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CV-Tagebuch 12-11-2021 [fast 2 Jahre später – meine erste häusliche Quarantäne]

12. November 2021

Liebes CoronaVirus-Tagebuch,
na ja, so lieb bist du mir in der Sache eigentlich nicht, aber du musst ertragen, womit ich dich vollquatsche und deshalb möchte ich höflich zu dir sein. Außerdem bin ich seit heute in häuslicher Quarantäne und vielleicht brauche ich dich noch.

Es ist fast 2 Jahre her, als ein Virus im chinesischen Wuhan anfing sein tödliches Unwesen zu treiben. Klassifiziert als SARS-CoV-2, die hervorgerufene Infektionskrankheit ist inzwischen eine ausgewachsene Pandemie und die nennen wir COVID-19, 19 wegen des Beginns im Jahr 2019.

Wer hätte damals geglaubt, dass das Virus so lange unser Leben bestimmt? Fast 2 Jahre und ein paar Millionen Tote später wissen wir, dass das Ende noch nicht absehbar ist. Trotz der Impfstoffe, die wir seit knapp einem Jahr haben. In Deutschland werden wir in einigen Tagen den 100.000. offiziellen Corona-Toten beklagen. Eine traurige Bilanz. Übermorgen der Volkstrauertag und am 21. der Totensonntag kriegen eine neue, weitere Bedeutung. Wir könnten gerne darauf verzichten.

Heute im grauen November-Herbst 2021 werden für Deutschland noch nie dagewesene Inzidenzzahlen gemeldet. Gestern sagte ein Wissenschaftler im Fernsehen: „Wenn man das Ursprungsvirus mit einem Fußgänger vergleicht, dann ist die aktuelle Delta-Virus-Mutation ein Rennwagen.“ Shit happens.

Ja, das Fernsehen. Nein, überhaupt die Medien. Es wird viel debattiert, diskutiert, verurteilt, interpretiert, bewusst und unbewusst falsch berichtet – und wer will, kann quasi sein Tagesprogramm damit bestreiten. Unser Virologe der Nation, Prof. Christian Drosten, drückte das vor einigen Tagen in seiner Laudatio bei der Verleihung des Hans-Joachim-Friedrichs-Preis mahnend so aus:
… Unsere Realität ist das, was uns die Medien spiegeln. Hierin liegt eine immense Verantwortung, die manche als Macht begreifen. Wieviel Zuspitzung ist möglich, wie stark darf man personalisieren …? In einer Pandemie kostet unverantwortliches Handeln Menschenleben. …“

Beim Lesen seiner Worte habe ich zustimmend genickt. Der Konsens über das wissenschaftlich Anerkannte scheint uns abhanden gekommen zu sein. Wir Menschen können glauben was wir wollen, irgendwo in den Medien finden wir eine vermeintliche Bestätigung dafür. Und sei sie noch so unsinnig, irreführend und schlichtweg lebensgefährlich falsch. Aber es ist wie es ist. Mit Blick auf die tagesaktuelle Deutschlandkarte haben wir in Schleswig-Holstein mit die höchste Impfquote (72% Vollgeimpfte) und niedrigste Inzidenzzahl von noch unter 100 (94), Sachsen hingegen hinkt bei der Impfquote hinterher (57%) und weist eine Inzidenz von bald 600 (aktuell 569) auf. Entsprechend sehen die Zahlen bei den Hospitalisierungen und in den Auftragsbüchern der Bestatter aus. Ja, Impfen macht ganz bestimmt einen Unterschied.

Natürlich schimpfen viele bis alle unter den Geimpften auf die Nichtgeimpften. Spiegel-Kolumnist Nikolaus Blome spricht von „Wir Geiseln der Ungeimpften“ und sein Kollege Sascha Lobo heißt die Impfverweigerer „Willkommen im weinerlichen Wellness-Widerstand“. Von mir kommt keine Kritik an den Beiträgen. Ich habe auch volles Verständnis für eine alte Freundin, eine Intensivfachpflegekraft, wenn sie das Verhältnis aktuell von 1 Geimpften zu 10 Ungeimpften auf der Intensivstation beklagt und ehrlich zugibt, dass sich ihr Mitgefühl mit den letzteren in Grenzen hält. Besonders, wenn andere Notfälle in benachbarte Kliniken mit noch freien Betten eingeliefert bzw. verlegt werden müssen. Dabei schränkt sie ein, dass zwar Betten vorhanden sind, es jedoch am nötigen Pflegepersonal mangelt. Auch, weil Fachkräfte der Intensivpflege den Rücken gekehrt haben und lieber normal auf Station oder in der mobilen Krankenpflege arbeiten. Ja, noch so ein Satz aus der erwähnten Drosten-Laudatio: „Das Klatschen der Bürgerinnen und Bürger ist leider schon seit längerer Zeit nicht mehr die einzige Resonanz, die das medizinische Personal wahrnimmt.“

