwohnern. Ginge es auch eine Nummer kleiner? *Lach* „klein“ ist nicht das Ding von Timmendorf.
      Grüße aus Ostholstein ins Vogtland, bleibe munter & zuversichtlich 😉

      Gefällt 1 Person

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  1. 6 x Oktober | SvenMeierFoto

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