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Kinder …

17. März 2022

OGS, Offene GrundSchule, Nachmittagsbetreuung. Es ist interessant zu beobachten, wie die Kids mit dem Thema Krieg umgehen. In einer Klasse ist das offensichtlich besprochen worden und so haben das einige Kinder danach draußen verarbeitet:

Andere haben Demo geübt und im Chor gerufen: „Wir wollen Piis, wir wollen Piis“ … phonetisch, gemeint war natürlich das englische Peace. Blöd nur, dass ein Junge aus einer anderen Klasse Krieg statt Peace verstand, was ihn fürchterlich erbost hat. Das Missverständnis aufzuklären war nicht einfach.

Eine Handvoll anderer Jungs haben, was mich tatsächlich verstört hat, mit Stöcken als Gewehrersatz Krieg gespielt. Peng, Peng, Peng …. Hallo? Geht’s noch? Ich weiß nicht, wie pädagogisch wertvoll in solchen Fällen Erklärungen und Bitten sind, so etwas nicht zu spielen. Bei zwei, drei, schien es jedenfalls gefruchtet zu haben. Einer meinte jedoch im vollen ernst: „Das ist doch nur Spiel. Papa spielt zuhause auch immer Ballerspiele, dann darf ich das auch!“ Das ist so ein Moment, wo einem die Argumente ausgehen. Ein Fall für die Sozialpsychologie. Denn eins habe ich widerwillig gelernt:
Wir können nicht die Welt retten – d. h., wir können in der wenigen Zeit mit den Kindern nicht das reparieren, was das häusliche Umfeld kaputt macht. Schade, wenn Eltern das Lebensskript für ein Kind so ungünstig beeinflussen und ihm vermitteln, wie seine Ansichten über sich selbst, die anderen und die Welt ok sind. Einfach wird es für solche Kinder später einmal nicht und der Spruch: „Mein Kind soll es einmal besser haben“ bleibt in der Regel ein frommer Wunsch.

890 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

9 Kommentare leave one →
  1. 17. März 2022 09:48

    Hmmm…
    Die Sache mit dem Krieg spielen und dem Vorbild, das Eltern dabei abgeben.

    Das mag in der heutigen Zeit sicher so zutreffen und dürfte ein Phänomen sein, was nicht nur Dir begegnet.

    Was mich gerade zu der Überlegung führt, dass wir Jungs in unserem Dorf ja auch früher Kriegsspiele gemacht haben, obwohl wir solche Beispiele in unserer relativ pazifistisch eingestellten Umgebung im Umfeld einer christlich geprägten Anstalt ja gar nicht hatten und es Beispiele in Form von Ballerspielen damals noch gar nicht gab – ja selbst Fernseher eine seltene Ausnahme waren.

    Alles was wir damals über Krieg wussten, war das, was in unseren Familien darüber erzählt wurde und zumeist wenig mit irgendelchen Heldentaten, sondern eher mit grossen Verlusten und Trauer darüber zu tun hatte…..
    Und mir ist auch gerade nicht klar, woher die Einflüsse kamen, die uns zu solchen Spielen animiert haben. (im Gegensatz etwa zu den üblichen Indianerspielen, bei denen Winnetou sicher Pate gestanden hat – und die im übrigen auch nicht immer gewaltfrei abgelaufen sind)

    Als meine eigenen Kinder in dem Alter waren, ist mir das Problem dann auch wieder begegnet, obwohl alle Kinder innerhalb unseres Freundeskreises von Seiten der Eltern her sehr pazfistisch erzogen worden sind und Ballerspiele da sicher nirgends als Beispiel dienen konnten..
    Dafür aber Einflüsse von aussen – etwa über andere Kinder im Kindergarten oder in der Schule – verbunden mit einem gewissen Reiz des Verbotenen, den ich eine Zeit lang bei meinem ältesten Sohn beobachten konnte….

    Damals sagte ein Bekannter (ein Pädagoge) zu mir, das „zu Kämpfen“ wohl auch im genetischen Programm des Menschen angelegt wäre und Kampfspiele im Kindesalter völlig normal, weil es dabei auch darum gehe, eigene Grenzen auszuloten und ähnlich einem Wolfsrudel auch die Rangordnung dabei eine Rolles spiele.
    Bedenklich werde das erst, wenn Kinder dabei lernen, dass Gewalt das einzige Mittel sei, sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen.

    Aber ganz ehrlich: beruhigt hat mich das damals nicht.

    Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass er bezogen auf meinen Sohn völlig recht hatte. Es war wirklich nur eine Phase, die nach ein paar Wochen auch ohne grössere Intervention wieder vorbei war.

