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Meier sinniert … (II)

11. April 2022
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Butscha. Ende März 2022. Das Massaker. Oder muss ich sagen, objektiv und juristisch korrekt, das vermeintliche Kriegsverbrechen? Bekanntlich stirbt in jedem Krieg die Wahrheit zuerst. Zu Butscha behaupten Ukrainer einen russischen Völkermord, Russen sprechen von einer ukrainischen Inszenierung.

Solche Hinweise, wie hier bei der Tagesschau, gibt es auf allen gängigen Nachrichtenseiten. Und so sehr die Vor-Ort-Reporter:innen wie bspw. Katrin Eigendorf (ZDF) und Georg Restle (ARD) um Objektivität bemüht sind, eine gewisse Emotionalität können sie – verständlicherweise – nicht ausblenden – was sie auch zugeben. Irgendwie wirkt dann doch alles bisweilen subjektiv. Damit meine ich nur die ÖR. Und die Privaten? Nee, die tue ich mir nicht an, das ist mir zu sehr Katastrophenpublizistik (Heribert Prantl) und dient mir neben der Berichterstattung besonders den Einschaltquoten und Klicks. Das sind meine Gedanken. Trotz alledem: Angesichts der Bilder wie oben aus Butscha, die es aus diversen Agentur-Quellen zurzeit zuhauf gibt, sprechen die Indizien und die von vor Ort tätigen NGOs vorgelegten Beweise, wie bspw. von Human Rights Watch, für sich und es gibt null Hinweise auf eine Entlastung Russland. Nur nachgewiesene russische Fakes. Punkt!

Punkt? Nee, nee! Es gibt nach wie vor Leute, die meinen, dass alles nicht so ist, wie es scheint, die eine ganz andere Sicht haben als die allgemeine. Freitag erhielt ich diese Mail:

Ja, wir waren „so gründlich anderer Meinung“! Jedem zwar seine, aber als zu Kriegsbeginn Putin-Narrative verbreitet wurden, von wegen mit der vertragsbrüchigen Nato, Osterweiterung und so, habe ich dem energisch widersprochen und auf den historischen Kontext verwiesen. Na ja, nun das, der oberste Link:

Würde man dem Link folgen, könnte man solche Sätze lesen:
Es ist verrückt, man kann sagen, es herrscht eine regelrechte Hysterie. Was mir auffällt und was mich sehr stört, ist, dass niemand die Frage stellt, warum die Russen einmarschiert sind. … Zunächst muss klargestellt werden, dass Putin weder verrückt ist noch die Realität verloren hat. … Der Krieg ist sicher nicht gegen die ukrainische Bevölkerung gerichtet. Das wurde von Putin immer wieder gesagt. Man sieht es auch an den Fakten. …
Wohlgemerkt, veröffentlich am 15. März. Angesichts der zweieinhalb Wochen später aufgenommenen Bilder aus Butscha müssen diese Worte für jeden Ukrainer wie ein Schlag in die Magengrube wirken.
Der zweite Link, veröffentlicht am 6. April, spricht für sich,
„angebliches Massaker, unsägliche MSM (Mainstream Meinung), allgemeine Kriegshetzte“:

Zum Vergrößern jeweils auf die Bilder klicken.

Das nur zu der Mail. Und ich frage mich, sinniere: „Warum sind diese Menschen so? Was motiviert sie? Warum sehen sie nicht das Offensichtliche? Oder bin ich fehlgeleitet?“ Und mit mir die Redaktionen aller weltweit großen Medienanstalten und Verlage? Kann man wirklich manches anders sehen, als es in den Medien dargestellt wird? Oder was steckt dahinter?

Forscht man nach, kommt man schnell zu diesem Ergebnis: Viele, nicht alle, die sich heute pro-russisch hervortun, waren auch schon in der Pandemie als Corona-Leugner und Maßnahmen-Gegner präsent. Es sind dieselben rechts ausgerichteten Online-Magazine & Blogs, nicht nur aus Deutschland, ebenso aus Österreich und der Schweiz, die heute die russische Propaganda weitertragen und viel Sympathie für Putin & seine Kreml-Clique hegen.
Und noch eins wird deutlich: Wie schon während der Pandemie, gibt es nun auch während des Krieges in Ostdeutschland eine teils andere Sichtweise als in Westdeutschland. Das sage nicht ich, das sagt bspw. Silke Satjukow, 1965 in Weimar geboren, heute Historikerin & Professorin an der Uni Halle. Das korrespondiert mit dem Wahlverhalten in Ostdeutschland, wo die AfD Zuspruch hat wie nirgends sonst in Deutschland.
Tja, nun kann ich sinnieren solange ich will, kann unzählige Erklärungsansätze von hochdekorierten Soziologen lesen, solange es keinen Konsens über das Anerkannte gibt, wird es wohl so bleiben wie es ist. Oder wie Dietrich Bonhoeffer Von der Dummheit schrieb, bevor er 1945 von den Nazis hingerichtet wurde:

Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen – sagt man. Die Pharma-Industrie wird wohl bald eins erfinden, da der Bedarf weltweit steigt!

Willy Meurer, deutsch-kanadischer Aphoristiker & Publizist

895 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

3 Kommentare leave one →
  1. 11. April 2022 10:47

    Die staatlich kontrollierten russischen Medien befleißigen sich einer selektiven Wahrheitsfindung, sie rechtfertigen und dementieren, weisen jede Verantwortung von sich und lügen.
    Nach allem was heute durch unabhängige von vor Ort berichtenden Journalisten bekannt ist, haben sich die russischen Medien meilenweit von der Realität entfernt und beschuldigen die Ukraine dessen, was die russische Armee begangen hat. Sie betreiben eine Umkehr vom Täter zum Opfer.
    Umso trauriger ist es, wenn im „Westen“ die russische Propaganda geteilt wird. Aber was willst du von Querdenkern wie Jürgen Elsässer, Gunnar Lindemann & Co. erwarten, die von einer „Corona-Diktatur“ sprechen und in der EU eine
    „EUdSSR mit ökosozialistischer Planwirtschaft, politischer Korrektheit und eine Zerstörung der traditionellen Werte von Christentum und Familie“
    sehen und dass der Putin-Kreml genau das Gegenstück dazu ist und diesen „EU-Neo-Kommunismus“ bekämpft?
    Diese Leute, die Putin heroisieren, die meinen, man könne es „auch anders sehen“, nur als „dumm“ zu bezeichnen, ist nicht nur sehr euphemistisch, sondern anderseits ebenso „dumm“. Schaue dir nur das Wahlergebnis von gestern aus Frankreich an. Bei Elsässer, Lindemann & Co. dürften gestern Abend die Sektkorken geknallt haben. Von Macron mag man halten was man will, zurzeit erscheint er wie auf einer Insel im Ozean des französischen Protests. Und den können wir in Deutschland auch kriegen, wenn es mit der Wirtschaft bergab gehen sollte (Gas-Importstopp) und die Menschen unzufriedener werden, als sie es ohnehin schon sind.
    Sinniere bitte darüber mal nach ^.^

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  1. Antwort von Herrn Dingsbums – mit Hansa Rostock als Beispiel | Sven Meier erzählt

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