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Seine meine kleine Weihnachtsgeschichte

24. Dezember 2021

Acht Jahre ist es her, als wir bei einem Auftritt von Herman van Veen im Lübecker Dom waren. Es war kalt. Gefühlt in dem kirchlichen Gemäuer kälter als draußen. Weil wir vorher in einer nahen Taparia Essen waren, haben wir gestunken wie kaltes Frittenfett. Aber HvV hat unsere Herzen erwärmt und seine kleine Weihnachtsgeschichte wurde zu meiner – ich könnte sie zu jedem Weihnachtsfest vorlesen:

Als du klein warst, hast du dich nicht gefragt,
was die Bedeutung von Weihnachten war,
oder woher der Name ‚Freitag‘ kam,
oder das Wort ‚Köttel‘,
und warum das Fest in deiner Straße
genau am 5. Mai gefeiert wurde.
Alles war so wie es war.
Man fragte sich noch nicht nach dem Warum;
auch nicht, als zum dritten Mal
dein Kaninchen kurz vor Weihnachten
spurlos verschwand.
An Weihnachten kamen Oma und Opa zum Essen,
und wir aßen das gebraten,
was ich los war.
Wir sangen Lieder beim Weihnachtsbaum.
Von Engelchen, die durch die Lüfte schwebten,
und denen, die aus dem Morgenland kamen,
und von Hirten auf dem Feld,
von einem Stern über einem Stall
und einem Kindlein im Stroh,
das Jesus Christus hieß.
Jesus,
diesen Namen hörte man
den Rest des Jahres nur dann,
wenn Onkel Frans wütend war oder
mein Vater sich mit dem Hammer
auf den Fingernagel geschlagen hatte.
Nach den Liedern kamen die Geschichten
von den Großen, als Opa noch ein Junge war,
über den Krieg von vierzehn/achtzehn
und dem, der danach kam, dem schlimmsten von allen.
Und je später der Abend,
desto phantastischer die Geschichten.
Herman van Veen

Weil HvV 2013 nichts gegen diese seine Zeilen in meinem Blog hatte, wird er auch acht Jahre später nicht das Murren anfangen. Dabei denke ich: Die Geschichte ist alt, doch noch nicht so alt wie HvV. Der ist 76. Für mich als Ü60er passt sie. Meine beiden Opas wären heute Ü120er … und „phantastische Geschichten“ hatten sie damals auch immer parat:
Aus der Zeit von vierzehn/achtzehn und der schlimmen Krankheit achtzehn/zwanzig, die man später „Spanische Grippe“ nannte, durch die mehr Menschen in den Familien starben als durch vierzehn/achtzehn.
Am liebsten haben sie aus der „guten alten Zeit“ erzählt, die nach der ersten schlimmen kam, von Kinos und den Mädchen und so. Aus den Mädchen wurden meine Omas und ich war mir nie sicher, ob sie die „alte Zeit“ auch immer so gut fanden, wie die sich bei meinen Opas anhörte.
Die Geschichten gingen dann erst nach fünfundvierzig weiter, weil von dem, was die 12 Jahre davor war, was schlimmer war als alles andere, haben sie nichts gewusst. Haben sie gesagt. Nur wenn mein einer Opa sagte, dass nicht alles schlecht war in der Zeit, von der sie nichts wussten, wurde mein anderer Opa wütend.

Oh ja! Und Kaninchen hatten sie auch.

In 60 Jahren bin ich ein Ü120er. Was mag mein dann Ü60-erwachsenes Enkelkind über die Geschichten ihres Opas, also meine, erzählen? Hoffentlich nicht so: Die Menschen wussten damals erst spät was in und mit der Natur passierte, durch das, was sie taten, aber dann taten sie nichts gegen das, was passierte! Spannende Gedanken!

Das war’s. „Sven Meier erzählt“ in diesem Jahr nix mehr. Mein Fotoblog ist auch schon seit Sonntag geschlossen. Neues gibt’s erst wieder im nächsten Jahr.

In dem Sinne wünsche ich euch allen
besinnliche Weihnachtstage,
kommt gut ins neue Jahr
und bleibt gesund & zuversichtlich!

869 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

14 Kommentare leave one →
  1. 24. Dezember 2021 11:30

    Lieber Sven, das ist eine wirklich schöne Weihnachtsgeschichte!
    Dankeschön und auch ich wünsche dir von ganzem Herzen schöne Weihnachten mit vielen glücklichen Momenten! 💫🎄🌟

    Gefällt 1 Person

  2. 24. Dezember 2021 11:48

    Viele Grüße aus Sachsen in den Norden, verbunden mit meinen Wünschen für ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Und natürlich wünsche ich auch einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

    Gefällt 1 Person

  3. 24. Dezember 2021 12:26

    Danke, das wünsch ich dir auch. Alles Gute und überhaupt. ^^

    Gefällt 1 Person

  4. 25. Dezember 2021 08:08

    Mein lieber Sven, du schaffst es selbst zu Weihnachten, deinen Finger in die Wunde zu legen und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Unsere Großeltern waren eben wie sie waren und wahrscheinlich werden unsere Enkelkinder von uns einmal das sagen, von dem du hoffst, dass sie es nicht sagen.
    Frohe Weihnachten 🎄 und alles Gute für 2022 ☘

    Gefällt mir

  5. 25. Dezember 2021 17:24

    Wärst du jetzt hier, ich MÜSSTE dich einfach drücken für diese Geschichte und deinen Nachspann. Und auch dafür, dass ich jetzt für kurze Zeit weiß, dass ich genau 5 Monate jünger bin als „dieser alte Mann“ – ich mochte ihn unheimlich gern, als ich noch Musik gehört habe.
    Bei meiner Mutter hörte sich das auch immer so an, als wenn sie alle nichts gewusst haben. Und du kannst schon recht haben – in 50 Jahren, wenn es die gute alte Welt von heute nicht mehr gibt, hat auch keiner irgendwas gewusst oder geahnt.
    Ganz lieben Gruß

    Gefällt 1 Person

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