Zu meiner häuslichen Quarantäne: Dieser Tage erleben wir einen sehr dynamischen Infektionsverlauf – in erster Linie wegen der vielen nicht geimpften Menschen unter uns, die im Grunde alle potenzielle Gefährder sind. Immer häufiger hören wir aber auch von Impfdurchbrüchen, d. h. Infektionen trotz vollem Impfschutz. So auch in einer Familie, wo ich kürzlich im Rahmen meines Jobs bei der Lebenshilfe war. Weil ich mich dort anhand der Zeitabläufe angesteckt haben könnte, bin ich nun erstmal so ein bisschen alleinkaserniert. Zum Glück war der erste Schnelltest heute Morgen negativ und ich hoffe, dass das so bleibt, dass meine Impfungen Schlimmeres verhindert haben und ich mich in ein paar Tagen wieder ins pralle Leben stürzen darf. Zum Beispiel, um mir an meinem Termin in zwei Wochen die Drittimpfung abzuholen. Bei mir sind jetzt 6 Monate seit der zweiten Impfung um und ich weiß, dass in der besagten Familie alle Wochen vor mir mit dem Impfen durch waren. Nebenbei: In einem Bericht aus Israel habe ich gelesen, dass dort alle, deren voller Impfschutz älter als 6 Monate ist, wieder wie Ungeimpfte behandelt und die Menschen zur dritten Impfung eingeladen werden. Das ergibt für mich Sinn. Allein 2G mag nicht mehr ausreichen.

Leute, die Pandemie ist noch lange nicht vorbei,
passt auf euch auf und bitte,
lasst euch impfen, auch ein drittes Mal!

857 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

10 Kommentare leave one →
  1. 12. November 2021 19:06

    Hallo Sven, da können wir ja fast untergehakt zur dritten Imfpung gehen, am 26. habe ich den Termin. Ich hätte schon im Oktober gekonnt, aber meine Hausärztin nicht. – Die einzige Chance, wo ich mich anstecken könnte, ist bei Dokospielen – aber da sind auch alle geimpft oder wenigstens getestet. – Ich hoffe, dass ich es weiterhin überstehe.
    Tschüss zu dir!

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    • 13. November 2021 07:01

      Moin Clara. Ja, 26., 13:00 Uhr bei meinem Hausarzt. Die Termine vorher waren alle schon belegt, in der Praxis (3 Doctores) impfen sie aber auch „nur“ Mittwoch und Freitag mittags ab 13:00 Uhr außerhalb der Sprechzeit. Und dann stehen da gefühlt 30 Leute vor der Tür, weil offensichtlich alle für dieselbe Uhrzeit bestellt werden.
      Na ja, schauen wir mal. Erstmal muss ich negativ bleiben, das wäre positiv, sonst kann ich den Termin am 26. nämlich canceln.
      Bis bald …

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      • 13. November 2021 12:18

        Wie fast immer so auch dieses Mal bin ich dir einen winzigen Schritt mit dem Termin voraus, mit dem Alter einen riesigen.
        Ich tanze am 26. schon um 8.10 Uhr an – sie macht es auch vor und nach ihrer normalen Sprechstunde. – Der „Stachelkopp“ mit dem widerlichen Namen Corona kann mich mal!

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  2. 13. November 2021 12:21

    Dann alles Gute von mir. 🙂 Ich habe meinen Termin für die dritte Impfung am 10. Dezember. Leider hat man die Impfzentren geschlossen. Eines der Impfzentren hat man inzwischen wieder für mobile Impfteams geöffnet, aber die arbeiten weniger effektiv als vorher die richtigen Zentren. Da sind pro Tag nur ein paar Hundert Impfungen möglich, während es vorher im Normalbetrieb mehrere Tausend waren. Der Andrang ist so groß, dass man Leute wieder wegschicken musste. (In Sachsen!) )-)))) Nun also mein Termin beim Hausarzt, aber da dauert es eben.
    Die Impfquote für Sachsen zeigt ja nur den Durchschnittswert. Hier im Vogtland haben wir inzwischen eine Impfquote von 70,5 %. Da liegen wir im Bundesdurchschnitt. Man kann sich leicht ausrechnen, dass es da Landkreise gibt, die noch nicht mal 50 % Geimpfte haben, der Erzgebirgskreis zum Beispiel oder Bautzen. In welchen Kreisen werden dann die höchsten Inzidenzen sein?
    Ein schönes Wochenende und viele Grüße aus Sachsen

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    • 14. November 2021 09:50

      Moin Eberhard.
      Danke. Mittlerweile gehe ich davon aus, das mich die Impfung vor Schlimmeren bewahrt hat. Aber lieber ein bisschen vorsichtig sein als schlimmstenfalls andere anzustecken.
      Bei den Zahlen musste ich noch an dich und dein Vogtland denken 😉 Gut, dass bei euch relativ viele geimpft sind, aber ihr habt mittlerweile eine 7-Tage-Inzidenz von 600? Oder habe ich mich heute Morgen auf der RKI-Seite verguckt? Wir in OH sind bei 70. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben.
      Bitte passt auf euch auf, wir lesen uns!

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      • 14. November 2021 12:04

        Ja, das Vogtland hat inzwischen auch eine Inzidenz von 600. Insofern ist es wirklich besser, geimpft zu sein. Immerhin fährt Michael Kretzschmer einen harten Kurs, von Anfang an. Auch wenn das einigen nicht passt, ich befürworte das.
        Alles Gute aus dem Vogtland. 🙂

        Gefällt 1 Person

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