    Gefällt 2 Personen

    • 18. März 2022 06:31

      Moin.
      Stimmt. In der Hinsicht wurde ich „damals“ von Karl May sozialisiert, habe als Kind alle Bücher verschlungen, die unsere Bibliothek in der Grundschule hergab und natürlich haben wir „Cowboy & Indianer“ gespielt. Ich glaube, später, 90er, war das bei meiner Tochter schon nicht mehr so angesagt und jetzt beim Kinderfasching in der Schule kann ich mich an kein einziges so verkleidetes Kind erinnern.
      Egal. Dass Kinder raufen und so auch eine gewissen Rangordnung ausloten, ist für mich ganz natürlich, liegt wohl in der Natur der Sache. Wenn es denn dabei bleibt.
      Schwierig wird es für mich, wenn Kinder zuhause mit diesen „Ballerspielen“ konfrontiert werden, Gewalt visuell wahrnehmen. Oft, dass sei nur am Rande erwähnt, kommt es in solchen Familien auch zu psychischer und physischer Gewalt. Gerade in der Corona-Zeit, mit Lockdowns, geschlossenen Schulen und Homeoffice, haben wir diesbezüglich eine Zunahme bemerkt.
      Na ja, und machen wir uns nix vor: Spielen es die Alten, spielen es auch schnell die Jungen. Und gerade Kinder können durch die Ego-Perspektive dieser gewaltverherrlichenden Spiele nicht immer die nötige Distanz zwischen der Realität und der virtuellen Welt wahren und insgesamt kann das die Entwicklung eines Kindes erheblich stören. Das sind jedenfalls so unsere/meine Erfahrungen.
      Wenn du nun so ein Kind in der Klasse hast, das versucht Konflikte durch Gewalt zu lösen und jeder zweite Satz lautet: „Ich kille dich, ich kille dich“, dann … macht’s den Job jedenfalls nicht leichter.
      Grüße von der Ostsee an die Elbe!
      So, jetzt will ich erstmal nachlesen, was aus deiner „Drohnengeschichte“ geworden ist 😉

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  2. 18. März 2022 06:57

    Ich selber bin ja auch eher pazifistisch sozialisiert, erinnere mich aber einen Freund aus Kindertagen, der dann quasi aus Opposition zu seinen Eltern Kriegsschiffe gebaut hat (auf die meine Freundin und ich dann heimlich Friedenstauben gemalt haben 🙂 ). Ich selber habe ja keine Kinder, aber Ballerspiele würde ich garantiert nicht dulden. Ganz verhindern kann man vermutlich nicht, dass Kinder auch mal Krieg „spielen“, aber man muss es ja nicht noch durch eigenes Verhalten fördern.

    Gefällt 1 Person

    • 18. März 2022 08:25

      Moin. Nee. ganz bestimmt nicht, fördern sollte man das nun wahrlich nicht. Aber was willst’e machen? Das sind dann die Fälle, wo man wirklich sagen kann: „Schau dir die Eltern an und du weißt genau, wie die Kinder einmal werden.“

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  3. 18. März 2022 11:05

    Zu den „Ballerspielen“: Fakt ist, ich denke das ist unbestritten, dass mediale Gewalt für Kinder und Jugendliche erhebliche Wirkungsrisiken beinhaltet, eine situative emotionale Überforderung darstellt, einhergehend mit einer Verstärkung eines bedrohlichen Weltbildes und Bestärkung einer Werteorientierung, die Gewalt als legitimes Mittel bei der Durchsetzung als Konfliktlösung akzeptiert. Dazu gibt es obendrauf eine Minderung der Empathie und eine Abstumpfung gegenüber Gewalt. Dieses Schema kannst du sehr oft bei Amokläufen feststellen.

    Gefällt 1 Person

  4. 22. März 2022 20:16

    Sven,

    ich stimme dir im Prinzip zu. Aber man muss immer auch dies bedenken; wir leben in einer Marktwirtschaft. Da – genau – geht es….ja richtig, um Geld. NUR um Geld. Um NICHTS anderes. Fakt. Und traurig.

    Es gibt – um nur ein einziges Beispiel zu nennen – viele Menschen, die aus Überzeugung unheimlich gerne ein E Auto haben möchten. Kein billiges, für 10000,- Euro. Aber auch kein Luxus, für 50.000,- Euro. Aber die werden es niemals bekommen. Weil denen schlicht das Geld fehlt. Und manchmal werden die dann auch sauer. Warum „die“, und nicht ich. Will ich auch…

    …und so ist es auch mit anderen Dingen, mit Häuser, mit Einkommen, generell mit Luxusartikel. Man „will“ (möchte) die haben, bekommt sie aber nicht. Wenn doch stellt man freilich oft fest; hätte gar nicht nötig getan.

    Auch wenn es uns in Deutschland noch recht gut geht; das Leben ist ziemlich grausam. WEIL wir uns immer fügen, immer tun was die Eltern befehlen. Immer tun, was der Chef sagt. Man will ja seinen Job nicht verlieren. DAS ist die Realität!

    VG, Jürgen

    Gefällt 1 Person

    • 28. März 2022 12:18

      Moin. Na ja, ik segg mol so: Wat den En sien Uul, is den Annern sien Nachtigall.

      Du: „WEIL wir uns immer fügen, immer tun was die Eltern befehlen. Immer tun, was der Chef sagt. Man will ja seinen Job nicht verlieren. DAS ist die Realität!“

      Na ja, vllt. ist das auch abhängig von der Lebensphilosophie, denn m. E. muss das so nicht sein. Op Platt hebt wi’n Seggwies: „Beter’n lütten Herr as’n groten Knecht!“ Das haben sich hier die Alten nicht aus Lust an der Freund ausgedacht, sondern das spricht für die Lebenseinstellung. Und die ist mir sehr genehm 😉
      Grüße aus Ostholstein

      Gefällt 1 Person

      • 28. März 2022 18:38

        Na gut, da stimme ich dir zu. Besser ein kleiner Herr, also ein großer Knecht. 🙂
        VG, Jürgen

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