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Der 9. November – die Tage danach …

10. November 2021
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Gestern Abend. Ein philosophisches Gespräch am Telefon mit einer alten Freundin. Also es entwickelte sich so, wir schrieben ja den 9. November. Zwei Punkte mit Was wäre heute wenn damals?

Eins: Hätte es nach dem 9. November 1918, nach der Ausrufung der Republik, in der Weimarer Republik mit der Demokratie so geklappt, wie man sich das im besten Sinne vorgestellt hat, wären der 9. November 1938 (Reichspogromnacht) und der 9. November 1989 (Mauerfall) ganz normale 9. November gewesen. Aber nein. Nach 1945 hat man aus der Geschichte gelernt und das damals gängige destruktive durch ein konstruktives Misstrauensvotum ersetzt. Mehrheiten gegen regierende Personen haben sich in der jungen Demokratie nach 1918 immer wieder schnell gefunden, doch waren sie zumeist destruktiv, d. h. ohne Benennung eines Nachfolgers. Damit begann der Anfang vom Ende. Bei dem heute vorgegebenem konstruktiven Misstrauensvotum müssen sich hingegen die Abgeordneten zwischen zwei Personen entscheiden. Das war in der Geschichte der BRD bisher zweimal der Fall: 1972 gewann Willy Brand ein Misstrauensvotum gegen Rainer Barzel und blieb Bundeskanzler, 1982 verlor Helmut Schmidt und Helmut Kohl wurde Kanzler.

Zwei: Hätten die Entscheider in der DDR nach dem 9. November 1989, nach dem Fall der Mauer, nicht nur die deutsche Einheit verfolgt, sondern, so wie es einige wollten, sich für einen eigenständigen freiheitlich demokratischen Rechtsstaat eingesetzt, dann …. Ja, was dann? Wäre die DDR heute ein EU-Nachbarstaat wie bspw. Dänemark oder die Niederlande? Wahrscheinlich ja. Und genau so wahrscheinlich – sieht man sich die Ergebnisse der Landtagswahlen an – mit einem hohen Anteil von Rechtsaußen-Politikern und Faschisten wie Höcke & Co., oder so. Vielleicht so ähnlich wie in Polen und Ungarn? Mag sein. Keine Ahnung. Letztlich ist es auch müßig über das „Was wäre heute wenn damals?“ zu philosophieren, denn die Geschichte kann niemand ändern. Wir können nur am bzw. an den Tagen nach jedem 9. November unsere Lehren daraus ziehen.

856 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

7 Kommentare leave one →
  1. 10. November 2021 10:44

    Hätte, hätte, Fahrradkette.
    Tatsächlich gibt es meiner Beobachtung nach immer wieder kontroverse Diskussionen, meist unter Alt-PDSlern um das Datum der Wiedervereinung und des Mauerfalls herum, ob die DDR ohne eine Vereinigung mit der BRD überlebensfähig gewesen wäre.
    Wirtschaftlich und Gesellschaftlich hat alles für die Vereinigung gesprochen und das hat auch die Politik gewusst, namentlich die erste und letzte frei gewählte Regierung unter Lothar de Mazière.
    Die marode Wirtschaft und der überschuldete Staat hätten es faktisch sehr schwer gehabt, sich konkurrenzfähig als freies Land auf dem Weltmarkt zu behaupten. Gleichermaßen hätten bestimmt viele Menschen die offenen Grenzen genutzt und wären aus dem Niedriglohnland DDR in das Hochlohnland BRD ausgewandert. So wie vor dem Mauerbau 1961, wahrscheinlich nur intensiver. Aber wer weiß das schon?
    Vielleicht kennst du auch den blöden Spruch aus dem Westen, besonders wenn es um den Soli und Investitionen in den ostdeutschen Bundesländern geht, die den westlichen Bundesländern auch gut tun würden, inzwischen auch angesichts des hohen Rechtsextremisten-Anteils bei den ostdeutschen Wählern: „Wir hätten gerne die Mauer wieder. Nur zwei Meter höher“.

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    • 13. November 2021 06:41

      Moin. Na ja, der Spruch ist irgendwie schon blöd. Genau so blöd finde ich es, wenn Westdeutsche so etwas wie Dankbarkeit von den Ostdeutschen erwarten, weil wir sie ja aufgenommen und viel Geld in den maroden Staat gepumpt haben. Nein, so etwas spaltet nur und wo bleibt da die Solidarität?
      Grüße aus der Quarantäne 😦

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      • 17. November 2021 11:49

        Hallo Sven,

        natürlich ist es blöd, wenn Wessis eine Dankbarkeit von Ossis fordern. Die Dinge sind einfach irre kompliziert. So kompliziert, das selbst Politiker da nicht immer durchblicken.
        Jürgen

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  2. 10. November 2021 15:41

    Du sagst es, Sven, die Geschichte kann man nicht ändern und „Was wäre wenn“ können wir nicht spielen, weil es eben anders gekommen ist.
    Mir wäre auch eine nicht so unterwürfige und bedingungslose Kapitulation der DDR lieb gewesen, obwohl ich weder Genossin noch Verfechterin der DDR war – aber die mehreren Besuche vor der Wende in Westdeutschland haben mich dieses Land auch nicht als super erstrebenswert erscheinen lassen.
    Aber so haben wir uns wenigstens „kennen gelernt“ – hätten wir als unabhängiger Staat wie Dänemark auch gekonnt – und schaffen es vielleicht noch in diesem Leben, face ot face an irgendeinem Ort zu sitzen.
    Und tschüss

    Gefällt 1 Person

    • 13. November 2021 06:53

      Moin Lieblingsclara 😉
      Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Gedankengänge mit „Was wäre wenn“ noch lange geben wird. Sicherlich hinkt der Vergleich mit Deutschland – Dänemark.

      Wagrien – Ostholstein


      Heute lebt im Norden Schleswig-Holsteins eine dänische Minderheit und umgekehrt eine deutsche im Süden Dänemarks. Wie ich das so mitkriege, versteht man sich – inzwischen – ganz gut und hat sich arrangiert. Aber die Geschichte – 1864, 1920 – bleibt natürlich und manchmal ist von Anwandlungen zu lesen, wieder das Alte haben zu wollen.

      Deutsch-Dänischer Krieg reloaded ??


      Jo, jo, man kann nich so dösig dinken as dat kamen kann 😉
      Bis bald – und mit Kaffee und „Berliner“ schaffen wir irgend wann 😉

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  3. 13. November 2021 12:16

    Die Hoffnung stirbt ja angeblich zuletzt: „und mit Kaffee und „Berliner“ schaffen wir irgend wann „

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Trackbacks

  1. 9. bis 13. November … – Meier över dit un dat

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